Projekt Oase

Wegen Angst vor «Verschandelung»: In Windisch wurde schon einmal für einen Tunnel gekämpft

Alte Forderungen ganz aktuell: Schon vor 50 Jahren stand in Windisch eine unterirdische Strassenführung zur Diskussion. Der Präsident des Quartiervereins Klosterzelg-Reutenen argumentierte unter anderem mit dem Umweltschutz.

Die Windischer SP-Einwohnerräte Fredy Bolt und Mirjam ­Aebischer fordern eine Verlängerung des Tunnels beim Projekt Oase. Dieses sieht ab Portal beim Bahnhof Brugg eine offene Strassenführung beim Kabelwerkareal mit Überquerung des Bahndamms und Anschluss an die Südwestumfahrung vor.

Eine solche Linienführung durchquere ein wichtiges Entwicklungsgebiet von Windisch mit einem zukünftig erheblichen Wohnanteil. Eine Überquerung des Bahndammes würde zudem das angrenzende westliche Reutenenquartier mit Immissionen massiv belasten, weshalb die Bahnlinie zu unterqueren sei, finden die Einwohnerräte.

Der Einsatz für eine Tunnellösung ist nicht neu – er begann schon vor rund 50 Jahren. Damals ging es um die Linienführung der Aaretalstrasse, die heute ins Projekt Oase integriert ist. So berichtete das «Brugger Tagblatt» am 7.März 1973 unter dem Titel «Tunnel für Aaretalstrasse gefordert» über eine Versammlung des Quartiervereins Klosterzelg-Reutenen.

Dessen Präsident Gustav Obrist sprach sich an diesem Anlass vehement für eine Weiterführung der Umfahrung Hausen (Bünztalstrasse) bis zur Kiesgrube Hunziker, eine Untertunnelung der Bahnlinie und die Weiterführung des Tunnels bis Bachthalen aus. Allerdings stand damals die Untere Klosterzelgstrasse als Linienführung im Vordergrund. Die Tunnelvariante müsse aus Gründen des Umweltschutzes und der Immissionen gewählt werden, Brugg und hauptsächlich Windisch müssten «von einer Verschandelung grössten Stils verschont werden».

Der anwesende Brugger Stadtammann Eugen Rohr vertrat ebenfalls die Meinung, dass der Durchgangsverkehr am besten unterirdisch geführt werde. Allerdings sei dies eine sehr teure Lösung und der Kanton leide unter einer Finanzknappheit. Aldo Clivio, Gemeindeammann von Windisch, wies auf mögliche Schwierigkeiten bei einer Tunnellösung hin, Stichworte Senkungen des Terrains und Grundwasserschutz. Er dankte dem Quartierverein, dass aufgrund seines Einsatzes die ursprüngliche Linienführung durchs untere Reutenen-Quartier verhindert werden konnte. Und nun müsse man «nach Möglichkeit dafür kämpfen, dass diese neue Strasse unter den Boden zu liegen kommt».

Die Versammlung verabschiedete eine Resolution, in der die Aargauer Regierung aufgefordert wurde, aufgrund der «untragbaren Verkehrsimmissionen» eine speditive und umweltschonende Behandlung der Aaretalstrassenfrage vorzunehmen. Wie sich später zeigte, verlief die weitere Behandlung nicht gerade speditiv…

Gemeinderat forderte eine Nordumfahrung

Der Kampf wurde in den nächsten Jahren fortgesetzt. Das Baudepartement plante, die Bünztalstrasse in einer ersten Etappe vom Birrfeld her nur bis zum Anschluss Baschnagel mit Anknüpfung an die Hauserstrasse (gemäss heutigem Stand) zu führen. Dagegen wehrte sich der Windischer Gemeinderat, wie er an einer Presseorientierung darlegte (Badener Tagblatt vom 31.März 1982). Er forderte den Verzicht auf das Anschlussbauwerk Baschnagel, da dieses zu einem starken Verkehrsaufkommen auf der Hauserstrasse führen würde. Statt dessen sei die Bünztalstrasse der Bahnlinie entlang bis zum Kieswerk Hunziker weiterzuführen (analog der heute im Bau stehenden Linienführung) und von dort – «eventuell via Tunnel», wie angefügt wird – zum Gebiet Bachthalen mit Anschluss an die Zürcherstrasse (da die Fortsetzung der Aaretalstrasse nach Lauffohr noch nicht spruchreif war). «Wir versprechen uns von dieser Nordumfahrung eine grosse Entlastung», so Clivio.

Der BT-Redaktor brachte in der Berichterstattung einen Kommentar an: «Uns schiene es vernünftig, wenn schon die Bünztalstrasse bis zur Kiesgrube Hunziker weitergeführt werden soll, dass dann gleich noch das kurze Teilstück bis zur Aarauerstrasse erstellt würde, was auch in Brugg zu einer gewissen Verkehrsentlastung beitragen würde.»

Wie man sieht: Jahrzehntealte Forderungen bleiben manchmal aktuell.

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