In stiller Wahl wurden letztes Jahr die nebenamtlichen Bezirksrichter für eine Amtsperiode von vier Jahren gewählt. Das waren Brigitte Balz (parteilos), Ernst Beyeler (EVP), Mario Etzensberger (FDP), Margrit Schaller (SP), Vreni Schwarz-Schildknecht (SP) und Jürg Stüssi-Lauterburg (SVP).

Nun scheidet Mario Etzensberger, Windisch, aus Altersgründen aus. Denn Laienrichter können ihr Amt nur bis zur Vollendung des 70. Altersjahrs ausüben. Für den freiwerdenden Posten kandidieren Urs Herzog (FDP) aus Brugg und Antonino Vecchio (CVP) aus Lupfig.

Seit seiner Pensionierung im letzten Jahr, bringt Urs Herzog (62) sein Know-how als Technical Advisor bei einem lokalen Start-up-Unternehmen ein. Neben dem Stiftungsrat des Brugger Ferienhauses Salomonstempel Hemberg ist Herzog auch im Verwaltungsrat eines KMU. Weiter engagiert er sich für das Stadtfest Brugg 2019, als Mitglied des OK-Teams ist er für das Ressort «Festbetrieb» zuständig.

Bis 2015 war er im Einwohnerrat Brugg. Oft sieht man ihn mit dem Velo durch die Stadt fahren, auf dem Weg zu einer kulturellen Veranstaltung im Salzhaus oder an die Aare. Als Bootsführer bei einem lokalen Flussfahrten-Unternehmen ist er viel auf dem Wasser anzutreffen. Zu seinen weiteren Hobbys zählen Segeln, Schwimmen, Biken und Skifahren. Herzog ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Antonino Vecchio arbeitet als Privatkundenbetreuer bei der Aargauischen Kantonalbank (AKB) in Brugg und ist Mitglied des Kaders. Er war 12 Jahre im Gemeinderat und zuvor in der Finanzkommission von Lupfig. In seiner Freizeit war er viele Jahre als Schiedsrichter tätig. Fussball ist nach wie vor eine grosse Leidenschaft von ihm. Mit Freunden schaut er sich gerne Matches im Fernsehen an oder feuert den FC Brugg vor Ort an. Vecchio treibt auch aktiv Sport, er geht gerne joggen und Velofahren. Der 54-Jährige ist Vater einer erwachsenen Tochter und verheiratet.

Für beide Kandidaten wäre das Richteramt eine spannende Herausforderung. Ihre Ansichten, ihre Motivation für das Amt und wofür sie als Bezirksrichter einstehen wollen, erzählen sie in den nachfolgenden Porträts.

Urs Herzog

Urs Herzog zog vor 40 Jahren aus dem Oberen Wynental nach Brugg und fühlt sich hier sehr wohl.

Urs Herzog zog vor 40 Jahren aus dem Oberen Wynental nach Brugg und fühlt sich hier sehr wohl.

Urs Herzog (62) spricht ruhig und bedacht. Er sei ein analytischer Mensch, sagt er. Diese Fähigkeit war ein Muss in seiner Karriere. Nach dem Studium an der ETH Zürich arbeitete Herzog in verschiedenen Entwicklungs – und Engineering Unternehmen, die letzten 30 Jahre bei Holcim Technology, wo er bis zu seiner Pensionierung letzes Jahr als Leitender Ingenieur und Abteilungsleiter tätig war.

Herzog lebt seit bald 40 Jahren in Brugg. Ursprünglich kommt er aus dem Oberen Wynental, aber in der Stadt mit dem Schwarzen Turm blieb er hängen. Hier gefällt es ihm, hier fühlt er sich wohl. Deswegen engagiert sich das FDP-Mitglied gerne für die Stadt. Herzog sitzt im Stiftungsrat des Brugger Ferienhauses Salomonstempel Hemberg und ist im OK für das Stadtfest Brugg 2019. Das Stadtfest sei eine tolle Idee, zu der er etwas beitragen wolle, sagt Herzog. Um genug Zeit für das Richteramt zu haben, würde er aber, wenn nötig, mit seinen Hobbys und Nebenämtern kürzertreten. «Man muss Prioritäten setzen», meint er.

Zeit für etwas Neues

Ab und zu ist eine Veränderung angebracht, wie Ende 2015, als er nach fast zehn Jahren, aus dem Einwohnerrat Brugg zurücktrat. Er habe den Weg für die Jungen frei machen wollen, erzählt er. Zudem sei für ihn einfach die Zeit für etwas Neues gekommen. So ist es auch jetzt mit der Kandidatur für das Bezirksrichteramt.

