Lupfig

Wenn die Jugend mit dem Militär spielt

Jugend und Militär machen gemeinsame Sache.

Jugend und Militär machen gemeinsame Sache.

Erstmals fand der Workshop «Jugendmusik und Militärmusik» in Lupfikon statt – ein Erfolg. Ziel ist, den Jugendlichen ein besonderes Erlebnis zu verschaffen aber auch einige für die Blasmusik zu gewinnen.

«Schauen Sie, dort sind sie», sagt der Bub und deutet auf das Schulhaus. «Sie» sieht man zwar nicht, doch man hört sie. Die Neugier treibt einen deshalb hoch hinauf – zum Dachgeschoss. Eine Tuba hat soeben ihre kräftige Stimme erhoben und damit bleibt der Eintritt in den lichtdurchfluteten, abgeschrägten Raum unbemerkt.

Die Besucherin reibt sich erst einmal die Augen: Ringsum sieht sie nur Grün. Na ja, nicht ganz. Schaut sie nämlich genauer hin, entdeckt sie auch andere, freilich sparsam verteilte Farben. Was hat es damit auf sich? Die 40 Männer in Grün, Musiker des Spiels der Infanterie-Brigade 4, proben an diesem Nachmittag mit Freizeitmusikerinnen und -musikern. Und das derart harmonisch, dass der junge Dirigent ein übers andere Mal sagt: «Das macht ihr sehr gut.»

«Wir werden sie unterrichten»

Trotz Kampfanzug und schweren Stiefeln federt der Mann mit dem Dirigentenstab elegant auf seinen Absätzen – und schon swingt es. Muss es auch, denn in einigen Stunden ist ein gemeinsames Platzkonzert vor der Migros in Lupfig angesagt. Keine Frage: Der Anlass ist ungewöhnlich. Dirigent David Eiermann aus Birr lächelt verschmitzt: Er hat den Workshop «Jugendmusik und Militärmusik» in Lupfig angeregt.

Eiermann bestreitet als Dirigent erstmals den diesjährigen WK des Spiels Infanterie-Brigade 4. «Da habe ich mir im Vorfeld gedacht: Weshalb stellen wir in Lupfig nicht erstmals einen Workshop auf die Beine, zu dem wir junge, musikbegeisterte Menschen einladen? Wir, die Musiker des Militärspiels, werden sie unterrichten.» David Eiermann, Dirigent und Trompeter, hat selbst beste Erfahrungen mit Workshops gemacht, deswegen weiss er, wie mitreissend das Miteinander von Profis und ambitionierten Jungmusikern sein kann. Apropos Jungmusiker: Hansjörg Eiermann, Fagott spielender Vater des Dirigenten, ist 58. Wirft er einen Blick in die hinterste Ecke, sieht er den Jüngsten, einen 8-jährigen Buben, an der Pauke. «50 Jahre Altersunterschied – und das spielt hier überhaupt keine Rolle», sagt Eiermann senior sichtlich berührt.

Der Zeitrahmen für den Nachmittags-Workshop ist mit vier Stunden zwar knapp bemessen, aber es werden doch zwei Stücke erarbeitet. Die Arbeit geht flüssig voran. Nicht verwunderlich, denn die 28, zwischen 8 und 23 Jahre alten Neuzuzüger aus dem Eigenamt und dem Schenkenbergertal sind musikalisch bestens bewandert.

«Gutes Pflaster für Musik»

Wer, wie David Eiermann, einen solchen Workshop ausrichtet, verfolgt ein Ziel. «Einerseits wollen wir den Jugendlichen ein musikalisches Erlebnis verschaffen, anderseits wollen wir sie mit der schweizerischen Blasmusikkultur vertraut machen», sagt Eiermann und fügt hoffnungsvoll hinzu: «Wer weiss – vielleicht sind die Jugendlichen davon derart beeindruckt, dass sie später einmal einer Blasmusik beitreten.» In Lupfig würden sie jedenfalls mit offenen Armen empfangen: Diese Gemeinde wie auch das Eigenamt generell sind laut Eiermann «ein gutes Pflaster für Musik».

Wie sehr, bewiesen der Workshop und das Platzkonzert vor einer grossen Zuhörerkulisse. Und, wie lautet das Fazit? David Eiermann ist erfreut: «Die Rückmeldungen waren allesamt positiv, die Organisation ausgezeichnet.» Was bedeutet das für die Zukunft? «Wir wollen im nächsten Jahr auf jeden Fall eine Zweitauflage ausrichten.»

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