Allerheiligen und Allerseelen sind in der Schweiz eher düster und traurig. Das scheint selbstverständlich, denn an diesen Tagen gedenkt man traditionell den Verstorbenen. Das muss aber nicht so sein: In Mexiko wird am 1. und 2. November der «Día de los Muertos» (Tag der Toten) gefeiert. Diese Tradition ist Teil des Weltkulturerbes der Unesco.

Aber um diese andere Tradition zu erleben, muss man sich nicht stundenlang in ein Flugzeug quetschen. Es reicht ein Abstecher nach Brugg. Dort haben drei Frauen mit mexikanischen Wurzeln die Kulturgruppe Iztaccíhuatl gegründet. Diesen Samstag präsentierten sie zum zweiten Mal den mexikanischen Umgang mit den Toten.

Selbst das Wetter am Samstagmorgen spiegelt die Traurigkeit der Allerheiligen-Tradition wider: tiefe Temperaturen und dicker Nebel. Aber wenn man den Pfarreisaal in Brugg betritt, taucht man in eine ganz andere Welt ein: Eine wohlige Wärme umfängt einen, ein dezenter Weihrauch-Geruch zusammen mit dem Duft von verschieden Speisen steigen in die Nase. Wenn man dann den Blick durch den grossen Raum schweifen lässt, bleibt er automatisch an den bunt dekorierten Altären hängen.

Über die ganze Breite des Raums sind auf farbigen Tüchern viele kleine und grosse Gegenstände verteilt: von Ess- und Trinkwaren über Totenköpfe in allen Grössen und Farben bis hin zu Bildern von Verstorbenen und Dingen, die sie im Leben gern hatten: Neben Büchern etwa liegt ein Dominospiel, aber auch Schnaps und Zigaretten fehlen nicht.

Laura Peter, eine der drei Frauen aus der Kulturgruppe Iztaccíhuatl erklärt: «Die Toten haben an diesem Tag die Erlaubnis von oben, zu uns zurückzukehren.» Dabei zeigt sie mit dem Finger nach oben und schmunzelt. «Aber wir haben keine Angst. Jeder muss einmal gehen, aber wir wissen, dass wir nicht vergessen werden.» So ist auf dem Altar, der auf den ersten Blick zusammengewürfelt erscheint, jedes Ding an seinem Platz und hat seine Funktion: Etwa das Wasserglas ganz am Rand steht bereit für die Toten, wenn sie nach der langen Reise zurück ins Jenseits durstig sind. Ein Teller voll mit Salz ist für die Reinigung der Seelen der Toten bestimmt. In Mexiko ist der «Día de los Muertos» ein Volksfest.

Die ganze Familie kommt zusammen und oft wird für das eigentliche Fest tagelang vorbereitet: Die Spezialitäten wie das «Pan de Muerto» (Totenbrot) oder Totenköpfe aus Wasser und Zucker und andere Dekorationen werden selbst gemacht, sagt die Frau mit mexikanischen Wurzeln: «Auch Kinder können an diesen Tagen einen anderen Umgang mit dem Tod erleben.» Die Kinder seien manchmal ganz erschüttert, wenn etwa das Wasserglas nicht mehr ganz voll sei, dann glauben sie, dass ein Toter etwas getrunken hat, dabei ist das Wasser nur kondensiert, sagt Peter.

Am Ende des Tages kehren die Toten wieder zurück in ihr Reich, nehmen aber die Gerüche und Eindrücke mit, bis sie in einem Jahr wiederkehren.