Fusion

Warum Birrhard zu Birr will

Birr, mit der Siedlung Wyde im Vordergrund

Birr, mit der Siedlung Wyde im Vordergrund

Am Freitag stimmen die Bürgerinnen und Bürger über den Zusammenschluss der beiden Eigenämter Gemeinden Birr und Birrhard ab. Auf 2016 soll es nur noch eine Gemeinde geben, und diese soll Birr heissen. Gemeindeammann Ursula Berger im Interview.

Weshalb dachten Sie an ein Zusammengehen mit Birr respektive Birrhard?

Ursula Berger: Die Anforderungen an die Gemeinden steigen. Besonders in Kleinen wird es immer schwieriger, die Verwaltung und die Behörden mit qualifizierten Personen zu besetzen. Stellvertretungen zu gewährleisten, ist schwierig. Bei kleinen Pensen ist zudem der hilfreiche Gedankenaustausch innerhalb einer Abteilung fast unmöglich. Tauchen Spezialfälle auf, gibt es die Möglichkeit, sich im Internet zu erkundigen oder bei kantonalen Stellen nachzufragen. So kommt man meistens auch ans Ziel. Es braucht aber viel mehr Zeit, und dies wiederum wirkt sich auf die Rechnung aus. Wir arbeiten schon in vielen Bereichen gut mit den Eigenämter Gemeinden zusammen, da viele Aufgaben regional gelöst werden müssen. Daher wäre eine Gemeinde Eigenamt eigentlich anzustreben, aber dafür ist die Zeit anscheinend noch nicht reif. Eine grössere Gemeinde hat in der Region und beim Kanton mehr Gewicht.

In welchen konkreten Bereichen wird sich ein Zusammenschluss positiv auswirken?

In Birrhard wird es einen Dienstleistungsausbau geben. Das Gemeindebüro wird die alltäglichen Bedürfnisse der Bevölkerung abdecken. Zusätzlich können etwa das Sozialamt oder der Schulsozialdienst in Anspruch genommen werden. In Birrhard behandeln wir zwar selten Sozialfälle, aber gerade deshalb wäre es von Vorteil, könnte man auf ein professionelles Amt mit Erfahrung zurückgreifen. Da die einzelnen Abteilungen grösser werden, können auch die Stellvertretungen besser gelöst werden. Der Steuerfuss kann gesenkt werden. Die neue Gemeinde Birr kann vom kantonalen Zusammenschlussbeitrag in der Höhe von mutmasslich 2,7 Millionen Franken und dem über 8 Jahre garantierten Finanzausgleich in der Höhe von jährlich 1,4 Millionen Franken profitieren. Diese neuen Zahlen basieren auf dem Budget 2013. Beim Finanzausgleich sind wir ursprünglich von jährlich 500 000 Franken ausgegangen.

Was erhoffen Sie sich persönlich von der neuen Gemeinde Birr?

Dass die neue Gemeinde Birr ein positiver Schritt in die Zukunft ist und ein Anstoss für eine Gemeinde Eigenamt sein könnte. Die meisten Aufgaben der Gemeinde sind schon heute regionale Aufgaben und müssen regional gelöst werden. Deshalb zähle ich weiterhin auf die gute Zusammenarbeit im Eigenamt. Gemeinsam erreichen wir, dass unsere Region - dazu gehören auch Lupfig und Scherz - in Zukunft gestärkt wird und sich kontrolliert entwickeln kann. Ich glaube, dass wir durch die neue Grösse mehr Gewicht in der Region, aber auch im Kanton haben.

Vor welchen grossen Herausforderungen steht die neue Gemeinde Birr?

Die Herausforderungen bleiben eigentlich die gleichen. Für mich wird die Umsetzung der Hightech-Strategie des Kantons sehr bedeutend sein. Wie kann man im Moment blockiertes Industrieland baureif machen? Welche Auswirkungen hat diese Strategie auf den prognostizierten Bevölkerungszuwachs? Wie wirken sich Bevölkerungszuwachs und Hightech-Strategie auf das Verkehrsaufkommen im öffentlichen, im Individual- und im Langsamverkehr aus? Wie können wir die Lebensqualität sichern? Dies sind mehrheitlich regionale Herausforderungen, welche die neue Gemeinde Birr zusammen mit der Region, das heisst mit den Eigenämter Gemeinden lösen muss. Die Finanzen werden auch künftig ein zentrales Thema sein. Dabei helfen die kantonalen Zusammenschlussbeiträge, der neuen Gemeinde einen guten Start zu sichern. Weiter werden uns all die Fragen rund um die Gesundheitskosten, das Alter und vieles mehr beschäftigen.

Wie schätzen Sie die derzeitige Stimmung der Bevölkerung im Hinblick auf den Zusammenschluss ein?

Man hört Befürworter, aber auch Gegner. Derzeit ist eine Prognose eher schwierig. Ich bin zuversichtlich, dass die Birrharder Stimmberechtigten aufgrund der Fakten einen Zusammenschluss als positiven Schritt in die Zukunft erkennen. Beide Gemeinden könnten von einem Zusammenschluss profitieren - eine sogenannte «Win-win-Situation». Ich hoffe auf viele Stimmberechtigte an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung vom 8. März und somit bei einer Urnenabstimmung vom 9. Juni 2013. Die Zukunft von Birrhard soll nicht durch einen Zufallsentscheid bestimmt werden. Echte Demokratie ist gefragt.

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