Bezirk Brugg

Welche Gemeinden die älteste und jüngste Bevölkerung haben – und woran das liegt

In Mönthal ist der Altersquotient besonders hoch.

Im Dörfchen Elfingen wohnen die Jüngsten, in Riniken die Ältesten. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Wünschenswert für jede Gemeinde ist es, wenn sich der Anteil der Jungen und der Alten in der Bevölkerung in etwa die Waage hält. Dass dies nicht in allen Gemeinden so ist, beweist diese Geschichte.

Die kantonale Bevölkerungsstatistik zeigt die Entwicklung in den jeweiligen Bezirken und Gemeinden im Jahr 2017. Das Departement Finanzen und Ressourcen schreibt auf seiner Website, die Statistik zeige «auch 2017 eine Verschiebung zu den Altersklassen der über 64-Jährigen». Diese Verschiebung ist auch in einigen Gemeinden des Bezirks Brugg zu spüren. Riniken und Mönthal weisen den höchsten Altersquotienten auf. Das bedeutet, dass es in diesen Gemeinden deutlich mehr über 64-Jährige im Verhältnis zu den 20- bis 64-Jährigen gibt.

Rinikens Gemeindeammann Ueli Müller hat die Thematik der Überalterung bereits an der Gemeindeversammlung im Juni 2016 angesprochen. Er rechnete den Versammelten damals vor, dass Riniken prozentual im Vergleich zum gesamten Kanton Aargau mehr Alte, aber auch mehr Junge aufweist. «Was uns fehlt, sind Erwerbstätige», sagt Müller. Der Gemeindeammann erklärt sich den hohen Altersquotienten von Riniken mit der intensiven Bautätigkeit zwischen 1960 und 1980. In dieser Zeit wurde ein Grossteil des heutigen Rinikens gebaut. Damals zogen junge Familien ein, die nun alt geworden sind. «Wenn alle miteinander jung sind, werden auch alle miteinander alt», sagt Müller.

Kaum Mietraum

Etwas anders tönt es im 400-Seelen-Dorf Mönthal. Gemäss Gemeindeschreiberin Nicole Bittl verfügt Mönthal lediglich über 15 Mietwohnungen. Grosse Überbauungen oder Mehrfamilienhäuser sucht man vergebens. «Für die Jungen gibt es leider fast keine Möglichkeit, in Mönthal zu bleiben», sagt Bittl. Sie ziehen deshalb weg und kommen erst wieder, wenn sie das Elternhaus übernehmen können. Bittl hat deswegen auch keine Angst, dass Mönthal aussterben könnte. «In den letzten Jahren sind viele Leute aus Agglomerationsgemeinden zugezogen, die auf der Suche nach Ruhe sind.»

Am anderen Ende der Skala stehen Mülligen und Elfingen. Sie weisen den bezirksweit tiefsten Altersquotienten auf, haben also im Verhältnis mehr Junge als Alte. Für Elfingen ist das insoweit erstaunlich, da die Gemeinde mit gerade mal 293 Einwohnern die kleinste Kommune im Bezirk Brugg ist. Gemeindeammann Giovanni Carau erklärt sich den tiefen Wert von Elfingen mit der Überbauung des Gebiets Müllermättli in den letzten zwei bis vier Jahren. «Dort sind alles jüngere Personen eingezogen», sagt Carau. Zudem habe es im Verhältnis viele Geburten gegeben und einige ältere Personen seien verstorben. «Bei nicht mal ganz 300 Einwohnern macht das doch etwas aus.» Auch biete man mit einem grossen Spielplatz infrastrukturtechnisch etwas für die Jüngeren.

Ähnliches berichtet Valerie Deiss, Gemeindeschreiberin von Mülligen. «Die Gemeinde Mülligen achtet auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.» Dies werde unter anderem mit Angeboten wie Kinderkrippen und Tagesstrukturen sichergestellt. Zudem macht sich Mülligen mit dem guten Anschluss an die Autobahnen A1 und A3 sowie an das öV-Netz beliebt bei den Erwerbstätigen.

Kaum Wachstum auf dem Land

Der kantonalen Bevölkerungsstatistik 2017 ist ebenfalls zu entnehmen, dass das Bevölkerungswachstum anhält, so auch im Bezirk Brugg. Blickt man auf die letzten 20 Jahre (siehe Tabellen), lässt sich feststellen, dass vier Gemeinden sehr stark gewachsen sind, drei Kommunen hingegen sogar geschrumpft sind. Zu den Wachstumsgewinnern gehören Birr, Hausen und Windisch. In Windisch lässt sich das Bevölkerungswachstum mit den zahlreichen Neubauten erklären, die in den letzten Jahren entstanden, weitere sind geplant. Auch in Birr und Hausen wurde in den letzten Jahren vermehrt gebaut, zudem sind beide verkehrtechnisch sehr gut angeschlossen und somit gerade für Erwerbstätige attraktiv.

Die Wachstumsverlierer sind, wenig erstaunlich, die kleineren, ländlichen Gemeinden Mönthal, Mandach, Effingen und auch Remigen. In Remigen sind jedoch grosse Überbauungen im Gang, was für einen Anstieg der Bevölkerung sorgen wird. Die Gemeinde rechnet in den nächsten vier Jahren mit 300 bis 350 neuen Einwohnern.

Das Wachstum der anderen Gemeinden ist in den letzten zwanzig Jahren weder sehr stark gestiegen noch gesunken. Auch die Fusionsgemeinden Bözberg, Schinznach, Brugg und Villigen haben durch die Fusionen über die Jahre gesehen nicht stark an Einwohnern zugenommen. In der Berechnung werden Lupfig und Scherz noch als eigenständige Gemeinden erfasst, da ihre Fusion erst per 1.1.2018 erfolgt ist.

Es zeigt sich, dass in Zukunft die ländlichen Gemeinden mit wenig Bauland oder Wohnraum kontinuierlich an Einwohnern verlieren werden. Wachsen werden hingegen jene Gemeinden, die ihren potenziellen Einwohnern genügend Wohnraum oder Bauland und eine gute Infrastruktur bieten können.

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