Die vielen bunten Wahlplakate erinnern uns täglich an die Gesamterneuerungswahlen des Regierungsrats sowie der 140 Mitglieder des Grossen Rats am 23. Oktober. Im Bezirk Brugg buhlen 86 Kandidatinnen und Kandidaten von 9 Parteien um einen der 11 Sitze im Kantonsparlament in Aarau.

Unter den älteren Kandidaten fallen zwei Persönlichkeiten auf, die sich in der Vergangenheit eine andere Partei auf die Fahne geschrieben hatten: Da ist einerseits Frederik Briner aus Windisch. Der 78-Jährige ist momentan SVP-Einwohnerrat und -Ortsparteipräsident. Als SP-Mitglied wurde Briner im Alter von 31 Jahren für den Bezirk Brugg schon mal in den Grossen Rat gewählt. Andererseits kandidiert Heinz Rohr aus Lupfig auf Listenplatz 1 für die EDU – die Eidgenössisch-Demokratische Union. Der 68-Jährige wurde allerdings erst im vergangenen Herbst für die SVP neu in den Gemeinderat gewählt.

Grosser SVP-Sympathisant

Jetzt, wo sein SVP-Gemeinderatskollege Richard Plüss den Grossen Rat nach 19 Jahren verlässt, wäre die Ausgangslage für Rohr ideal, in dessen Fussstapfen zu treten. Heinz Rohr erklärt: «Ich war nie Mitglied der SVP, jedoch ein grosser Sympathisant.» Die Anfrage für die Gemeinderatskandidatur sei zwar von der SVP-Ortspartei Lupfig gekommen – konkret von Plüss. Rohr stellte bereits in den ersten Gesprächen mit dem SVP-Vorstand klar, dass er Mitglied der EDU-Bezirkspartei Brugg ist. Dass die damalige Wahlkampagne unter dem SVP-Logo lief, war für Rohr aufgrund der Unterstützung in Ordnung.

Rohr ist von der aktiven Mitgliedschaft in der EDU überzeugt, weil sie eine «christlich motivierte Politik führt, mit Werten, die nachhaltig sind und Zukunft haben». Für ihn von grosser Wichtigkeit ist, dass die EDU bei der heutigen nationalen und globalen Verunsicherung in der Bevölkerung eine mutmachende Zukunftspolitik aufzeigt und sich auf die Grundwerte der Bibel stellt. Der erste Listenplatz habe mit seinem Amt als aktiver EDU-Gemeinderat zu tun, aber auch mit seiner Erfahrung als Sozialpädagoge, Institutionsleiter, Strafvollzugsleiter und Fachcoach, so Rohr.

Heinz Rohr sitzt für die SVP im Gemeinderat und vielleicht bald für die EDU im Grossen Rat.

Heinz Rohr sitzt für die SVP im Gemeinderat und vielleicht bald für die EDU im Grossen Rat.

Vom Schiff aus die Schweiz beobachtet

Von einem eigentlichen Polit-Gen in der Familie spricht Frederik Briner. Er habe sich mit 20 Jahren gefreut, endlich politisieren zu dürfen. Von 1958 bis 1976 war er Parteimitglied bei der SP. Vorbild war sein Grossvater, der im Kanton Luzern Schulpfleger, Gemeinderat und Grossrat war. Er habe den Arbeitern gesagt, dass man nur durch Solidarität soziale Verbesserungen erreichen könne. Briners Vater war bis zu seinem Tode in der SP Windisch. Frederik Briner sagt: «Mir war klar, dass man den Armen, Benachteiligten und Ausgebeuteten helfen muss. Das wollte ich gemäss meinem Gefühl für Gerechtigkeit.» Damals habe die SP diese Ziele überzeugend zu erreichen versucht, so der SVP-Grossratskandidat.

Während seiner Zeit als Hochseeskipper auf dem Mittelmeer war Frederik Briner politisch nicht mehr aktiv. In diesen 20 Jahren habe er quasi «vom Schiff aus die alarmierende Entwicklung in der Schweiz beobachtet». Am meisten habe ihn beunruhigt, dass die Einwohnerzahl ungebremst zunehme und zweierlei Recht gelte – für Ausländer und Schweizer. «Niemand will den kausalen Zusammenhang zwischen Staustunden und Masseneinwanderung sehen», so der Vater von drei erwachsenen Kindern. Auch hasse er es, mit EU-Vorhaben angelogen zu werden.

Dann hat Frederik Briner das SVP-Parteiprogramm gelesen und konnte sich mit vielen Zielen identifizieren. Briners Gründe, die SP nicht mehr zu wählen, sind, dass die Partei Forderungen aufstellt, ohne zu fragen, wer das bezahlen soll, und weil viele Exponenten mit ideologischen Schlagwörtern kämpfen statt «Vernunft und gesunden Menschenverstand» walten zu lassen.

Auch wenn ihn die heutigen SP-Rezepte nicht mehr überzeugen, will der 78-Jährige weiterhin für unverschuldete Arme und für tatsächlich Bedrohte einstehen. Sollte der älteste Kandidat im Bezirk Brugg den Sprung in den Grossen Rat für die SVP schaffen, will er sich solange in Aarau für die Region Brugg stark machen, wie es seine Gesundheit zulässt.