Brugg

Wegen Entwicklungsprojekt: Alle Mieter müssen die City-Galerie verlassen

In der Liegenschaft City-Galerie im Stadtzentrum befand sich bis 1996 die Jelmoli-Filiale.

In der Liegenschaft City-Galerie im Stadtzentrum befand sich bis 1996 die Jelmoli-Filiale.

Aus dem ursprünglichen Jelmoli-Gebäude in Brugg wird ab 2025 ein Entwicklungsprojekt. Der oberirdische Parkplatz dürfte verschwinden.

Ob Café, Sportgeschäft, Fitnesscenter, Haushaltgerätegeschäft oder Coiffeursalon: Alle Mieter der Brugger City-Galerie müssen in vier Jahren aus dem Gebäude an der Hauptstrasse 2 ausziehen. Das bestätigt Sprecher Mladen Tomic von der Eigentümerfirma Swiss Prime Site AG mit Hauptsitz in Olten. Er mag nicht von Kündigungen sprechen, sondern erklärt: «Die Mietverträge wurden harmonisiert und laufen alle zusammen per Ende 2024 oder Anfang 2025 aus.»

Der Grund für diesen Schritt ist, dass die Immobilie aus den 1950er-Jahren weiterentwickelt werden soll. Was genau geplant ist, kann die Swiss Prime Site AG allerdings noch nicht sagen. Nur so viel: «Wir sind derzeit in einer sehr frühen Phase. Darüber wird erst in den kommenden Jahren entschieden.» Es ist davon auszugehen, dass die oberirdischen Parkplätze hinter der Immobilie in eine Tiefgarage verlegt werden. Durchaus möglich ist laut Tomic, dass im Rahmen dieses Vorhabens Wohnungen gebaut werden.

Coiffina möchte den Salon künftig im Erdgeschoss betreiben

Aus Gesprächen mit ihren Mietern weiss die Eigentümerin, «dass grosses Interesse am Entwicklungsprojekt besteht». So möchte beispielsweise Café und Bäckerei Mor mit Hauptsitz in Villnachern am zentralen Filialstandort in der Brugger Innenstadt festhalten. Auch der Hairstylist Coiffina, der seit 1994 eine Filiale in Brugg betreibt, will nach einem Umbau hier weitermachen. «Wir möchten vom ersten Obergeschoss aber runter ins Erdgeschoss», sagt der 89-jährige Verwaltungsratspräsident Otto Sommer auf Nachfrage. Mündlich sei das schon besprochen worden. Mladen Tomic hält fest: «Wir sind hier sehr offen für vertieftere Gespräche mit unseren Mietern, sobald sich das Projekt in den kommenden Jahren konkretisiert.»

Die Immobilie im Stadtzentrum, in der die City-Galerie 1996 ihre Türen öffnete, gehört seit rund zehn Jahren zu Swiss Prime Site. «Wincasa wird als unsere Gruppengesellschaft weiterhin für das Management zuständig sein», sagt Tomic mit Blick in die Zukunft.

«Kein Zweifel: Brugg geht neuen schönen Zeiten entgegen!»

Ganze 37 Jahre lang befand sich am Standort die Filiale des Warenhauses Jelmoli. An der Eröffnung am 4.Dezember 1959 herrschte Aufbruchstimmung, war die Begeisterung gross. Der moderne Bau des Brugger Architekten Walter Hunziker stehe «fix und fertig da in einem Kleide, das nicht nur der Firma, sondern der ganzen Stadt zur Zierde gereicht, wie man es kaum jemals geträumt hätte», schrieb das «Brugger Tagblatt». «Kein Zweifel: Brugg geht neuen schönen Zeiten entgegen!» Und der Generaldirektor von Jelmoli sagte, die Errichtung der Zweigniederlassung erfolge «im Vertrauen auf Bruggs bedeutende Zukunft als Zentrum einer weitreichenden Gross-Siedlung».

Das Warenhaus selber warb in Inseraten mit seinem Luftvorhang an Stelle von Schwing- oder Drehtüren – «Die Türe ist Luft!» – oder mit der ersten Rolltreppe im Aargau. Diese führe «mühelos und bequem treppauf». Im «Brugger Tagblatt» war zu lesen: «Eine Rolltreppenfahrt bietet Jung und Alt neben dem praktischen Zweck auch ein vergnüglich-erregendes technisches Erlebnis.» 1700 Quadratmeter Verkaufsfläche und 80 Angestellte standen den Kunden zur Verfügung. 1996 zog sich Jelmoli aufs Stammhaus in Zürich zurück.

Ursprünglich befand sich auf dem City-Galerie-Areal die 1822 für den Baumwoll­fabrikanten Bernhard Fischer im klassizistischen Stil errichtete Villa. Diese ging 1894 an den Fabrikanten Hermann Rauber-Angst. Für den Jelmoli-Neubau wurde das sogenannte Rauber-Haus im Oktober 1957 abgerissen. Laut dem Buch «Brugg erleben» rief dieses Vorhaben eine heftige Zeitungspolemik hervor.

Der Verlust der herrschaftlichen Liegenschaft mit der schönen Gartenanlage wurde auch Jahre später bedauert. In einem Aufruf der «Aargauer Zeitung» wurden Anfang 2010 Personen kontaktiert, um sie über ihre Erinnerungen an die Jelmoli-Eröffnung zu befragen. «Wir trafen aber nur wenige, die dazu etwas aussagen konnten», hiess es im Artikel. «Hingegen kamen praktisch alle spontan auf den Vorgängerbau zu sprechen.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1