Urs Herzog ist gespannt darauf und will dazulernen. Ausserdem möchte er der Gesellschaft etwas zurückgeben. Es sei wichtig, dass man mitmache und seinen Teil beitrage. Seine Lebenserfahrung sieht Urs Herzog als ein Plus für die Rolle als Bezirksrichter. Sie sei essenziell für dieses Amt. Schliesslich könne man keine Urteile fällen, indem man nur Buchstaben für Buchstaben das Gesetz zitiere. Das Gesetz schaffe den gesetzlichen Rahmen, in dem die Richter agieren müssten.

Recht sei definiert und stehe geschrieben, die Gerechtigkeit sei die Ausführung und Anwendung, sprich was das Gericht daraus mache, führt Herzog aus. Dass dies von den Einzelpersonen manchmal als ungerecht empfunden werden kann, hat Herzog am eigenen Leib erfahren. Das Unternehmen eines Verwandten musste vor Gericht. Herzog empfand diese Anklage als äusserst ungerecht. Also liess er sich die Situation von einem Rechtsanwalt erklären. Als er die rechtliche Lage verstanden habe, so Herzog, habe er es akzeptieren können. «Im Prinzip geht es um die Wahrheitsfindung und darum, die Situation zu beurteilen», beschreibt Herzog die Richtertätigkeit.

Als Bezirksrichter würde er sich intensiv mit den Kollegen austauschen, denn Teamarbeit ist ihm sehr wichtig. Das kennt er von seiner Arbeit her, bei der er als Verantwortlicher auch mit schwierigen Situationen konfrontiert wurde. Doch ein tragendes Umfeld helfe viel in solchen Situationen, sagt Herzog. Auf die Unterstützung seiner Ehefrau, seiner beiden erwachsenen Kinder und seiner Freunde wird er auch im Richteramt zählen können.

Mit dem Rechtssystem der Schweiz ist der Brugger zufrieden. Zwar sei es komplexer geworden, aber das entspräche unserer vielschichtigen und vernetzten Welt: «Das System kann nicht einfach vereinfacht und gekürzt werden. Wer sich ungerecht behandelt fühlt, hat die Möglichkeit, die nächste Instanz anzurufen, was gut ist. Schliesslich kann sich niemand anmassen, alleine gerecht zu sein. Für Veränderungen der Gesetze gibt es die Möglichkeit von politischen Vorstössen.»

Es braucht die Diskussion

Generell findet es Herzog gut, wenn die Leute über das Rechtssystem diskutieren. Denn so könne es angepasst werden. Auch die Diskussionen über den Streitpunkt «Kuscheljustiz» begrüsst er. Ob der Begriff zutreffe, möchte er allerdings nicht beurteilen.
Sicherlich sei das Verständnis für Verbrecher grösser geworden, aber das widerspiegle die gesellschaftlichen Veränderungen. Zudem könne die Schweiz die Strafen nicht beliebig verschärfen, sondern müsse sich an gewisse Richtlinien halten. Ausserdem gäbe es ja auch den umgekehrten Fall, dass manche Gesetze als zu streng angesehen würden, zum Beispiel den «Raser-Artikel».

Umfangreiche Diskussionen würden ihm als Richter auf jeden Fall bevorstehen, doch Herzog freut sich darauf: «Ich bin ein Teamplayer, ich finde es spannend, gemeinsam nach einer Lösung zu suchen und einen Konsens zu finden.»

Antonio Vecchio

Der Lupfiger Antonino Vecchio bezeichnet sich als Mann des Volks.

Der Lupfiger Antonino Vecchio bezeichnet sich als Mann des Volks.

Auf die Frage, wieso er für das Bezirksrichteramt kandidiert, muss Antonino Vecchio (54) nicht lange überlegen. Verschiedene Aspekte dieses Postens reizen ihn. Zum einen habe er Freude an den Gesetzen und deren Umsetzung. Zum anderen möchte er die dunkle Seite des Menschen besser kennenlernen und erforschen. Ausserdem schätze er die Arbeit im Hintergrund und im Stillen. Das sei ein grosser Kontrast zu seinem früheren Amt als Gemeinderat in Lupfig.

