Sobald die Temperaturen steigen, spitzt sich die Parkplatzsituation für Velofahrer auf der Windischer Seite des Brugger Bahnhofs zu. Besonders prekär ist es jeweils beim Parkplatz neben der Personenunterführung Mitte, die im Mai 2014 eröffnet wurde. Viele Pendler – primär aus Windisch – stellen hier am Morgen ihre Velos ab und sind nach ein paar Schritten schon auf dem Perron. Doch seit der Inbetriebnahme vor fünf Jahren hat es hier zu wenig Platz für Velos. Regelmässig werden die Zweiräder vor der Treppe, bei der Autoausfahrt oder entlang der Wand zur Unterführung stationiert. Dieses Areal liegt auf Brugger Boden.

Auch bei der zweiten Unterführung, dem sogenannten Mausloch, ist die Parkplatzsituation für Velofahrer unbefriedigend. Die lokale Sektion von Pro Velo möchte seit Jahren, dass hier zwischen Campus und Bahnlinie ein modernes Bike Loft realisiert wird, in dem ein Roboter 266 Velos inklusive Gepäck sicher verstauen kann. Wie sich an der Mitgliederversammlung vor wenigen Tagen zeigte, ist dieses Projekt ins Stocken geraten. Woran liegts?

Viele offene Fragen

Auf Nachfrage der AZ sagt Windischs Gemeindepräsidentin Heidi Ammon: «Es geht zurzeit um baurechtliche Fragen und um Fragen zum weiteren Bestand des Convenience-Shops bei der Bahnhofshalle. Dieser Shop hat eine befristete Baubewilligung, die abgelaufen ist.» Das Gebäude des Bike Lofts sei auf dem gleichen Baufeld geplant. Und dieses Baufeld sei bis dato der Nordumfahrung vorbehalten und damit im kantonalen Richtplan eingetragen. «Dieser Eintrag kann nicht so einfach ignoriert werden», hält Ammon fest.

SBB-Sprecher Reto Schärli sagt: «Die SBB sind derzeit mit Coop in Kontakt, um die Zukunft des Shops am Bahnhof Brugg zu klären.» Sobald die offenen Fragen geklärt seien, werde auch der Kontakt mit der Gemeinde gesucht. Je nach Zukunft des Geschäfts könnte sich der Standort des Bike Lofts verschieben. Laut Heidi Ammon sind verschiedentlich andere Standorte für das Bike Loft geprüft und allesamt für nicht geeignet aussortiert worden.

Und bevor irgendwann ein Baugesuch eingereicht werden kann, seien drei weitere Themenkreise zu klären, fährt Ammon fort. Die Stichworte lauten: Finanzierung, Städtebau und Architektur sowie Baurecht. Dadurch, dass die SBB im Lead seien, stünden mehr Möglichkeiten zur Verfügung.

Bau des Towers spielt eine Rolle

Und was ist bei der Personenunterführung Mitte geplant, um das Velo-Chaos zu entschärfen? Diese Situation sei im Kontext Personenunterführung-Flex und Tower zu betrachten. Die Gemeindepräsidentin sagt, dass hier mit der Inbetriebnahme des Towers ein letztes noch fehlendes Puzzleteil umgesetzt werde. Das Veloabstellplatz-Thema sei in einem Gesamtkontext Personenunterführung-Flex-Tower gemeindeübergreifend festgelegt worden. Könnten neben der Personenunterführung Mitte nicht ein paar Autoparkplätze aufgehoben und dafür mehr Veloparkplätze geschaffen werden? «Nein», sagt Bruggs Stadtammann Barbara Horlacher. Vonseite Brugg seien derzeit keine Massnahmen erforderlich oder geplant. Die Verantwortung für die Bereitstellung von genügend Veloabstellplätzen auf der Windischer Seite des Bahnhofs liege bei der Gemeinde Windisch.

Vergleicht man das Parkplatz-Bild von 2016 mit der aktuellen Aufnahme, fällt auf, dass der Grünstreifen unter den Bäumen – ursprünglich offenbar eine Bauauflage – verschwunden ist. Warum? Das war Horlacher noch nicht bekannt. Sie sagt: «Wir werden dies mit der für den Unterhalt zuständigen Abteilung Werkdienst anschauen.»