Villigen
Weit mehr als nur ein Haufen Steine: Trockenmauern schaffen Lebensraum

Ein umfangreiches Bauprojekt wertet nicht nur das Rebgelände in der Gemeinde auf. Die Umgestaltung schafft auch wertvolle Rückzugsorte für Insekten, Schnecken und Amphibien – und lockt einen farbenfrohen Vogel wieder vermehrt in die Gegend.

Lukas Scherrer
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Kommissionsmitglied Daniel Stenz (links) und Projektleiter Felix Naef bei einer der neuen Trockenmauern.

Kommissionsmitglied Daniel Stenz (links) und Projektleiter Felix Naef bei einer der neuen Trockenmauern.

Lukas Scherrer

Geradezu malerisch schmiegen sich die Reben an die steilen Hänge von Villigen. Die pittoresken Weinberge der kleinen Gemeinde am Aareufer sind derzeit Schauplatz eines grösseren Bauprojekts im Rahmen der Landschaftsaufwertung und des Artenreichtums. In den letzten drei Wochen sind so Trockensteinmauern mit einer Gesamtlänge von 25 Metern entstanden. Das Baumaterial: rund 70 Tonnen Kalkstein.

Die neuen Steinwälle machen nicht nur optisch etwas her, sie erfüllen auch wichtige Funktionen. Einerseits dienen sie dazu, Wege durch die steilen Rebberge zu bahnen und als willkommener Wärmespeicher für die Rebstöcke. Andererseits sind die Mauern wertvoller Lebensraum für eine Vielzahl von Insekten, Schnecken und Reptilien.

«Wir haben die gesamte Rebfläche unter die Lupe genommen und mit den Winzern besprochen, wie man das Gelände aufwerten kann», erklärt Daniel Stenz, Mitglied der Kommission Umwelt Villigen, die das Projekt ins Leben gerufen hat. Über die definitiven Massnahmen entschied man an der Gemeindeversammlung, genauso wie über die Finanzierung des Bauvorhabens. Diese wird sowohl von der Gemeinde Villigen, dem Kanton sowie dem Fonds Landschaft Schweiz gestemmt.

Ergänzt werden die Trockensteinmauern durch fünf sogenannte Steinlinsen: aufgeschichtete Steinkegel, die als günstigere Alternative zu den Mauern bestimmten Reptilien und Insekten Unterschlupf gewähren. Ausserdem sollen fünf hölzerne Nistkästen den Bestand des Wiedehopfs erhöhen. Ein drolliger und farbenprächtiger Vogel mit einer markanten Federhaube, der nach langer Absenz seit zwei Jahren wieder in Villigen gesehen wird. Auch die bald von Insekten bevölkerten Steinmauern sollen dabei helfen, den possierlichen Vogel vermehrt nach Villigen zu locken. Dies würde vor allem Daniel Stenz sehr freuen, der neben seinem Kommissionsamt auch Vizepräsident des Natur- und Vogelschutzvereins Geissberg ist.

Mit der Bauleitung betraut wurde Felix Naef, Mitinhaber der creato Genossenschaft für kreative Umweltplanung. Mithilfe des Brugger Naturwerks, einem gemeinnützigen Verein im Bereich Umwelt-, Natur- und Artenschutz, realisierte er die baulichen Massnahmen in den Villiger Weinbergen. Auch für ihn ist die Rekultivierung des Rebgebiets eine Herzensangelegenheit: «Durch die Nutzung solcher Flächen gehen wichtige Lebensräume verloren. Es ist an uns, diese wieder herzustellen.»

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