Brugg
Wegen Corona: Reformierter Pfarrer setzt auf Livestream-Gottesdienste

Die Corona-Krise bringt Pfarrer Rolf Zaugg von der Stadtkirche Brugg auf eine neue Idee. Er will Gottesdienste künftig im Internet übertragen.

Claudia Meier
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Pfarrer Rolf Zaugg vor der reformierten Stadtkirche Brugg setzt auf Livestream-Gottesdienste.

Pfarrer Rolf Zaugg vor der reformierten Stadtkirche Brugg setzt auf Livestream-Gottesdienste.

Claudia Meier

Nein, die Gottesdienst-Übertragungen am Fernsehen will die Reformierte Kirche Brugg mit ihrer neusten Massnahme nicht konkurrenzieren. Aber in Zeiten grosser Verunsicherung wegen des Corona-Virus ist es Pfarrer Rolf Zaugg ein Anliegen, den Kirchgängern «eine Art Krücke» zu bieten, um an den kirchlichen Veranstaltungen teilnehmen zu können, ohne das Haus verlassen zu müssen. Deshalb hatte er die Idee, im Gottesdienst am Sonntag erstmals einen Livestream einzusetzen.

Das heisst: In nächster Zeit werden alle kirchlichen Veranstaltungen in der Stadtkirche Brugg gefilmt und via Livestream direkt auf die Webseite refbrugg.ch übertragen. Dort ist unter dem entsprechenden Link auf der Startseite ein Testbild zu finden, was darauf hinweist, dass alles vorbereitet ist für die Liveübertragungen. «Wir werden nur im vorderen Teil der Kirche filmen. Die Kirchgänger sind bei der Liveübertragung nicht zu sehen», sagt Pfarrer Zaugg, für den dieser Technikeinsatz eine neue Erfahrung ist.

Abendmahl und Apéro fallen am Sonntag aus

Unter dem Motto «Ein fröhliches Fest!» lädt der Familiengottesdienst diesen Sonntag um 10 Uhr zum Feiern ein. Die Schülerinnen und Schüler der dritten bis fünften Klasse gestalten den Gottesdienst und den musikalischen Rahmen mit. Wegen des Corona-Virus fallen das Abendmahl und der anschliessende Apéro allerdings aus. Doch die Verantwortlichen haben sich etwas Anderes einfallen lassen, lässt der Stadtpfarrer durchblicken.

Rolf Zaugg stellt fest, dass es den Gläubigen wichtig ist, dass weiterhin Gottesdienste stattfinden. «Das ist so etwas wie ein Garant für Normalität», sagt er. Im Pflegezentrum Süssbach hingegen finden bis auf weiteres keine Gottesdienste mehr statt. Die Reformierte Kirchgemeinde Brugg appelliert an alle, sich an die Empfehlungen von Bund und Kanton zu halten.

«Wir bemühen uns, Sie weiterhin auch in Spitälern und Heimen zu besuchen. Hier sind wir jedoch in unseren Zutrittsmöglichkeiten eingeschränkt», führen Mitarbeiter und Kirchenpflege in einer Mitteilung aus. «Wir halten den Kontakt zu Ihnen, auch wenn Sie krank sind», lautet das Versprechen an die Gläubigen. Bisher ist es nicht zu mehr Anfragen für Hausbesuche gekommen.

Die Katholiken leeren die Weihwasserbecken

Grundsätzlich beobachtet Pfarrer Zaugg bei den Senioren verschiedene Einstellungen zur Corona-Krise. Die Einen seien sehr abgeklärt und bleiben im Zweifelsfall lieber zu Hause. Andere sagen sich: «Wir haben die Kinderlähmung überlebt.» Das Corona-Virus sei nicht das Schlimmste, was einem passieren könne, und an etwas müsse man schliesslich sterben.

Ob für die Reformierten oder die Katholiken: Das eigene Verhalten im Zusammenhang mit der Corona-Krise wird laufend hinterfragt und – wo nötig – angepasst. Das bestätigt auch Simon Meier, Pastoralraumleiter der Katholischen Kirche in der Region Brugg-Windisch. «Die Leute brauchen Gemeinschaft, das spüren wir gut», sagt Simon Meier. Die Katholiken haben Vorsichtsmassnahmen getroffen: Weihwasserbecken wurden geleert, Gläubige erhalten die Kommunion nur noch auf die Hand, die Weitergabe des Friedensgrusses entfällt. Und wer trotz allem noch in die Kirche geht, kann sicher sein, dass es genug Platz findet, um den Sicherheitsabstand zum Sitznachbarn einhalten zu können.

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