Ultra-Running
Wegen eines Herzinfarkts: Simon Schmid muss 370-Kilometer-Lauf verschieben

Simon Schmid hat den «Ultra-Running Switzerland» abgesagt. Grund ist der Herzinfarkt eines wichtigen Begleiters. Doch den Traum, als erster Ultraläufer vom Boden- zum Genfersee zu laufen, hat er nicht aufgegeben.

Michael Hunziker
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Simon Schmid – hier beim Zieleinlauf in Basel – hat einen Namen in der Ultralauf-Szene, ist Schweizer Meister im 12-Stunden- sowie im 24-Stunden-Lauf. zvg

Simon Schmid – hier beim Zieleinlauf in Basel – hat einen Namen in der Ultralauf-Szene, ist Schweizer Meister im 12-Stunden- sowie im 24-Stunden-Lauf. zvg

Eine verrückte Idee, die ultimative sportliche Herausforderung: Als erster Ultraläufer will Simon Schmid aus Mönthal die Strecke zwischen Bodensee und Genfersee nonstop laufend zurücklegen – rund 370 Kilometer, was fast neun Marathonläufen am Stück entspricht.

Der Weg führt durch acht Kantone, eine Knacknuss sind die 1600 Höhenmeter sowie die kräfteraubenden 80 Kilometer, die nicht asphaltiert sind. Zur Erinnerung: Der 44-jährige Schmid ist in der Ultralauf-Szene kein Unbekannter, ist in seiner Alterskategorie Weltmeister im 48-Stunden-Lauf, Schweizer Meister im 12-Stunden- sowie im 24-Stunden-Lauf.

80 Kilometer...

... der 370 Kilometer langen Strecke vom Bodensee an den Genfersee muss Ultraläufer Simon Schmid auf nicht asphaltierten Wegen zurücklegen – was sehr kräfteraubend ist.

Der Startschuss für das Projekt «Ultra-Running Switzerland» war auf den 22. August in Romanshorn angesetzt. Jetzt muss es abgesagt werden. Einer der Begleiter des Ultraläufers hat einen Herzinfarkt erlitten. Immerhin: Inzwischen ist der langjährige Freund auf dem Weg zur Besserung.

Der Kopf des Vorhabens fehlt

Schmid spricht von einem tragischen Zwischenfall. «Im Team haben wir die Situation geprüft und sind schweren Herzens gemeinsam zum Absage-Entscheid gekommen.»

Sein Freund sei der Kopf des Vorhabens, der Planer und Organisator, der ihn auf drei Etappen mit dem Velo begleitet – einmal während 14 Stunden sowie zweimal während 12 Stunden. Kurz: «Er hat eine Schlüsselfunktion inne. Dieser Hauptsupporter ist in kurzer Zeit schlicht und einfach nicht ersetzbar.»

Ein Verschiebedatum noch in diesem Jahr sei ebenfalls nicht denkbar, fährt Schmid fort. Denn das Projekt «Ultra-Running Switzerland» sei sehr komplex, alle möglichen Risiken seien schon im Vorfeld zu minimieren, verschiedene Faktoren müssten zusammenpassen: «Neben Training und Ernährung sind es das Umfeld oder das Wetter und vor allem die Dunkelheit in den Nächten, die monatlich zunimmt.»

Der Ausfall seines Begleiters sei ein herber Dämpfer, sagt Schmid. Er sei mit seinem Training auf Kurs, fühle sich gut in Form und habe bereits Testläufe absolviert. «Auf einen Schlag stellt sich die Frage: Was jetzt?»

Vorwärtsschauen heisst Devise

Fest steht: Das Projekt «Ultra-Running Switzerland» sei nicht vom Tisch, werde weiterverfolgt und im nächsten Jahr stattfinden, betont Schmid. Für den zweiten Versuch werden – anders als in diesem Jahr – zwei mögliche Daten angesetzt: im Juni sowie im August.

«Wir haben schon sehr viel Zeit für die Vorbereitungen aufgewendet, sind stundenlang zusammengesessen. Von diesen Erfahrungen und den gewonnenen Erkenntnissen können wir profitieren», stellt der Ultraläufer fest.

Mehr noch: «Durch die zusätzliche Zeit, die wir gewinnen, können wir noch feiner planen.» So sei es möglich, die einzelnen Etappen ein weiteres Mal abzufahren, die Begleiter könnten die Schlüsselstellen dokumentieren.

Er laufe auf Radwegen, nicht alle Abzweigungen seien markiert, nicht alle Wegweiser seien in der Nacht ohne weiteres zu erkennen, macht Schmid klar.

Aus diesem Grund würden auch die Vollmondphasen in die Überlegungen mit einbezogen. «Wir schauen nach vorne. Das ganze Team ist motiviert», sagt der Mönthaler.

Besonders freut er sich über die grosse Unterstützung aus seinem Umfeld: «Es ist Begeisterung für dieses Vorhaben zu spüren, viele Leute stehen hinter uns. Das ist sehr erfreulich.»

An sportlichen Herausforderungen wird es übrigens nicht mangeln für Simon Schmid in diesem Jahr. Er werde voraussichtlich an der Schweizer Meisterschaft im 12-Stunden-Lauf teilnehmen, die im September in Brugg durchgeführt wird. Und vielleicht könne er sich sogar noch einen Startplatz am 8-Tage-Lauf in Monaco ergattern.

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