Informationsfluss
Weisse Messfahrzeuge und orange Kabel sorgen in Brugg für Irritation

Auch in der Stadt Brugg führt die Nagra seismische Messungen für das mögliche Atomendlager durch. Doch die Bevölkerung wurde nicht flächendeckend orientiert.

Claudia Meier
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Das sorgt bei einigen Anwohnern für Irritation: Das Vibrationsfahrzeug ist in einem Brugger Quartier unterwegs.

Das sorgt bei einigen Anwohnern für Irritation: Das Vibrationsfahrzeug ist in einem Brugger Quartier unterwegs.

ZVG

Schon vor Monaten wurden die seismischen Messungen von der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) angekündet. Seit Anfang Oktober wird das Standortgebiet Jura Ost vermessen. Über grosse Flächen sind orange Kabel mit sogenannten Geofonen verlegt worden.

Rund 1200 Grundeigentümer werden über die Messungen von der Nagra persönlich informiert. Die meisten betroffenen Gemeinden machen in ihren Mitteilungsblättern sowie auf ihrer Website auf die 3-D-Seismik aufmerksam. Trotzdem sorgen die orangen Kabel und die weissen Messfahrzeuge in der Bevölkerung da und dort für Irritation – vor allem in der Stadt Brugg.

Die Nagra führt seismische Messungen im Gebiet Bözberg durch:

Seismik-Messungen
14 Bilder
An der Aarauerstrasse in Brugg werden Kabel mit Geofonen für die seismische Messung durch die Nagra verlegt.
Messpunkte, sogenannte Geophone Geofone, liegen auf dem Waldboden.
Mitarbeiter aus Georgien und Polen führen Messungen mit Fallgewichten durch.
Marek aus Polen führt Messungen mit Fallgewichten durch.
Mitarbeiter aus Georgien und Polen führen Messungen mit Fallgewichten durch.
Die Messstation im Wagen, wo alle Daten der Vibrationsfahrzeuge eintreffen.
Die Messstation im Wagen, wo alle Daten der Vibrationsfahrzeuge eintreffen.
Die Messstation im Wagen, wo alle Daten der Vibrationsfahrzeuge eintreffen.
Die Messstation im Wagen, wo alle Daten der Vibrationsfahrzeuge eintreffen.
Ein Vibrations-Fahrzeug, mithilfe dessen die Tiefe der Gesteinsschichten gemessen wird.
Ein Vibrations-Fahrzeug, mithilfe dessen die Tiefe der Gesteinsschichten gemessen wird.
Ein Vibrations-Fahrzeug, mit dessen Hilfe die Tiefe der Gesteinsschichten gemessen wird.

Seismik-Messungen

Sandra Ardizzone

«Ich habe nicht damit gerechnet, dass die Messung auch mitten in der Stadt erfolgt», sagt ein az-Leser verwundert. «Wir wurden jedenfalls nicht informiert, dass da plötzlich Leute in unserem Garten stehen werden.» Er kann sich nicht erinnern, dass er mal einen Flyer im Briefkasten hatte. Auch auf der Website der Stadt Brugg lässt sich dazu nichts finden. Der az-Leser holte sich daraufhin eine Broschüre direkt bei einem Nagra-Mitarbeiter vor Ort.

Dass die Information der Bevölkerung in der Stadt einiges schwieriger sei als in ländlichen Regionen, bestätigt Nagra-Projektleiter Marian Hertrich. Man habe zwar auch in Brugg versucht, alle Anwohner, die von einer Kabelauslage betroffen sind, direkt zu kontaktieren.

Wo das nicht möglich war, habe man einen Flyer in den Briefkasten gesteckt. Hertrich betont aber auch, dass man die Flyer bewusst nicht flächendeckend verteilen wollte, weil viele Leute nur am Rand von diesen Messungen betroffen seien. Bei der Nagra seien vereinzelt Anrufe von besorgten und vor allem interessierten Anwohnern eingegangen.

Da die seismischen Messungen streifenweise in einem grossen Gebiet erfolgen, sind die Fahrzeuge nach einem Unterbruch von einigen Tagen mehrmals in Brugg anzutreffen. Die Nagra habe alle betroffenen Gemeinden mit entsprechendem Infomaterial versorgt und Unterstützung angeboten, so Hertrich weiter.

Was die Stadt Brugg daraus gemacht hat und warum nichts davon auf der Website aufgeschaltet ist, wird nicht ganz klar. Auf mehrmalige Anfrage der az sagt Stadtschreiber-Stellvertreterin Andrea Pajarola: «Die betroffenen Grundeigentümer wurden durch die Nagra informiert.» Dass nicht alle Haushalte von der Nagra eine Informationsbroschüre bekamen, war ihr nicht bekannt. Bei der Stadtkanzlei seien keine Anfragen eingegangen.