Brugg
Wenn der Büne auf der kleinen Bühne spielt...

Die Schwesterband von Patent Ochsner «Meccano Destructif Commando» präsentierte im Salzhaus Trouvaillen aus der Geschichte einer der grössten Schweizer Bands.

Matthias Steimer
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Begeistertes Publikum im Salzhaus.

Begeistertes Publikum im Salzhaus.

Matthias Steimer

«U Zyt geit tic-tac-tic-tac», singt das Publikum anheimelnd im Chor. Eine Dame streckt ihre Arme empor und mimt ein Uhrpendel. Der Hit «Trybguet» zeigt das Publikum in individueller Vertrautheit mit der Musik. Alle, die so verträumt mitsingen oder sich nur in den Armen liegen, scheinen mit den Phrasen persönliche Erlebnisse zu verbinden. Diese Momente sind häufig an Konzerten von Patent Ochsner, am Samstagabend hingegen sind sie selten.

Genau dies macht den Unterschied: Büne Hubers neue Band mit dem fragwürdigen Namen «Meccano Destructif Commando» spielt überwiegend wenig bekannte und unveröffentlichte Stücke der grossen Schwesterband. So kommt es, dass das Publikum nicht dauernd auf die «W. Nuss» wartet und alsdann beim ersten Akkord hyperventilierend in Ohnmacht fällt. Nein, das Publikum ist ohne bestimmte Erwartungen gespannt, neugierig auf das Unbekannte, es lässt sich überraschen. Die Zuhörerinnen und Zuhörer im Salzhaus unterscheiden sich von jenen der Ochsner-Konzerte auf den grossen Bühnen: Sie sind tendenziell älter und Wein statt Bier trinkend.

Ganz ohne Starallüren

Musikalisch bleibt das schmal besetzte Meccano Destructif Commando dem bewährten Stil von Patent Ochsner treu. Die Stücke erklingen mal balladesk, mal rockig, teils mit elektrischer Erweiterung durch das Instrument Theremin und hochfrequentes Blitzgewitter.

Büne Huber erweist sich nicht nur als kreativer und versierter, sondern auch als authentischer Musiker ganz ohne Starallüren. Seine natürliche Art verhindert es denn auch nicht, dass er schon mal die Grenze zum guten Geschmack ritzt. Zu oft fällt am Samstagabend der Begriff «geistig behindert» in scherzhaftem Zusammenhang. Doch das Publikum nimmt es mehrheitlich gelassen.

Wie Büne das Publikum gewann

Schliesslich hat es Büne von Beginn weg mit folgender, ebenfalls nicht ganz braven Erzählung für sich gewonnen: «Diesen Armreif schenkte mir eine Frau. Ich sagte ihr, er sei mir etwas zu eng. Sie antwortete: Dann trag ihn doch um den Schwanz». Büne beendet die Anekdote, indem er den Ring zum Weitertragen ins Publikum wirft. Ungeläufige Aktionen wie diese sind es, welche am Konzert etwas fehlen, böte doch genau die kleine Bühne mehr Raum für Spontaneität. Der verschenkte Armreif und die zugängliche Art des Musikers zeigen indes, dass Büne Huber durchaus auch auf der kleinen Bühne Potenzial hat. Meccano Destructif Commando ist auf gutem Wege, musikalisch lässt sich bilanzieren: Die gespielten Stücke sind keine Restposten, sondern regelrechte Trouvaillen. Noch mehr solcher «Nachtschattengewächse», bitte!