Brugg

Welthospiztag: Weil das Sterben zum Menschen gehört

Das Gespräch fand am Welthospiztag in Brugg statt. Bild: dmi

Das Gespräch fand am Welthospiztag in Brugg statt. Bild: dmi

An einem Podiumsgespräch in Brugg machen Ärzte und Politiker auf die Wichtigkeit der Palliative Care aufmerksam.

Frühzeitig miteinander über das Thema reden, sowohl in der Familie wie in der Öffentlichkeit; wie wichtig das ist, wurde mehrfach am Anlass zum Welthospiz- und Palliative-Care-Tag (WHPCT) in Brugg betont. An diesem Tag soll auf die Menschen aufmerksam gemacht werden, die auf die entsprechende Pflege angewiesen sind, insbesondere diejenigen, die sich in ihrer letzten Lebensphase befinden. Gewürdigt werden an diesem Tag aber auch alle, die sich für die Betreuung der Betroffenen einsetzen. Das sind einerseits diejenigen, die diese Tätigkeit beruflich ausüben, und andererseits die Freiwilligen.

Eingangs der Veranstaltung in Brugg sahen die rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Film «Sub Jayega» über die Suche nach dem Palliative-Care-Paradies. Geschaffen hat ihn der Luzerner Filmemacher Fabian Biasio, nachdem sein Vater in einer Palliative-Care-Abteilung eines Spitals gestorben war. Am anschliessenden Podiumsgespräch unter Leitung von Stephan Rathgeb beteiligten sich Ärztin Sibylle Jean-Petite-Matile, Grossrätin Lilian Studer, Palliative-Care-Expertin Nelly Simmen und Heidi Weber, Leiterin der betrieblichen Sozialberatung bei der ABB.

Im Gegensatz zur Geburt wird der Tod tabuisiert

Sie war noch eine junge Krankenschwester, als sie im Beruf den Tod eines kranken Mannes miterlebte, erzählte Simmen. Podiumsleiter Rathgeb versuchte dies als Beginn ihres Engagements in der Palliative Care zu attestieren. Simmen verneinte mehrmals, sie habe die Situation damals eher verdrängt. Heute beschäftigt sie sich intensiv mit dem Thema. Damit zeigte sie, wie sich «die Einstellung zu Palliative Care in den letzten Jahren geändert hat». Ähnlich äusserte sich Lilian Studer. Sie erkennt eine Veränderung im Bewusstsein von Politik und Gesellschaft. Als sie zu Beginn ihrer politischen Karriere im Grossen Rat entsprechende Vorstösse gemacht hatte, waren die Reaktionen bescheiden. Das habe sich geändert, bei Parlamentsmitgliedern und Fraktionen. Ein richtiges Verhalten, denn der Mensch beginnt mit der Geburt und endet mit dem Tod. Im Gegensatz zur Geburt werde der Tod, also die letzte Lebensphase, aber tabuisiert.

Im Aargau besteht das in den letzten Jahren auf zehn Betten ausgebaute Hospiz in Brugg. Diese Institution wurde in mehreren Voten positiv erwähnt. Kritisiert wurde das teilweise mangelnde Engagement der öffentlichen Hand. Um dies zu ändern, solle immer wieder über das Thema gesprochen werden. Jean-Petite-Matile forderte zu Engagement und zu Unterschriftensammlungen auf, damit in einigen Jahren die öffentliche Hand auch Beiträge leiste. Die Schweiz sei in dieser Beziehung noch zurück, so übernehme in Deutschland die öffentliche Hand 95 Prozent der Kosten. Palliative Care sei kein Nischenangebot, sondern gehöre zur Grundversorgung, wurde mehrfach ausgeführt.

Die Idee, dass sich vermehrt Freiwillige im Bereich Palliative Care engagieren, soll mit einem demnächst anlaufenden Projekt zur Nachbarschaftshilfe gefördert werden. Es sei wichtig, die Menschen für die Problematik zu sensibilisieren, betonten die Podiumsteilnehmerinnen.

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