Sicherheit

Wenn der Computer schlauer ist als der Mensch: Mit Algorithmen gegen Einbrecher

Algorithmen gegen Einbrecher. (Symbolbild)

Algorithmen gegen Einbrecher. (Symbolbild)

Podium Interface in Brugg-Windisch: Sicherheitsforscher Matthias Leese referierte über Predictive Policing.

Computer sind schlauer als Menschen. Wenigstens in mancher Beziehung. Sie spielen besser Schach, sie machen weniger Fehler beim Rechnen und sie können auch schneller Daten sortieren als Menschen. Und Daten sortieren heisst: aus den Daten ein Muster herauslesen. Deshalb ist die Idee, dass Computer der Polizei helfen könnten, nicht ganz abwegig.

Auf Muster sind wir Menschen auch ohne Computer aus. Denn aus Mustern lässt sich manchmal etwas über die Zukunft lernen. Wenn die Zukunft ähnlich ist wie die Vergangenheit, dann lassen sich Erkenntnisse über die Vergangenheit «in die Zukunft verlängern». Und die Polizei – wie wir auch – wüsste ja manchmal nur zu gern, was ihr Gegner in nächster Zukunft tun wird.

«Ich bin schon da», sagt der Cop wie der Igel

«Predictive Policing» nennt sich das und Matthias Leese vom Center for Security Studies der ETH Zürich referierte anlässlich des Podiums Interface an der FHNW Technik in Brugg-Windisch über die Versprechungen und Möglichkeiten der Computer-Polizei. Vor seinem Referat zeigte er ein Video, in dem ein Polizeibeamter durch das Programm zielgenau vor den Tankstellenshop geführt wurde, der überfallen werden sollte. Als der Verbrecher um die Ecke bog, stand der Polizist bereits mit einem Kaffee in der Hand vor dem Shop. Schön wärs!

Das erinnerte an die berühmte Geschichte vom Wettrennen zwischen dem Hasen und dem Igel, die in zwei Furchen auf dem Kartoffelacker nebeneinander um die Wette liefen. Jedes Mal, wenn der Hase das Ende seiner Furche erreichte, stand der Igel schon da. Wobei der Hase nicht auf der Rechnung hatte, dass Herr und Frau Igel aus der Distanz nicht zu unterscheiden sind.

Verbrecherprofil oder Umständeanalyse?

Die Stadtpolizei Zürich arbeitet mit dem Programm «Precobs», das sie 2013 angeschafft hat. Das System analysiert Polizeirapporte von Einbruchdiebstählen und sucht nach Mustern. Die Prognose besteht aus einem definierten Risikogebiet, wo die Einbrecher wieder zuschlagen könnten. Mit vermehrter Patrouillentätigkeit im Risikogebiet versucht man, weitere Delikte zu verhindern. Oder sogar einen Einbrecher auf frischer Tat zu ertappen.

Voraussetzung ist, dass die Täter wirklich serienmässig und methodisch vorgehen. Die Prognose sagt deshalb eigentlich etwas aus über die Täter, auch wenn sie ihre zukünftigen Operationsgebiete vorhersagt. Der Vorteil des Programms liegt sicher in der Schnelligkeit der Analyse. Algorithmen können die eingegebenen Daten schneller durchforsten als menschliche Analytiker.

Die Schwächen liegen auf der Hand: Gibt es genug Daten für zuverlässige Prognosen? Viele Fälle sind besser als wenige. Aber das will man ja gerade verhindern. Und wie gut sind die Daten? Und wie gut beschreiben sie das Vorgehen des Einbrechers? Und wie «zuverlässig» hält sich der an seine Gewohnheiten?

«Die Polizei muss jetzt die Erkenntnisse auf die Strasse bringen», fasste Matthias Leese zusammen. Die Herausforderungen sind hauptsächlich logistischer Art. Die Polizei ist «ein komplexes arbeitsteiliges Mehrebenensystem», sagte Leese.

Sind genügend Patrouillenequipen verfügbar? Wie detailliert soll die Information ausfallen? Akzeptieren die Beamten die Expertise des Systems oder verlassen sie sich nicht vielmehr auf ihre eigene? Am sichersten wäre zweifellos Rundumüberwachung. Aber wollen wir das wirklich?

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