Bahnhof Brugg

WC-Graus: Stadtreinigung wehrt sich

Nicht nur die Anzahl der Kontrollen, sondern auch Öffnungszeiten sind bei den städtischen Bahnhofstoiletten am Brugger Bahnhof ein Problem. Die WC-Anlagen der SBB hingegen sind sauber und gratis

«Dort geht nur hinein, wer wirklich ganz dringend muss» – so lautete das Fazit des Toiletten-Tests bei den städtischen Anlagen am Bahnhof Brugg. Dafür gabs Punkteabzug beim Bahnhof-Test der az Aargauer Zeitung (Ausgabe vom 22. Oktober). Gute Noten hatten hingegen die Toiletten der SBB erhalten: «Die WC-Anlage der SBB ist sauber und gratis.»

Peter Roth von der Stadtreinigung stösst diese Bewertung sauer auf. Er putzt die Toilettenanlage der Stadt täglich. Für ihn ist klar, wo der Hund begraben liegt: Die Anlagen der SBB liegen hinter dem Kiosk relativ weit abseits und werden über Nacht geschlossen. Die der Stadt liegen in der Unterführung Ost zentraler und bleiben 24 Stunden offen.

Es passiert in der Nacht

«Tagsüber passiert nicht viel», sagt Roth. Doch je später der Abend, desto schlimmer. Roth kann das belegen. Er hat auf seinen Touren immer eine Kamera mit dabei und hält fest, was er täglich antrifft. Ein ganzer Ordner voller Bilder ist inzwischen zusammengekommen. Es sind Bilder, bei deren Anblick es einem fast den Magen umdreht: menschliche Exkremente, über die Fliesen verschmiert oder mitten im Raum hinterlassen, Spritzen, Kippen und überall Abfall.

Das sind keine Ausnahmen, wie ein Augenschein gestern Morgen gezeigt hat: Auf der Herrentoilette hat einer sein Geschäft zwischen Wand und Toilette verrichtet. Ein anderer hat seine Haare gefärbt und sämtliche Utensilien dafür hinter der Tür liegen lassen. Auf der Damentoilette stehen leere Bier- und Energy-Drink-Dosen auf dem Boden, Toilettenpapier flattert herum.

Nicht stündlich kontrollieren

Roth versteht, dass sich die Toilettenbenutzer über solche Anblicke ärgern. Auch er selbst würde die Toilette abends nicht benutzen wollen. Den schwarzen Peter für solche Zustände aber der Stadtreinigung zuzuschieben, gehe nicht auf: «Man kann die Toiletten nicht stündlich kontrollieren.» Dazu fehle es schlichtweg an Zeit und Personal. Und schliesslich müsse sich jeder selber an der Nase nehmen: «Wenn jeder die Toilette so sauber verlassen würde, wie er sie antrifft, hätten wir keine Probleme.»

Doch selbst bei den SBB-Toiletten am Bahnhof Brugg, die täglich sechsmal kontrolliert und nötigenfalls gereinigt werden, gibt es keine Garantie für Sauberkeit: «Vandalismus geht aber leider auch an uns nicht spurlos vorbei», sagt Mediensprecher Roman Marti. Trotz der regelmässigen Kontrollen liessen sich mutwillige Verschmutzungen oder Sachbeschädigungen nicht gänzlich verhindern.

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