Bezirk Brugg
Wegen mehrerer Projekte: Velofahrer kritisieren den Kanton

Einsprachen gegen nicht alltagstaugliche Vorhaben halten den Verband Pro Velo Brugg-Windisch seit Monaten auf Trab.

Claudia Meier
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Die Nordrampe bei der Süssbachunterführung ist zum Teil nur einen Meter breit und bis zu 17% steil.

Die Nordrampe bei der Süssbachunterführung ist zum Teil nur einen Meter breit und bis zu 17% steil.

Michael Hunziker

Sie zählt 158 Mitglieder, umfasst mit den Familien 484 Personen und setzt sich für die Interessen der Velofahrer ein: Die Rede ist von der regionalen Sektion des Verbands Pro Velo Brugg-Windisch. An der Mitgliederversammlung im Brugger Rathaussaal am Mittwochabend hatte der Vorstand einiges über die laufenden Projekte zu berichten.

Denn Pro Velo organisiert nicht nur die beliebte Velobörse auf dem Brugger Eisiplatz – die nächste findet am 28. März statt – und Velofahrkurse sowie Informationsnachmittage zum Tag des Lichts, sondern setzt sich hinter den Kulissen für eine Optimierung des Radwegnetzes und für velotaugliche Infrastruktur in der Region ein.

Präsident Hörby Künzi und Vizepräsident Wolfgang Zesch betonten, dass sie mit ihrem Engagement auch erreichen wollen, dass sich mehr Leute getrauen, im teilweise dichten Verkehr mit dem Velo unterwegs zu sein. Aktuell sammeln die Mitglieder Unterschriften für eine Petition, die von Autofahrern einen gesetzlichen Mindestabstand von 1,5 Metern für das Überholen von Velos fordert.

Nach der Einsprache erhielt Pro Velo eine Einladung

Ob Regionales Gesamtverkehrskonzept Ostaargau (Oase), Süssbachunterführung in Brugg, Gestaltungsplan Fuchshalde bei der Amag in Lupfig oder Öffnung der Büntefeldstrasse in Hausen für den motorisierten Verkehr mit Tempo-30-Signalisation: Während Stunden haben Mitglieder von Pro Velo in ihrer Freizeit die Unterlagen der öffentlichen Auflagen studiert und Stellungnahmen verfasst.

In Lupfig möchte Pro Velo aktuell erreichen, «dass endlich eine Veloverbindung von Hausen zum Bahnhof Lupfig realisiert wird». Die total 46 Einsprachen gegen die Öffnung der Büntefeldstrasse in Hausen für Autos zeigten Wirkung. Die kantonale Fachstelle trat auf die Bremse. Das Vorhaben wurde vom Gemeinderat widerrufen. Pro-Velo-Präsident Hörby Künzi freut sich zwar über den Entscheid, vermisst aber Antworten auf die kritischen Fragen von Pro Velo in der Einsprache.

Er spart nicht mit Kritik an den Verantwortlichen für Verkehrssicherheit, die überhaupt erst auf die Idee kamen, die für den Langsamverkehr ideale Strasse für Autos zu öffnen. Bedenken, die sonst immer geäussert werden, spielten hier keine Rolle.

Erfreulicherweise hatte das Engagement von Pro Velo aber auch zur Folge, dass der Verband anschliessend vom Gemeinderat Hausen zu den Themen Sanierung Geerenweg und Kommunaler Gesamtplan Verkehr 2020 konsultiert wurde.

In 30 Jahren noch immer keine Lösung in Sicht

Eine sichere Veloverbindung zwischen Brugg und Windisch ist seit 30 Jahren das Hauptanliegen von Pro Velo. Für die Modernisierung der Süssbachunterführung wurde der Verband zwar bereits bei der Vorstudie beigezogen, die Variante, die öffentlich aufgelegt wurde, stiess Pro Velo aber vor den Kopf. «Es ist ein Hohn, hier von einer befahrbaren Verbindung zu sprechen», hielt Künzi zur schmalen und steilen Nordrampe fest. Gegen das Bauvorhaben sind beim Kanton drei Einwendungen eingegangen: Neben Pro Velo meldeten ein Privater und die Feuerwehr (offenbar wegen Unterhalts nach Überschwemmungen) Bedenken an.

«Das Vorhaben ist weit weg von dem, was man macht, und entspricht nicht den Normen», sagte Hörby Künzi. Er ist überzeugt, dass sich mit etwas gutem Willen eine gerade und weniger steile Ausfahrt Richtung Parkplatz realisieren lässt. Das Projekt ist derzeit wieder beim Planungsbüro. Diskussionen dazu sind für März/April vorgesehen. «Es scheint, dass Brugg eine schnelle Lösung will», so Künzi. «Sollte sich keine velotaugliche Alternative abzeichnen, sollen die Zuständigen sagen, dass sie keine Lösung haben, auch nach über 30 Jahren nicht.»