Legionärspfad

Wenn der Kanton nicht hilft, ist der Römer-Erlebnispark in Gefahr

Über 4000 Personen nächtigen pro Jahr in der römischen Truppenunterkunft in Windisch.ZVG/Museum Aargau

Über 4000 Personen nächtigen pro Jahr in der römischen Truppenunterkunft in Windisch.ZVG/Museum Aargau

2019 erhält der Legionärspfad Vindonissa zum letzten Mal einen Beitrag von 680'000 Franken aus dem Swisslos-Fonds. Falls der Kanton nicht helfend eingreift, ist der Weiterbestand des Legionärspfads gefährdet.

Der Legionärspfad Vindonissa ist jung und erfolgreich. 2009 eröffnet, zählt der einzigartige archäologische Römer-Erlebnispark jährlich über 40'000 Besucherinnen und Besucher. Sie erleben am authentischen Schauplatz die faszinierende Geschichte des einzigen römischen Legionslagers der Schweiz. 70 Prozent der Besucher stammen nicht aus dem Aargau – ein starkes Zeichen dafür, dass der Legionärspfad inzwischen nationale Bekanntheit erlangt hat. Im Laufe der Jahre ist das Angebot stetig erweitert worden. Im Juni 2017 wurde mit dem aufwendig rekonstruierten Fahnenheiligtum die elfte Station des Pfades eingeweiht.

Aus dem Swisslos-Fonds fliessen als Projektbeitrag jährlich 680 000 Franken. Dieser Betrag deckt rund die Hälfte der Betriebskosten. Der Rest wird vorwiegend mit den Erträgen aus dem Ticketverkauf gedeckt. Der Legionärspfad erreicht damit eine Eigenfinanzierung von rund 50 Prozent – ein hoher Grad für eine kulturelle Einrichtung. Obschon der Pfad zum Museum Aargau gehört, hat der Kanton bisher keine Betriebsbeiträge leisten müssen.

Impressionen vom Legionärspfad:

Ab 2020 ohne Swisslos-Geld

Im Jahre 2019 versiegt der Geldfluss aus dem Swisslos-Fonds. Der Legionärspfad ist kein Projekt mehr, sondern hat sich bestens etabliert, der Projektbeitrag läuft aus, wie das bereits 2009 vereinbart worden ist.

Im Kulturkonzept des Kantons ist der Legionärspfad als Teil des Römerlagers Vindonissa fest verankert: Er gilt als pionierhaftes Vermittlungsprojekt, das ein breites, vor allem junges Publikum anspricht.

Also wird der Kanton in die Bresche springen und sich künftig anstelle des Swisslos-Fonds an den Betriebskosten beteiligen?

Schreinern und Brücken bauen: An der Eröffnung des Legionärspfads in Windisch konnten sich die Besucher als Römer versuchen.

Schreinern und Brücken bauen: Die Eröffnung des Legionärspfads in Windisch im Jahr 2015

   

Der kantonale Aufgaben- und Finanzplan 2018 bis 2021 sehe das so vor, erklärt Thomas Pauli, Leiter Abteilung Kultur beim Kanton. Das sei zwar schon mal eine wichtige Weichenstellung. Letztlich aber würden der Regierungsrat und danach der Grosse Rat entscheiden.

Doch was geschieht, wenn in Zeiten des Sparens und trotz erfreulichem Rechnungsüberschuss der Kanton die Kosten nicht übernimmt? «Dann müsste der Betrieb eingestellt werden», sagt Pauli. Denn es sei nicht möglich, die ganzen Betriebskosten mit den Erträgen zu decken. Dazu müssten etwa die Eintrittspreise mehr als verdoppelt werden, was mit Sicherheit zu einem drastischen Rückgang der Besucherzahlen führen würde. Es sei auch unrealistisch, zu hoffen, dass sich private Geldgeber für die Finanzierung der Betriebskosten finden liessen. Dies im Gegensatz zu Investitionen in die Infrastruktur. Von Stiftungen und Unternehmen aus der Region sind seit der Eröffnung knapp 1,9 Millionen Franken in die Realisierung neuer Vermittlungsangebote geflossen.

Die private Stiftung Vindonissapark hat sich von Anfang an stark für den Legionärspfad engagiert und immer wieder Gönner und Sponsoren gefunden, die den Ausbau des Legionärpfades erst möglich gemacht haben.

Präsident der Stiftung ist der Brugger FDP-Grossrat Titus Meier. Obschon Meier das konsequente Sparprogramm des Kantons unterstützt, findet er es auch richtig und notwendig, dass der Kanton ab 2020 jährlich 680'000 Franken an die Betriebskosten zahlt. «Der Legionärspfad ist inzwischen eine Marke geworden», sagt Meier. «Er wirkt im Kanton identitätsstiftend.» Der Legionärspfad aber habe auch nationale Ausstrahlung; eine vergleichbare Anlage gebe es in der Schweiz nicht. Diese Einzigartigkeit sei in der Diskussion um den Kulturlastenausgleich zwischen den Kantonen ein starkes Argument. Und wenn der Kanton nicht einsteigen will? «Dann wird es schwierig.»

Impressionen vom Vindonissapark-Fest:

Nur provisorisch bewilligt

Ungewiss ist zudem die Zukunft der «Contubernia». Sie sind die grosse Hauptattraktion des Legionärpfades. In den originalgetreu nachgebauten Legionärsunterkünften übernachten pro Jahr rund 4000 Personen. Die Nachfrage ist gross, bereits liegen Reservationen für das Jahr 2020 vor.

Doch die Contubernia verfügen nur über eine provisorische Baubewilligung, die im Jahr 2020 ausläuft. Ob die Baubewilligung verlängert wird oder ob die rund 2 Millionen Franken teuren Gebäude gar abgebrochen werden müssen, ist noch nicht ganz geklärt. Kultur-Chef Pauli hofft, dass man eine gute Lösung findet und die Contubernia 20 bis 25 Jahre lang stehen bleiben können, was in etwa der Lebensdauer dieses Holz-/Lehmbaus entspräche.

Nicht bewahrheitet haben sich die Befürchtungen von Kritikern, dass das muntere Treiben der meist jugendlichen Legionäre rund um die Contubernia die Ruhe der nahen Klosterkirche stören würden. Ganz im Gegenteil: Die Klosterkirche Königsfelden profitiere von der Nähe zum Legionärspfad. «Viele Besucher nützen die Gelegenheit und besuchen auch gleich noch die berühmte Kirche», sagt Pauli.

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