Brugg
Weltbürger Jean Deroc wird heute 90 Jahre alt

Der Tänzer und Choreograf Jean Deroc hat sich zwar zurückgezogen – sein Spirit aber bleibt. Seine vielen beruflichen Stationen in Europa haben ihn zu einem Weltbürger und Künstler gemacht,

Elisabeth Feller
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Jean Deroc: Offenheit und Neugierde zeichnen den Künstler aus. (Archiv)

Jean Deroc: Offenheit und Neugierde zeichnen den Künstler aus. (Archiv)

Chris Iseli/AZ

Verwundert schüttelt man den Kopf, kneift sich in den Arm, aber es stimmt: Heute wird Jean Deroc 90 Jahre alt. Das Wetter dürfte freundlicher sein als am 5. Mai 2010, als die eisige Kälte von draussen das Innere der Windischer Klosterschüür ergriffen hatte. Doch das focht das strahlende, damals 85-jährig gewordene Geburtstagskind nicht an, das – anders als die Gäste – auf die wärmende Militärdecke verzichtet hatte. Gefeiert wurde es an diesem Tag ausgiebig – und das mit Worten, die bei den Besuchern nachhallen.

Hans Ulrich Glarner, der damalige Aargauer Kulturchef, würdigte den Tänzer, Choreografen, Regisseur, Intendanten und Begründer der Königsfelder Festspiele als «Kulturgärtner und Universalgelehrten» sowie «als hartnäckigen Vermittler». Als solcher ist er auch im Gedächtnis des einstigen Präsidenten des Vereins Königsfelder Festspiele, Ernst Rothenbach, verankert: «Ich bewunderte Jean Derocs Willen, in dieser einmaligen, damals noch nicht renovierten Kirche Tanz zu etablieren».

Viel Charme und Weisheit

Wer sich die Vita des seit Jahrzehnten in Brugg lebenden Künstlers vergegenwärtigt, merkt sofort, dass da ein immens Neugieriger, nicht nur der Welt des Tanzes gegenüber Offener; ein Hartnäckiger mit Charme, Weisheit und Überredungskunst und – natürlich – ein grosser Könner am Werk war, der auf den Bühnen in Zürich, Basel, Lausanne, Lyon, Hamburg, Berlin, Graz, Bremen und Venedig beheimatet war.

Immer wieder Neuland betreten

Diese vielen beruflichen Stationen und die damit verbundenen Denkanstösse haben Jean Deroc zu einem Weltbürger und Künstler gemacht, der immer wieder Neuland betreten wollte, vielmehr einfach musste. Deshalb zeigte er neben dem klassischen Ballett auch Modern Dance und Jazztanz auf der Bühne; deshalb arbeitete er mit zeitgenössischen Schweizer Komponisten wie Armin Schibler, Peter Mieg, Martin Derungs und Dieter Ammann zusammen; deshalb gründete er das Schweizer Kammerballett sowie die Königsfelder Festspiele, in denen sakrale und historische Themen von Tänzern und Sängern dargestellt wurden. 1973 wurden sie mit «Ludus Danielis» beeindruckend eröffnet, worauf sie in der Schweizer Tanzlandschaft schon bald als einzigartig erkannt wurden. Noch im Gründungsjahr wurde Deroc zum Ehrenbürger von Windisch ernannt.

Wie vieles hat der Mann mit dem, wohl jeden hochkarätigen Maler inspirierenden Charakterkopf im Laufe seines Lebens doch angepeilt und erreicht. Zu Kopf gestiegen sind ihm die nationalen und internationalen Erfolge jedoch nie. Jean Deroc hatte vor der sogenannten Provinz keine Berührungsängste. Er ging selbst in Turnhallen und Mehrzweckräume, um Menschen den Tanz nahezubringen: Offenheit und Neugierde zeichnen ihn eben aus. Selbst wenn er sich zurückgezogen hat – sein Spirit bleibt.

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