Brugg

Was ist zärtlich? Was ist Gewalt? Hier erhalten Primarschüler und Eltern Antworten

Die Eltern sind am Montagabend zahlreich im Salzhaus erschienen und erkundigten sich über das schwierige Thema.

Die Eltern sind am Montagabend zahlreich im Salzhaus erschienen und erkundigten sich über das schwierige Thema.

Die Primarschüler und deren Eltern von Brugg haben sich mit sexueller Ausbeutung beschäftigt.

Parallel zur interaktiven Ausstellung «Mein Körper gehört mir!» für Schülerinnen und Schüler von der 2. bis zur 4. Primarklasse fand am Montagabend eine von der Schule und der Schulsozialarbeit organisierte Begleitveranstaltung für Eltern statt.

Sozialarbeiterin Ute Spiekermann vom Fachteam Limita in Zürich fühlte den Eltern während rund eineinhalb Stunden auf den Zahn. «Ich werde versuchen, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen, Sie zu provozieren. Im Sinne von: Wo fängt etwas an, wo hört es auf?» Sexuelle Ausbeutung, meinte sie, bringe man selten mit sich oder der eigenen Familie in Verbindung. Diese passiere im Verborgenen. Was man aber sehe, das seien die Grenzüberschreitungen.

So wollte Ute Spiekermann von den zahlreich erschienenen Eltern wissen, wie die Kinder «Nein» sagen; ganz im Allgemeinen. «Sie sagt Stopp», war eine Antwort. «Er wendet sich ab» oder «sie läuft weg». Im Gespräch zwischen den Eltern und der Sozialarbeiterin wurde ersichtlich, wie unsicher, aber auch teilweise wie ohnmächtig man diesem schwierigen Thema gegenübersteht. «Eine grosse Präventionshandlung ist, die Gefühle der Kinder wahrzunehmen.»

Täter gehen strategisch vor

Ute Spiekermann erzählte von ihrem Sohn, der sich im Alter von zwei Jahren selbstbewusst dagegen wehrte, dass ihm auf dem Spaziergang Passanten im Vorbeigehen über den Kopf streichelten. «Das können nicht alle Kinder.» Sie riet den Eltern, die eigene Haltung wahrzunehmen, diese gegenüber Freunden, Verwandten kundzutun und dem Kind zu vermitteln, dass man an seiner Seite sei.

Weiter diskutierten die Eltern zunächst untereinander die Frage: «Was unterscheidet sexuelle Gewalt von Zärtlichkeit?» Eine Frau erklärte, dass es die selbstlose Zärtlichkeit gebe. Sobald eine sexuelle Absicht dahinterstecke, sei dies eine Gewaltanwendung. «Prävention ist, bereits bei leichten Grenzverletzungen zu reagieren. Wenn Sie nicht einschreiten, denkt das Kind, das sei o. k.», erklärte Ute Spiekermann. Sie ging auch darauf ein, dass Täterinnen und Täter strategisch vorgehen, ein Kind zum Lieblingskind machen, dieses isolierten und einen subtilen Zwang zur Geheimhaltung ausübten. «Dies passiert über längere Zeit. Wird nicht auf die schrittweise Grenzüberschreitung reagiert, denkt sich der Täter: ‹Wunderbar, dann kann ich weitermachen.›»

«Du darfst Nein sagen»

Der Kinderparcours «Mein Körper gehört mir!» wurde vom Kinderschutz Schweiz 2006 initiiert und nähert sich dem Thema spielerisch und stärkend. Dieser besteht aus grossen Dreieckssäulen, auf denen Aussagen zu lesen sind wie: «Ich bin schlau, ich hole mir Hilfe», «Ich vertraue meinem Gefühl», «Du darfst Nein sagen» oder «Ich unterscheide zwischen guten und schlechten Geheimnissen».

Auf Kärtchen sind verschiedene Situationen abgebildet: Diejenigen Kärtchen, die gute Gefühle auslösen, werden der lachenden Sonne zugeschoben, diejenigen mit den negativen Situationen gehen an die Wolke. Passend dazu sind die Informationen für Eltern auf jeder Säule festgehalten.

Ausstellung «Mein Körper gehört mir!» noch bis Donnerstag, 25. Oktober im Salzhaus in Brugg.

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