Windisch
Weg von Einwohnerrat? «Mir graut vor Versammlungen in leeren Sälen»

SP-Fraktionspräsident Paul Bitschnau stellt den Einwohnerrat in Windisch nicht infrage – genauso wie Vertreter von FDP und CVP. Ganz anders Vertreter der SVP: Für sie ist die Wiedereinführung der Gemeindeversammlung denkbar.

Michael Hunziker
Merken
Drucken
Teilen
Wird der Einwohnerrat Windisch durch eine Gemeindeversammlung ersetzt? (Symbolbild)

Wird der Einwohnerrat Windisch durch eine Gemeindeversammlung ersetzt? (Symbolbild)

Keystone

Nach der schwierigen Suche nach Kandidaten für den Einwohnerrat Windisch halten SVP-Wahlkampfleiter Bernhard Stüssi und SVP-Präsident Andreas Anner die Wiedereinführung der Gemeindeversammlung für eine Option.

Paul Bitschnau, Fraktionspräsident der SP, Philipp Umbricht, Fraktionspräsident der FDP, sowie Susanne Keller, Präsidentin der CVP Windisch, sind anderer Ansicht. Sie stellen den Einwohnerrat nicht infrage.

Irritierende Aussage

«Der Einwohnerrat macht Sinn, weil viele Geschäfte relativ komplex und umfassend sind», führt Paul Bitschnau von der SP aus. «Der Einwohnerrat kann diese beraten, im Rat sachbezogen diskutieren und Ideen und Anträge einbringen.»

Die Aussage von Bernhard Stüssi irritiere. Dass die Suche nach Kandidierenden eher anspruchsvoll war, berechtigt laut Bitschnau nicht, «das Kinde gleich mit dem Bad auszuschütten. Eine Rückkehr zur Gemeindeversammlung kommt für mich nicht infrage.»

Ihm graue vor Versammlungen in leeren Sälen, so der SP-Fraktionspräsident weiter, an denen einflussreiche Personen oder Gruppen den Verlauf der Diskussionen beeinflussen und die Stimmung aufpeitschen.

FDP-Fraktionspräsident Philipp Umbricht erachtet die Gemeinde mit rund 7000 Einwohnern und knapp 4000 Stimmberechtigten als zu gross, um auf dem Weg der Gemeindeversammlung zielgerichtet geführt zu werden.

«Faktisch würde eine Rückkehr zur Gemeindeversammlung die Position des Gemeinderats und der Verwaltung zulasten der Stimmberechtigten stärken, was abzulehnen ist.» Eine Rückkehr könne er sich persönlich deshalb nicht vorstellen.

«Ich bin überzeugt, dass für eine gute Vertretung der Interessen aller Bevölkerungsteile einer Gemeinde wie Windisch der Einwohnerrat das bessere Gremium ist», stellt Umbricht fest. Durchaus vorstellen könne er sich dagegen eine Reduktion von 40 auf 30 Mitglieder – «ohne dass die Vielfalt im Rat und die Repräsentation der Stimmberechtigten Schaden nehmen würde».

Alle Parteien sind gefragt

CVP-Präsidentin Susanne Keller ist sich ebenfalls sicher: «Auch wenn es im Moment schwierig ist, Kandidaten zu finden, sollten wir den Einwohnerrat Windisch nicht infrage stellen». Vielmehr gelte es, sich parteiübergreifend zu überlegen, «wie wir die Windischer motivieren können, sich in der Gemeindepolitik zu engagieren».

Sie selber habe während ihrer 11-jährigen Einwohnerratszeit die politischen Diskussionen immer als interessant empfunden. «Auch wenn die Meinungen zum Teil weit auseinander oder gar völlig entgegengesetzt lagen, war die Zusammenarbeit im Rat gut und fair», hält Susanne Keller fest.

«Die Einwohnerräte nehmen ihre Aufgabe sehr ernst und studieren alle Botschaften des Gemeinderates genau.» An der Gemeindeversammlung dagegen könnten Gruppierungen für ihre Interessen die Leute mobilisieren und Anliegen einer Minderheit beschliessen.