Birrhard
Warum die Gemeinde Birrhard unabhängig bleiben will

Der Souverän sprach sich ganz klar gegen einen Zusammenschluss mit Birr aus: «Wenn eine Fusion Sinn macht, dann nur jene von Birr mit Lupfig», sagt ein Votant in Birrhard.

Elisabeth Feller
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Nach 60 Minuten stand fest: Birrhard, 660 Einwohner, will keinen Zusammenschluss mit Birr, 4208 Einwohner. Den 154 Nein- standen 32 Jastimmen gegenüber. Als das Ergebnis – übrigens fast zeitgleich wie jenes in Birr – bekannt gegeben wurde, brandete Applaus auf.

Gemeinderäte und Gemeindeammann Ursula Berger mochten keine Enttäuschung zeigen. Tenor: «Das ist ein demokratischer Entscheid, den wir zu akzeptieren haben». Die jahrelangen Vorarbeiten für das Zusammengehen waren für Ursula Berger jedenfalls «keinesfalls vergeblich».

Ausserordentlich gut besucht

Die ausserordentliche Gemeindeversammlung wurde sehr gut besucht. Ursula Berger: «Schön, dass sich so viele eingefunden haben. Das Thema Zusammenschluss bewegt das ganze Dorf.» Von 489 Stimmberechtigten waren 193 (39,37 Prozent) anwesend (absolutes Mehr 97; Beschlussquorum 98). Wie bereits an der Informationsveranstaltung im Januar ging Ursula Berger noch einmal auf die wesentlichen Punkte des Vertrages ein. Um der Klarheit willen: «Wir stimmen heute Abend nur über diesen ab. Man kann keinen Rückweisungsantrag stellen, weil auch in Birr abgestimmt wird.»

Die Reduktion des Steuerfusses von 118 auf 110 Prozent sowie der bei einem Zusammenschluss zu erwartende Beitrag aus dem Finanz- und Lastenausgleich waren beispielsweise Themen. Ob es Fragen zum Vertrag gebe? Aus den dicht gefüllten Reihen meldete sich ein Votant, der verschiedene Punkte monierte. Beispielsweise «Zahlen, die nicht stimmen». In der jetzigen Zeit werde die Gemeinde Birrhard mit ihrem Steuersubstrat problemlos durchkommen – Birr habe jedoch Schulden. Als «fatal» bezeichnete er sodann, dass Birrhard gemäss Vertrag «keine Wahlkreise aufweise». Alles in allem handle es sich um «einen absolut katastrophalen Vertrag für Birrhard.»

Ein anderer Anwesender sprach davon, dass er einem Zusammengehen lange positiv gegenüber eingestellt gewesen sei. Aber nun befürchte er eine Verwaltung, die eher grösser werde. Und weiter: «Wenn eine Fusion überhaupt Sinn macht, dann jene von Birr mit Lupfig.»

Weshalb nicht früher Fragen?

Wenig erfreut über den Zusammenschluss-Vertrag zeigte sich auch ein weiterer Birreter, für den «sehr vieles schwammig und gummig ist». Laut ihm haben nicht weniger als vier der acht Fachgruppen keine Fusion empfohlen. Ein weiterer Stimmbürger fragte in die Runde: «Haben nicht viele von Ihnen eine emotionale Hemmschwelle, künftig kein Birreter, sondern ein Birrer zu sein?» Auch die Schule war ein Thema und damit eine Mitteilung der Schulpflege Birrhard, die sich gegen einen Zusammenschluss ausgesprochen hatte (siehe oben).

Berger spielte auf das Flugblatt an, als sie sagte: «Ich finde es schade, dass gewisse Fragen im Zusammenhang mit der Schule nicht schon viel früher gestellt worden sind.» Berger betonte, dass der Schulstandort Birrhard – Kindergarten bis 6. Klasse – gewahrt bleibe.

Aber: Das Schulwesen sei im Umbruch – wer wisse, wie es in Zukunft aussehen werde. Auf diese spielte Ursula Berger am Ende der Gemeindeversammlung an, als sie sagte: «Ich hoffe, dass sich auch künftig so viele Stimmbürgerinnen und -bürger einfinden werden wie heute.»

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