«Schweigen wie ein Grab» lautet eine geläufige Redewendung. Doch die über 150 Gräber, die von den Archäologen zwischen Herbst 2012 und Frühling 2013 am Remigersteig in Brugg ausgegraben worden waren, schweigen nicht – sie liefern im Gegenteil viele Informationen.

Dies ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, wie der Kantonsarchäologe Georg Matter an der Eröffnung der Neufundvitrine im Vindonissa-Museum erläuterte, dass die Hangrutschungen vom Bruggerberg im Laufe der Zeit das Gräberfeld überdeckt und die Grabinhalte geschützt hatten.

Matter dankte dem Grabungsteam, das trotz Zeitdruck, bedingt durch ein Bauvorhaben, und trotz schwieriger winterlicher Verhältnisse diese Zeugen aus der Zeit Vindonissas retten konnten. Sein Dank galt auch den Gestaltern der Vitrine, Regine Fellmann, Jörg Blum und weitern Mitarbeitern.

Rundbau für Frau und Kind

«Es ist ein Glücksfall», so Jürgen Trumm, Leiter Grabungen Vindonissa, «dass am Remigersteig gleich zwei Grabsteine mit Inschriften zum Vorschein kamen».

Besonders spektakulär ist der runde Grabbau, Tumulus genannt, in dem die 40-jährige Maxsimila Cassia von Bononia (Bologna) und die zehnjährige Sklavin Heuprosinis in Urnen bestattet worden waren. Sie sind auf dem wunderschönen Grabstein mit Namen und Abbildung wiedergegeben. Diesem Grab gilt die jetzige Vitrinenausstellung.

Diese zeigt neben den Urnen und einer Grabsteinaufnahme die Grabbeilagen, so zwei Öllämpchen, Münzen, Bronzespiegel, beinerne Nadel, Schälchen, Glasfläschchen. Letztere enthielten duftende Essenzen, denn es war Teil des Bestattungsrituals, die Verstorbenen und den Scheiterhaufen damit zu besprengen.

Dass die Fundstücke aus diesem Rundgrab so kurz nach der Grabung restauriert werden konnten und nun präsentiert werden, verdient eine besondere Anerkennung. Die kleine, aber feine Vitrinenausstellung wird ergänzt durch Infotafeln und erstmals durch einen Kurzfilm, der diese Grabung dokumentiert.

Die meisten der freigelegten Urnengräber stammen aus der Zeit zwischen 25 und 75 nach Christus. Bekannt sind laut Trumm 750 Gräber aus der Zeit Vindonissas. Das ist eine kleine Zahl: Es dürfte Tausende von Gräbern gegeben haben. Ein Teil ist noch nicht entdeckt, ein Teil wohl in früheren Jahrzehnten beseitigt worden. Übrigens: Die auf dem Friedhof Remigersteig von unbekannter Täterschaft entwendete Urne konnte bisher nicht aufgefunden werden.