Fusion
Wegen Fusionsgelüsten: In Schinznach macht sich Verunsicherung breit

Dass Schinznach-Bad mit Brugg anbandeln will, beunruhigt die Nachbargemeinde Schinznach enorm. Denn Schinznach arbeitet eng mit Schinznach-Bad zusammen. Vor allem, was Schule, Feuerwehr und Freibad angeht.

Janine Müller
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Schinznach-Bad hat seinen Wegweiser Richtung Brugg ausgerichtet. Jetzt fehlt nur noch die Meinung der Einwohnerräte der Stadt.

Schinznach-Bad hat seinen Wegweiser Richtung Brugg ausgerichtet. Jetzt fehlt nur noch die Meinung der Einwohnerräte der Stadt.

Alex Spichale

Fusionspläne rufen immer die unterschiedlichsten Reaktionen hervor, auch bei den Nachbargemeinden der fusionierfreudigen Gemeinden.

So fällt die Reaktion aus der Schenkenberger Gemeinde Schinznach, zusammengeschlossen aus Schinznach-Dorf und Oberflachs, scharf aus. Hier ist die Irritation gross. Urs Leuthard, Gemeindeammann Schinznach, sagt gar: «Die Fusionspläne sind eine Hiobsbotschaft für uns. Wir haben dies nicht erwartet und uns schon gar nicht gewünscht.» Die Schinznacher Gemeinderäte seien enttäuscht, vor allem aber auch beunruhigt. Sie fragen sich: Wie weiter mit der Zusammenarbeit mit Schinznach-Bad? Wie weiter mit Schwimmbad, Feuerwehr und Schule?

Fragezeichen Oberstufe

Die Oberstufenschule führen Schinznach und Schinznach-Bad gemeinsam. Während Oliver Gerlinger, Gemeindeammann Schinznach-Bad, betont hat, dass die Primarschule bei einer Fusion mit Brugg im Dorf bleiben soll, ist unklar, was mit den Oberstufenschülern passiert. Für Schinznach ist das nicht unerheblich, da ein Ersatzneubau für das Realschulhaus und die Aula geplant ist. Ende November genehmigte die Gemeindeversammlung den Verpflichtungskredit in der Höhe von 190 000 Franken.

Auch die Finanzierung des Schwimmbads hänge zurzeit in der Luft, sagt Urs Leuthard, Gemeindeammann Schinznach. Beteiligt sich Schinznach-Bad bei einer allfälligen Fusion mit Brugg nicht mehr am Freibad, wird es für Schinznach schwierig, die Anlage noch instand zu halten. «Darum erwarte ich, dass sich Schinznach-Bad weiterhin am Freibad beteiligt», sagt Urs Leuthard. «Wir müssen doch dieses Familienbad erhalten.»

Bezüglich Feuerwehr seien nun Abklärungen am Laufen, sagt Leuthard. Doch am meisten ärgert die Schinznacher die Heimlichtuerei des Gemeinderats von Schinznach-Bad. «Wir haben schon länger von solchen Fusionsgerüchten gehört», erklärt Urs Leuthard. «Wir haben dann den Gemeinderat von Schinznach-Bad auch darauf angesprochen.» Bestätigt wurden die Gerüchte nie. Dieses Votum lässt Oliver Gerlinger, Gemeindeammann Schinznach-Bad, nicht gelten. «Ich betone, dass wir immer die Wahrheit gesagt haben! Der endgültige Entscheid, dass Brugg und Schinznach-Bad den Projektierungskredit beantragen wollen, wurde erst im Verlauf des Februars gefällt.»

«Transparenz ist wichtig»

Zwei Tage, bevor die Presse von den Fusionsplänen zwischen Brugg und Schinznach-Bad erfuhr, wurden dann die Schinznacher Gemeinderäte eingeweiht. «Das ist bei grösseren und entscheidenden Projekten üblich», erklärt Gerlinger. Und er weist darauf hin, dass die wichtigsten Partner – die Einwohner –, erst aus der Presse von den Zusammenschlussabsichten erfahren haben.

Aufgrund dieser Vorgeschichte erwartet Urs Leuthard nun, dass «offen kommuniziert wird». «Wir wollen keinen Krach mit unserer Nachbargemeinde», betont er. «Wir wollen weiterhin ein guter Partner sein. Aber gerade darum ist Transparenz wichtig.»

Urs Leuthard sagt allerdings, dass es legitim sei, dass die Gemeinden ihre Fühler ausstrecken und Optionen prüfen. «Ich hätte mir einfach gewünscht, dass Schinznach-Bad auch auf uns zugekommen wäre», ergänzt er. Doch damit dürfen die Schinznacher nicht rechnen. Bereits 2010 kam der Gemeinderat Schinznach-Bad zur Überzeugung, dass eine Gemeindegrösse von 3500 Einwohnern nicht geeignet ist, um zukünftige Herausforderungen anzugehen. «An dieser Haltung», so Gerlinger, «hat sich bis jetzt nichts geändert.» Zur weiteren Zusammenarbeit mit Schinznach will sich Gerlinger nicht äussern. Er hebt aber hervor: «Der Zusammenschluss mit Brugg ist keine Abkehr von den bisherigen Partnern.»