Windisch

Wenn das Grab der Tochter plötzlich weg ist

Auf dem Friedhof Windisch wurde ein Kindergrabfeld aufgehoben. CM

Auf dem Friedhof Windisch wurde ein Kindergrabfeld aufgehoben. CM

Der Gang zum Friedhof gehört für viele Christen zu Allerheiligen. Rosetta Giordano aus Brugg hat dort kürzlich eine böse Überraschung erlebt.

Eigentlich wäre Rosetta Giordano aus Brugg heute – wie immer an Allerheiligen – gerne wieder zum Grab ihrer verstorbenen Tochter auf dem Friedhof in Windisch gegangen. Doch das Grab wurde vor wenigen Wochen – ohne persönliche Vorankündigung – geräumt. Rosetta Giordano traute ihren Augen nicht, als sie das Grab ihrer vor rund 30 Jahren bei einem Verkehrsunfall in Unterwindisch getöteten Tochter nicht mehr fand.

«Ein gravierender Fehler passierte»

Die Grabesruhe in Windisch beträgt für alle Grabarten 25 Jahre. Das Bestattungs- und Friedhofsreglement sieht vor, dass die der Gemeindekanzlei Windisch bekannten Angehörigen sechs Monate vor der Grabaufhebung mit einem persönlichen Schreiben über die bevorstehende Räumung orientiert werden. Das Reglement schreibt weiter vor, dass die entsprechenden Grabfelder mindestens drei Monate vor der Aufhebung auf Anordnung der Gemeindekanzlei Windisch von der beauftragten Dienststelle beschildert werden.

«Hier passierte ein gravierender Fehler», sagt Stefan Wagner, Gemeindeschreiber II in Windisch. «Der Hinweis wurde nur im Schaukasten beim Eingang aufgehängt. Eigentlich hätte das über 30 Jahre alte Kindergrabfeld zusätzlich mit einer Holztafel gekennzeichnet werden müssen.»

Grab des Kindes wird aufgehoben ohne die Eltern zu informieren

Grab des Kindes wird aufgehoben ohne die Eltern zu informieren

«Mein Herz ist gebrochen»

Für Rosetta Giordano ist das ein schlechter Trost: «Ein Teil meines Lebens ging verloren.» Von den rund 20 Kindergräbern konnte Wagner in vier Fällen keine Angehörigen ausfindig machen: «Unsere Datenbanken gehen nicht so weit zurück. Angehörige sind verpflichtet, uns Adressänderungen mitzuteilen.» Wagner bedauert die Vorfälle sehr. In der Zwischenzeit hat sich die Gemeinde Windisch wegen nicht korrekt angekündeter Grabaufhebung bei drei Familien schriftlich entschuldigt.

«Mein Herz ist gebrochen. Ich kann die Entschuldigung nicht annehmen», sagt Giordano. Die Familie zog vor Jahrzehnten von Windisch nach Brugg. «Egal, ob ein Grab nach 30 oder 50 Jahren aufgehoben wird, die Angehörigen wollen doch noch richtig Abschied nehmen. Ich kann nicht verstehen, dass die Gemeinde unsere Adresse nicht finden konnte.» In den kommenden Jahren werden gemäss Masterplan Friedhof in Windisch weitere Gräber aufgehoben.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1