Es sei vorweggenommen: Die Gefahr beschränkt sich auf die Edelkastanie, die in der Schweiz im Kanton Tessin ihren grössten Bestand hat. Die im Aargau viel häufigere Rosskastanie ist nicht betroffen. Trotzdem schlägt der kantonale Pflanzenschutzdienst jetzt Alarm und verfügt besondere Massnahmen: In Schinznach-Dorf hat sich auf einigen Bäumen die Edelkastanien-Gallwespe mit ihren Larven (siehe Kasten) eingenistet. Das kleine schwarze Insekt gilt als der wirtschaftlich gefährlichste Schädling der Edelkastanien-Bäume. Sind diese einmal befallen, können Baumwachstum und Fruchtbildung gehemmt werden, was einen Ertragsausfall von bis zu 75 Prozent ausmachen kann. Die Früchte selbst, also die Edelkastanien, sind nicht direkt betroffen und können auch von befallenen Bäumen uneingeschränkt genossen werden.

Einige importierte Jungpflanzen

Festgestellt hat man den Befall in der Schinznacher Baumschule Zulauf. Als grosser Player am Markt zieht und handelt Zulauf unter normalen Umständen nebst zahlreichen anderen Baumarten auch mit Edelkastanien. Als im Herbst an einigen wenigen importierten Jungpflanzen die Larven in den Knospen festgestellt wurden, haben die Behörden und das Garten-Center sofort reagiert: Die Bäume sind entfernt und verbrannt worden, alle gesunden Bäume haben die Experten sorgfältig überprüft.

Damit nicht genug, wie Geri Busslinger vom Kantonalen Pflanzenschutzdienst erklärt: «Dieser Fall löst jetzt im Rahmen einer Bundesverordnung weitere aufwändige Untersuchungen im Umkreis von etwa 15 Kilometern um Schinznach-Dorf aus.» Es klinge am Ende schlimmer als es sei, da man die Suche nach weiteren Gallen auf Edelkastanien beschränken könne und es von diesen im Aargau eher wenige gebe. Bei der Baumschule Zulauf unterstützt man das Vorgehen kompromisslos. Garten-Center-Leiter Karl Hautle kennt die Krankheit, die sich bei uns erst seit wenigen Jahren verbreitet: «Dadurch, dass Eigentümer Christian Zulauf in Wirkungskreise auf oberster Bundesebene involviert ist, wissen wir über alarmierende Entwicklungen immer schon sehr früh Bescheid. Es ist klar, dass wir mit den Behörden eng zusammenarbeiten und meistens sogar schon vor den Verfügungen Massnahmen ergreifen.» Der Verkauf besagter Pflanzen sei selbstverständlich sofort gestoppt worden. «Wir verkaufen ausschliesslich gesunde Pflanzen», betont Hautle.

Wie sich die Krankheit weiter entwickelt ist schwer abzusehen. Das Problem sei in diesem Fall nur mit dem Verbrennen der betroffenen Pflanzen zu lösen. Vor Insektiziden seien die Gallwespenlarven durch ihre dickwandigen Knötchen (Gallen) zu gut geschützt.