Fusion

Was die Schinznacher Bevölkerung von den Winzern gelernt hat

Landstatthalter Urs Hofmann hat in der neu grössten Weinbaugemeinde im Kanton Aargau mit der Bevölkerung auf die Fusion angestossen. Die 2300-Seelen-Gemeinde Schinznach besteht aus den Ortsteilen Wallbach, Oberflachs und Schinznach-Dorf.

Welcher Wein wird serviert, wenn Oberflachs und Schinznach-Dorf zur grössten Weinbaugemeinde im Kanton, die sich Schinznach nennt, fusionieren? Am Eröffnungsakt in der frisch renovierten Mehrzweckhalle im Ortsteil Schinznach-Dorf am Neujahrsabend lag die Antwort auf dem Tisch. «Wir bieten zur Feier des Tages aus beiden Ortsteilen Weine an», sagte Vizeammann Peter Zimmermann und strahlte.

Den eigentlichen Startschuss zur neugeborenen Gemeinde gab aber Ammann Urs Leuthard: «Jetzt gehören wir zusammen und gehen die Zukunft gemeinsam an.» Obwohl die Referendumsfrist noch nicht abgelaufen ist, wurde das neue Wappen offiziell eingeweiht. FDP-Grossrätin Martina Sigg aus Schinznach-Dorf und Remo Neuhaus, als Vertreter der Jungen, aus Oberflachs überbrachten Landstatthalter Urs Hofmann und Gemeindeammann Urs Leuthard die Fahnen zum Aufhängen.

Während die Musikgesellschaft den Fahnenmarsch spielte, begrüssten die Fähnriche der beiden Ortsteile mit ihren Vereinsfahnen die gelben Weinstöcke auf blauem Grund.

Tradition und Innovation

«Die zwei Trauben, welche die beiden Ortsteile symbolisieren, wachsen an einem gemeinsamen Rebstock», erklärte Landstatthalter Urs Hofmann anschliessend in seiner Grussbotschaft des Regierungsrats. «Wenn sich die Gemeinde Schinznach so gut entwickelt wie Ihr Wein, dann wird die Rebe im Wappen bald noch weitere Früchte tragen», so Hofmann, der die Schinznacher für ihre Weinqualität lobte. Die Winzer aus Oberflachs und Schinznach-Dorf hätten immer wieder bewiesen, dass sich Tradition und Innovation nicht ausschliessen.

Mit dem Entscheid, das Gemeinwesen auf eine breitere Basis zu stellen und so den planerischen sowie den finanziellen Spielraum zu vergrössern, machten sich auch die Schinznacher fit, den Einwohnern sowie den ansässigen Unternehmen noch mehr Qualität zu bieten, betonte Hofmann. «Vielleicht blicken einige Nachbargemeinden in ein paar Jahren neidisch auf Schinznach.»

Grossprojekt scheiterte

Ulrich Salm, Gemeindeammann von Veltheim, überbrachte im Namen der Nachbargemeinden Auenstein, Holderbank, Schinznach-Bad, Thalheim, Veltheim, Villnachern und Zeihen eine Grussbotschaft für die – neben den beiden Fusionsgemeinden Bremgarten und Endingen – jüngste Gemeinde im Kanton. Salm bat zuerst um Verständnis sowie Rücksicht und erinnerte an das gescheiterte Grossprojekt Heirat im Schenkenbergertal. «2009 war die Zeit noch nicht reif dafür», so Salm. Man müsse sich – wie im Privatleben – fragen, ob es wirklich so viele Partner, wie das mal angedacht war, brauche.

Salm kam aber nicht primär zum Wunden lecken nach Schinznach, sondern betonte, dass sich die Nachbargemeinden auf ein Leben im Konkubinat mit der neuen Fusionsgemeinde Schinznach freuten. Im Schenkenbergertal stehen in nächster Zeit zwei grössere gemeinsame Projekte an: Sanierung und Ausbau der Badi Schinznach sowie die Jugendarbeit. Weitere würden bestimmt folgen, sagte Salm.

Linde von Nachbargemeinden

Die Nachbargemeinden schenkten der Gemeinde Schinznach eine Stadt- respektive Winterlinde. Weil sie diese aus logistischen Gründen nicht mitbringen konnten, übergab Salm einen symbolischen und fruchtbaren Nachbarschaftsbaum, an dem die Wappen der beteiligten Gemeinden und Glückwünsche hingen.

«Die Linde der Nachbargemeinden verstehe ich als etwas Nachhaltiges», sagte der Schinznacher Gemeindeammann Leuthard. Sie soll wachsen, gepflegt und geehrt werden. «Wir werden für den Baum einen geeigneten Platz suchen, der als Begegnungspunkt dienen soll, und von dem man Sicht auf Oberflachs und Schinznach-Dorf hat», versprach Leuthard der Schinznacher Bevölkerung.

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