Massentourismus auf dem Jungfraujoch oder Weinwanderungen im Jurapark? Wie erreicht man trotz objektiv stagnierenden Märkten ein Wachstum? «Wir müssen immer gegen kurzfristiges Denken kämpfen», sagte Hauptreferent Urs Kessler, CEO der Jungfraubahnen, am Forum Botia. Der jährliche Netzwerkanlass mit rund 90 Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik fand zum fünften Mal im Restaurant Post in Bözen statt.

Die Jungfraubahnen sind ein börsenquotiertes Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 190 Millionen Franken. Für Kessler stehen aber nicht die Quartalszahlen im Vordergrund, sondern Investitionen in Märkte, die vielleicht erst in zehn Jahren so richtig in Fahrt kommen. «Man muss das Gras wachsen hören.»

Noch schneller aufs Jungfraujoch

Das wichtigste sei «eine einfache und glasklare Strategie» zu entwickeln und zu verfolgen, so Kessler mit einem Fokus auf die nächsten Generationen. Es brauche den Mut, alles infrage zu stellen und sogar über den Bau einer neuen Bahn nachzudenken. Die Jungfraubahnen haben sich zum Ziel gesetzt, jedes Jahr weltweit 750’000 neue Gäste zu akquirieren und diese künftig bedeutend schneller und bequemer als bisher von Grindelwald aufs Jungfraujoch zu transportieren. «Die Leute haben immer weniger Zeit.»

Ein neues Bahnprojekt sieht vor, Reisequalität und -kapazität zu erhöhen. Damit könnten die Kleine Scheidegg sowie die Spitzenzeiten entlastet und die Fahrzeit massiv verkürzt werden. Die Streckenführung erweise sich wegen dem Widerstand von Landbesitzern als echte Herausforderung, stellte Kessler fest. Deshalb fassten die Jungfraubahnen auch strategische Optionen ins Auge.

Naturnaher Tourismus im Jurapark

Vom Berner Oberland ging es zurück in die Toskana der Schweiz. «Wir befinden uns hier bei der Herzschlagader des Parkgebiets», sagte Thomas Vetter, Präsident des Juraparks Aargau, in Anspielung auf die Form des Naturparks, die einem kleinen Dinosaurier ähnlich sieht. Im Gegensatz zum Jungfraujoch mit dem Massentourismus stehe beim naturnahen Tourismus die Entschleunigung und die Vermarktung lokaler Produkte im Zentrum.

Beiden Projekten gemeinsam ist das Bestreben, eine ausgeklügelte Strategie für die nachhaltige Entwicklung ihrer Region zu erarbeiten.