Brugg
Wegen Hundehaufen: Polizei führt Streithähne aus dem Saal

Eine junge Frau stand vor dem Bezirksgericht: wegen Beschimpfung und Widerhandlung gegen das Hundegesetz.

Louis Probst
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Eine junge Frau muss sich vor dem Bezirksgericht Brugg wegen der Widerhandlung gegen das Hundegesetz verantworten.

Eine junge Frau muss sich vor dem Bezirksgericht Brugg wegen der Widerhandlung gegen das Hundegesetz verantworten.

Alle waren sie vor Gericht erschienen: der Kläger, die Beschuldigte und ihr Lebensgefährte. Nur die mutmassliche «Hauptperson» der Geschichte – ein kleines Hündchen – das lag wohl in seinem Körbchen und wartete auf sein Frauchen, das vor Bezirksgericht stand.

Vorgeworfen wurde der jungen Frau, den Kläger mit «du huere Tierquäler» tituliert zu haben. Anlass dazu hatte eine Auseinandersetzung gegeben, die sich daran entzündet hatte, dass der Kläger vermutet hatte, dass das Hündchen der Beschuldigten in seinen nicht eingezäunten Garten gekackt habe. Während des Disputs war das Hündchen am Kläger hochgesprungen, worauf dieser – so der Strafbefehl – das Tier mit dem Fuss weggestossen hatte.

Der Vorwurf der Widerhandlung gegen das Hundegesetz wurde im Strafbefehl damit begründet, dass die Beschuldigte «auf dem Grundstück des Klägers mehrfach Hundekot nicht aufgenommen» hätte.

In der Folge war die Hundehalterin zu einer bedingten Geldstrafe von fünf Tagessätzen zu je 30 Franken, einer Busse von 200 Franken sowie Kosten im Betrage von 542 Franken und 50 Rappen verurteilt worden. Sie erhob Einsprache. Und damit hatte sich Bezirksgerichtspräsidentin Franziska Roth mit der Angelegenheit zu befassen.

Wer hat denn da gekackt?
Nach einer eindringlichen Belehrung der Angeklagten und ihres Begleiters über den Ablauf einer Gerichtsverhandlung durch die Gerichtspräsidentin und der Bitte an die Parteien, sachlich zu bleiben – was, wie sich zeigen sollte, eher wenig fruchtete –, erklärte der Kläger: «Ich hatte mehr als 30 Hundehaufen im Garten, nachdem diese Leute zugezogen waren.»

Auf die Frage, weshalb er, der Kläger, denn schliesse, dass die Hundehaufen vom Hund der Beschuldigten stammen würden, erklärte er: «Vom Zeitpunkt und von der Grösse der Haufen her.» Er musste aber einräumen: «Ich kann nicht beweisen, dass der Hund der Beschuldigten in meinen Garten gekackt hat. Ich habe das selber nicht gesehen.»

Er hatte aber in der Untersuchung angegeben, dass seine Frau das Hündchen im Garten gesehen habe. Vor der Polizei hatte die Frau des Klägers aber ausgesagt, dass sie das Hündchen nicht im Garten, sondern in einer angrenzenden Wiese gesehen habe, wo es möglicherweise bloss gepinkelt hatte.

Den ultimativen Beweis schuldig blieben auch die Aufzeichnungen einer Wildtierkamera, die der Kläger im Garten installierte. Und auf sein Begehren, dass der Übeltäter respektive die Übeltäterin, mittels DNA-Abgleich überführt werden müsse, hatte die Polizei abgewinkt.

«Das war nicht mein Hund»
«Ich habe Einsprache gegen den Strafbefehl erhoben, weil das nicht stimmt, was mir vorgeworfen wird», sagte die Beschuldigte. «Es kann nicht sein, dass mein Hund in diesen Garten gekackt hat. Ich habe meinen Hund unter Kontrolle. Ich toleriere nicht, dass er in Gärten geht, auch wenn die nicht eingezäunt sind.»

Sie räumte aber ein, dass sie den Kläger mit «huere Tierquäler» tituliert habe, nachdem er ihren Hund getreten hatte. «Ich finde den Vorwurf ‹Tierquäler› berechtigt, wenn jemand einen kleinen Hund tritt», sagte sie. Sie erklärte zudem, dass sie zum Zeitpunkt des Vorfalles hochschwanger gewesen sei und sich vom Auftreten des Klägers bedroht gefühlt habe. «Ich habe ihm gesagt, dass das nicht mein Hund gewesen ist, der in den Garten gekackt hat», sagte sie. «Ich wollte nur noch weg. Es war mir zu viel.»

Der Kläger wandte ein, dass der Ablauf ganz anders gewesen sei. Er sei massiv beschimpft und sogar bedroht worden. Er musste sich aber über das Anklageprinzip aufklären lassen. Und in der Anklage ging es lediglich um den «huere Tierquäler».

Turbulent bis zum Schluss
Trotz Ermahnungen der Gerichtspräsidentin versuchte der Begleiter der Beschuldigten laufend zu intervenieren. Auch den Schluss der Verhandlung schien er nicht ganz mitbekommen zu haben. Was die Vorsitzende veranlasste, mit Nachdruck zu wiederholen: «Die Verhandlung ist geschlossen. Sie können draussen weiterdiskutieren.» Er wollte aber offensichtlich mit dem Kläger, der ebenfalls keine Anstalten machte, den Saal zu verlassen, vor Ort diskutieren. Am Ende musste die Polizei gerufen werden, um die beiden Parteien aus dem Gerichtsgebäude zu komplimentieren.

Das Urteil wird schriftlich eröffnet.

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