Bahnhof Brugg

Warum der Kanton die Passanten zählt – und die Fussgängerfrequenz nicht dem Normalbetrieb entspricht

Wie hier im Mausloch sind am Bahnhof Brugg elf Messpunkte (Bluetooth-/Wifi-Sensoren) aktiv, um den Fussgängerstrom zu analysieren.

Wie hier im Mausloch sind am Bahnhof Brugg elf Messpunkte (Bluetooth-/Wifi-Sensoren) aktiv, um den Fussgängerstrom zu analysieren.

Die Erfassung der Fussgänger in den Unterführungen am Bahnhof Brugg begann, bevor die Studierenden an die Fachhochschule zurückkehrten.

Passanten ärgern sich seit Jahren über die hässliche und enge Bahnhofunterführung, das sogenannte Mausloch, zwischen dem Brugger Neumarkt und der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) auf der Windischer Seite. Vor der Eröffnung des Campusneubaus im Jahr 2013 wurden Stimmen laut, Studierende könnten im Mauseloch stecken bleiben. So weit ist es in den letzten sieben Jahren nicht gekommen.

Verschiedene Ideen, die Passage attraktiver und vor allem breiter zu gestalten, wurden immer wieder begraben. Anfang dieses Jahres nahmen der Stadtrat Brugg und der Gemeinderat Windisch einen neuen Anlauf und lancierten das Projekt «Stadtraum Bahnhof Brugg». Um das Gebiet um den Brugger Bahnhof städtebaulich attraktiver zu machen, sollen die Interessen der Akteure aufeinander abgestimmt werden, lautet ein Ziel.

Der Bahnhof Brugg ist Teil einer Pilotzählung

Vom 28. August bis am 21. September wird nun in den beiden Bahnhofunterführungen ermittelt, wie viele Personen von Brugg nach Windisch laufen oder umgekehrt und wie viele auf die Perrons gehen oder von dort kommen. Doch das Herbstsemester an der FHNW hat erst diese Woche am Montag mit zirka 50% Präsenzunterricht begonnen.

Die gemessene Fussgängerfrequenz entspricht daher nicht dem Normalbetrieb. Warum findet die Zählung trotzdem jetzt statt? Sprecherin Simone Britschgi vom kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) sagt, die schweizerische Vereinigung für Verkehrsingenieure (SVI) habe im Auftrag des Bundesamts für Strassen Astra im Juni 2018 das Forschungsprojekt 2017/009 ausgelöst: «Empfehlungen zur Zählung des Fussverkehrs».

Im Rahmen dieses Programms seien Pilotzählungen eingeplant worden. Die Zählung der beiden Personenunterführungen im Bahnhof Brugg sind Teil dieser Pilotzählungen. «Ihre Durchführung war ursprünglich für Frühling 2020 geplant, musste aufgrund der Coronapandemie jedoch in den Herbst verschoben werden», so Britschgi.

Resultate gehen an SBB, Kanton sowie Brugg und Windisch

Die aktuelle Zählung deckt je eine Woche ohne FHNW-Betrieb, eine Woche mit Startbetrieb der Erstsemestrigen und eine Woche mit Veranstaltungen für alle Semester ab. «Es ist eines der Ziele dieser Zählung, den Unterschied in der Nutzung der Unterführungen mit und ohne FHNW-Betrieb festzustellen.

Wir sind mit der Hochschule im Gespräch, um abschätzen zu können, wie hoch der Studierendenanteil vor Ort ist», fährt die BVU-Sprecherin fort. Mit den Angaben der FHNW könne das Aufkommen der Studierenden für die Vor-Pandemiezeit abgeschätzt werden.

Die Resultate liegen laut Britschgi bis Ende 2020 vor und fliessen in den Forschungsbericht ein. Zusätzlich werden sie dem Kanton, der SBB und den beteiligten Gemeinden Brugg und Windisch zur Verfügung gestellt. Die Pilotzählung in Brugg kostet rund 30000 Franken. Davon werden 30% über den Forschungsauftrag abgerechnet. Die restlichen Kosten trägt der Kanton.

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