In der Schweiz soll der Atommüll dereinst in einem geologischen Tiefenlager endgelagert werden. Um herauszufinden, wo ein solches Tiefenlager gebaut werden soll, sind in den drei potenziellen Standortgebieten Nördlich Lägern, Zürich Nordost und Jura Ost Tiefbohrungen vorgesehen und teilweise bereits im Gange.

Im Gebiet Jura Ost will die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) ab Frühjahr 2020 zuerst in Bözberg bohren. Der Bohrplatz Bözberg 1 wird noch dieses Jahr gebaut und befindet sich «Im Grabe» beim Ortsteil Ursprung – nicht weit vom Restaurant Vierlinden entfernt.

Geld gibts für Ernteausfall und Standortgemeinde

Wenn die Nagra bohrt, werden die betroffenen Grundeigentümer/Landwirte von der Nagra für die Umtriebe und den Ernteausfall entschädigt. «Ziel ist, dass wir faire Lösungen finden, die für alle Parteien verträglich sind», sagt Nagra-Sprecher Patrick Studer. Bei der Höhe der Entschädigungen für den Ernteausfall hält sich die Nagra an die Empfehlungen des Bauernverbands: «Hier bezahlen wir 50 Franken pro Are und Jahr», fährt Studer fort.

Zudem würden die Gemeinden entschädigt, die wegen der Nagra-Bohrungen Umtriebe haben. «Konkret stellen uns die Gemeinden ihren Aufwand in Rechnung. Die Stundenansätze sind im Gebührenreglement der jeweiligen Gemeinden geregelt», erklärt der Nagra-Sprecher. Dass die Entschädigung in Form von Geld erfolgt, ist die Regel.

Es kann allerdings auch vorkommen, dass die Nagra beispielsweise eine Strasse verbessern muss, damit diese mit den Baumaschinen und dem Bohrgerät befahren werden kann. «Situativ und nach Absprache mit der betreffenden Gemeinde kann entschieden werden, dass eine solche Veränderung nicht rückgängig gemacht wird, wenn die Gemeinde das wünscht», so Studer.

Bohrbetrieb und Untersuchungen sind teuer

Ursprünglich wollte die Nagra ab zirka Juli/August dieses Jahres in Effingen den Bohrplatz 1 «Chrumbacher» erstellen. Dies geschieht nun nicht. Erst wenn die ersten Resultate vom Bohrplatz Bözberg 1 vorliegen, will die Nagra entscheiden, wo im Gebiet Jura Ost sonst noch gebohrt werden soll. Was bedeutet das für den Grundeigentümer des Effinger Bohrplatzes? «Einen Ernteausfall hat der Grundeigentümer in Effingen nicht, da er in Absprache mit uns auf der Parzelle normal angesät hat», stellt der Nagra-Sprecher klar. Sollte sich abzeichnen, dass die Nagra später in Effingen bohren wird, will sie sich frühzeitig mit dem Grundeigentümer absprechen.

Eine Tiefbohrung, wie sie auf dem Bözberg realisiert wird, kostet laut der Nagra im Durchschnitt rund 15 Millionen Franken. Der grösste Teil der Kosten falle für den Bohrbetrieb sowie die wissenschaftlichen Untersuchungen der Proben an. Gebohrt wird bis maximal 2000 Meter Tiefe.