Deswegen hat Vecchio auch keine Angst, dass es im Richteramt zu einer ähnlichen Situation kommen könnte wie 2015. Damals trat der CVPler überraschend aus dem Gemeinderat zurück, aus Protest auf die Freistellungen von zahlreichen Mitarbeitern des Altersheims Eigenamt. Das sei eine ausserordentliche Situation gewesen, stellt Vecchio klar. Im Gericht hätten alle Richter die gleiche Ausgangslage und das gleiche Ziel.

Missen möchte er die 12 Jahre als Gemeinderat nicht. Diese Zeit habe ihm gezeigt, dass die Leute Vertrauen zu ihm hätten. Viele seien mit vertraulichen Angelegenheiten zu ihm gekommen. Diskretion, Verschwiegenheit und Glaubwürdigkeit erachtet er als wichtig für das Amt des Bezirksrichters. Eigenschaften, die er schon von Berufs wegen mitbringe.

Gesunder Menschenverstand

Als Privatkundenbetreuer bei der Aargauischen Kantonalbank (AKB) und Mitglied des Kaders sind ihm juristische Auseinandersetzungen nicht fremd. Sei es, dass sich durch Scheidungen neue Situationen im Kreditwesen ergeben oder, dass er zu der Nachlassplanung Auskunft geben muss. Aufgrund seine Arbeit verfüge er über gute Menschenkenntnisse, so Vecchio. Diese hat er auch durch seine Schiedsrichtertätigkeit erhalten. Er bezeichnet dieses Hobby als gute Lebensschule, es habe ihn gelehrt, die Dinge neutral und von aussen zu betrachten und mit Druck umzugehen.

Der Sport gibt Vecchio viel und hilft ihm auch in schwierigen Situationen: «Als der Fall des Frauenschänders von Hendschiken aktuell war, habe ich mich gefragt, wie es wäre, wenn ich Richter wäre und mir das Videomaterial anschauen müsste. Ich würde dann viel Sport machen, um mich abzureagieren.» Beim Richteramt gehe es darum, hinter die Dinge zu schauen, meint Vecchio. Ausschlaggebend sei vor allem, ob man etwas glaube oder nicht. Dies erfuhr er von einem Richter, mit dem er im Vorfeld seiner Kandidatur gesprochen hat.
Seine Frau und die erwachsene Tochter unterstützen ihn bei seiner Kandidatur und auch sein Arbeitgeber steht hinter ihm. Schliesslich ist er der AKB seit 1999 treu. Zuvor hatte er eine Lehre als Sanitär gemacht und liess sich dann zum Versicherungsfachmann und anschliessend zum Kundenberater weiterbilden.

Der gesunde Menschenverstand, kombiniert mit Schweizer Werten. Dafür will der Lupfiger im Gericht einstehen. Man müsse die Umstände einer Tat kennen und sich den Menschen und die Situation vor Augen führen. Es sei wichtig, bereit zu sein, eine zweite Chance zu geben. Als Bezirksrichter gehe es ihm vor allem um den Menschen.
«Ich stand glücklicherweise noch nie vor Gericht», sagt er und lacht. «Auch nicht als Kläger.» Wenn immer er sich ungerecht behandelt fühlte, habe er sich genug durch Handeln, Argumente, Fakten wehren können.

Unser Rechtssystem ist fair

«Fair und korrekt», so beschreibt der Bezirksrichter-Kandidat das hiesige Rechtssystem. Die Betroffenen hätten ja die Möglichkeit, das Urteil weiter zu ziehen. Verbesserungsvorschläge will er sich keine anmassen. Nicht, bevor er das System von innen gesehen hat.

Vecchio würde es begrüssen, wenn durch seine Wahl das Eigenamt im Gesamtgericht vertreten wäre. Seit frühster Kindheit lebt er in Lupfig. Er fühlt sich mit dem Dorf und der Region Brugg stark verbunden: «Ich bezeichne mich als Mann des Volks. Es interessiert mich, was die Region für Probleme hat und wie sie sich entwickelt.» Deshalb sei sein Denken sehr schweizerisch, manchmal fast ein wenig zu sehr. Durch seine italienischen Wurzeln könne er sich gut in andere Ethnien einfühlen. Vielleicht könne er dadurch am Gericht einen Beitrag bei Entscheidungsfindungen bei Mentalitäts- und Kulturfragen leisten.

Die Wahl zum Bezirksrichter wäre für Vecchio eine ehrenvolle und spannende Herausforderung. Er versichert: «Ich werde den vollen Einsatz geben. Ich mache keine halben
Sachen.»