Entlang der Hauserstrasse in Windisch surren derzeit die Baumaschinen. Zwischen der Bushaltestelle «Katholische Kirche» und dem Eichenweg entsteht eine erste Lärmschutzwand. Seit vier Jahren wehrt sich die Familie Jeremic, die seit 2011 in einem Einfamilienhaus an der Hauserstrasse vis-à-vis dem Amphitheater wohnt, gegen diesen Bau.

Die Lärmschutzwand soll 2,3 Meter hoch werden und aus schallabsorbierenden Holzelementen bestehen. Dafür müsste die Familie Jeremic Land von ihrem gepflegten Vorgarten ohne Entgelt zur Verfügung stellen. «Der Kanton hat das Projekt bis zum endgültigen Vorhaben drei Mal geändert und möchte nun 30 Quadratmeter von unserem Grundstück für die Realisation der nicht gewünschten Lärmschutzwand», sagen Mutter Ana und die 27-jährige Tochter Sandra beim Gespräch vor Ort.

«Im Erdgeschoss wäre es dunkel»

Der Bau der Holzwand hätte zur Folge, dass der Zugang zur Haustüre und der Briefkasten an die Schulstrasse um die Ecke verlegt werden müssten. «Von der Haupteingangstüre würde man direkt in die Lärmschutzwand laufen, da sie so nahe zum Haus gebaut wird. Im Erdgeschoss wäre es permanent dunkel und wir würden uns wie in einem Gefängnis fühlen», erklären Ana und Sandra Jeremic. Sie stören sich gar nicht am Verkehrslärm, denn seit der Renovation des Hauses (Baujahr 1939) vor sechs Jahren haben sie neue Fenster.

Die Familie hat sich für den Kampf gegen die Lärmschutzwand einen Anwalt genommen. Der Fall liegt momentan beim Verwaltungsgericht. Ob die Verschiebung des Briefkastens zu einer Adressänderung führen würde, scheint unklar. Für das Land, das sie dem Staat abtreten müssten, würden sie nicht entschädigt, obwohl dies eine Wertverminderung des Hauses sei, sagen Mutter und Tochter. «Immer wird gejammert, der Kanton und die Gemeinde hätten kein Geld, und dann gibt man so viel für etwas aus, das die Leute nicht wollen», wundert sich die Familie Jeremic. «Das belastet uns sehr.»

Änderung wegen Denkmalpflege

Die Kosten für die Lärmschutzwände in Windisch belaufen sich laut Projektleiter Guido Sutter vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) auf unter 4 Mio. Franken. Der Gemeindeanteil beträgt ca. 1 Mio. Franken. Auf den Fall Jeremic kann Sutter wegen des laufenden Verfahrens nicht eingehen.

Der BVU-Vertreter sagt aber: «Das Projekt wurde nur einmal auf Verlangen der kantonalen Denkmalpflege und des kantonalen Ortsbildschutzes geändert.» Auf Verlangen dieser beiden Behörden wurden mehr Flächen zur Begrünung der Wand vorgesehen. Dabei gelte der Grundsatz der Dienstbarkeitsverträge. Die Grenzen würden nicht verändert. Bis Anfang Dezember sollen die laufenden Bauarbeiten fertig sein.