An seiner nächsten Sitzung, am kommenden Freitag, wird sich der Brugger Einwohnerrat unter anderem mit einer Teiländerung des Bauzonenplanes zu befassen haben. Es geht dabei um die Umzonung einer Teilfläche von 23 Aren an der Museumstrasse von der Zone für öffentliche Bauten in die Wohnzone W3. Die Umzonung erfolgt, weil nach dem Auszug der IBB Strom AG – der Grundeigentümerin – ein Teil des Areals für eine neue Nutzung frei wird. An der Museumstrasse regt sich jetzt Widerstand gegen die geplante Umzonung.

In einem Brief rufen Anwohner der Museumstrasse die Einwohnerrätinnen und Einwohnerräte auf, nicht auf die Umzonung einzutreten, respektive sich für «eine Umzonung in die Wohnzone W2 einzusetzen», um eine «angemessene, quartierverträgliche und dem Sicherheitsaspekt Rechnung tragende Lösung» zu realisieren.

Wie hoch ist die Belastung?

«Wir begrüssen es grundsätzlich, dass die IBB ihr Werkareal an der Museumstrasse der Wohnnutzung zuweisen wollen», betonen die Anwohner in ihrem Schreiben. «Nicht einverstanden sind wir jedoch mit der Dimension des geplanten Bauvorhabens. Das Grundstück soll in die Wohnzone W3 umgezont werden, was gemäss einer von der IBB eingeholten Studie den Bau von sechs 4½- und sechs 2½-Zimmer-Wohnungen sowie von vier Ateliers zuliesse. Geplant sind zudem 25 Parkplätze. Dies würde bedeuten, dass das Wohnungsangebot im ‹Blinddarm› des unteren Teils der Museumstrasse verdoppelt würde.

Gleichzeitig würde die Belastung dieses heiklen Bereichs der Museumstrasse mit Motorfahrzeugen wieder mindestens jenes Mass annehmen, das zu jener Zeit galt, als die IBB ihr Areal gewerblich nutzten. Die Verkehrsberuhigung im Schulquartier Freudenstein, über die sich der Stadtrat beim Auszug der IBB hoch erfreut zeigte, wird dadurch, auf Antrag des gleichen Stadtrates, wieder zunichtegemacht, was wir nicht verstehen können.»

Spielt nur das Geld eine Rolle?

Wie die Anwohner betonen, sind sie der «dezidierten Ansicht», dass «ein Baukörper der vier bis sechs grosszügige Wohnungen beherbergt, einer quartierverträglichen, verdichteten Bauweise und auch den finanziellen Interessen der IBB optimal und angemessen Rechnung tragen» würde. Mit einer Umzonung in die Wohnzone W2 statt W3 könnte dies auf einfache Weise gewährleistet werden.

Auffallend sei, so die Anwohner in ihrem Schreiben, dass die Zonenordnung entlang der Aare ausschliesslich Wohnzonen W2 vorsehe: «Wir können uns deshalb des Eindrucks nicht erwehren, dass der Stadtrat als Vertreterin der Alleinaktionärin der IBB aus rein monetären Überlegungen eine Wohnzone W3 durchsetzen will. Eine derartige Rosinenpickerei auf Kosten der Sicherheit der schwächsten Verkehrsteilnehmer erachten wir als der Stadt Brugg unwürdig.»

«Wie entwickelt sich der Verkehr?»

An die Adresse des Stadtrats richten die Anwohner der unteren Museumstrasse die Forderung, die zukünftige Verkehrsentwicklung aufzuzeigen. «Am bedenklichsten ist die zu erwartende Zunahme des Verkehrs», stellen sie fest. Sie monieren aber auch, dass auf ihre Ausführungen zur Verkehrsentwicklung und auf ihre Begründungen «weder im Mitwirkungsverfahren noch im Einspracheverfahren eingetreten» worden sei. Der Hinweis auf Beruhigungsmassnahmen sei ungenügend.

Die Anwohner verlangen vom Stadtrat, dass im Rahmen der Nutzungsänderung aufgezeigt wird, wie sich das Verkehrsverhalten künftig ändern und welche Auswirkungen diese Entwicklung auf das Strassen- und Wegnetz des Quartiers und der Umgebung haben wird. Schliesslich sei aufzuzeigen, welche Massnahmen und Auflagen für das Projekt vorzukehren sind. Begründet werden diese Forderungen mit dem Hinweis auf eine zu erwartende Intensivierung der Zu- und Wegfahrten von Motorfahrzeugen, aber auch damit, dass die Museumstrasse insbesondere von Schülerinnen und Schülern intensiv genutzt wird.