Busunglück

War der Bus zu schnell unterwegs? Es gab schon Beschwerde wegen Fahrstil

Der Bus knallte frontal in den Hang.

Der Bus knallte frontal in den Hang.

Weshalb verunglückte der Schweizer Reisecar in Norwegen auf schnurgerader Strecke? War der Buschauffeur etwa mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs? Gemäss einem NZZ-Leser war dies zumindest bei seiner kürzlichen Reise der Fall.

Die Ermittlungen zur Unfallursache des Busdramas in Norwegen laufen auf Hochtouren. Alles dreht sich um die Frage: Weshalb kam der Bus auf der geraden, neugeteerten Strasse von der Fahrbahn ab? 

War er wohlmöglich zu schnell unterwegs? Ein Leser der «Neuen Zürcher Zeitung» befeuert jedenfalls diese Vermutung.

Er teilte der Zeitung mit, dass er sich im Nachgang zu seiner Norwegen-Reise mit identischen Route bei Eurobus über die Fahrweise des Carchauffeurs schriftlich beschwert habe. Dieser sei seiner Ansicht zu schnell gefahren. 

Eurobus bestätigt auf Anfrage den Eingang einer entsprechenden Beschwerde: «Die Rückmeldungen von Passagieren zu den Reisen werden immer eingeholt und von Eurobus sehr ernst genommen. Der damalige Chauffeur wurde aufgrund der Rückmeldung von seinen Vorgesetzten damit konfrontiert und für ein Gespräch aufgeboten», so Geschäftsführer Andreas Meier.

Und: «Bei diesem Fahrer handelt es sich nicht um den Chauffeur des Unglück-Buses.»

Eurobus selber hatte noch keine Möglichkeit mit dem schwerverletzten Chauffeur zu reden. Er befindet sich als einziger noch in Norwegen. 

Am Mittwoch wurde der Car-Fahrer von der norwegischen Polizei wegen «unachtsamen Fahrens angeklagt». Dies sei das Standardvorgehen bei laufenden Ermittlungen und erlaube es dem Beschuldigten einen Anwalt zu nehmen, so die norwegische Polizei.

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Alle Passagiere zurück

Derweil sind alle beim Unglück beteiligten Personen mit dem Rega- und dem TCS-Jet in die Schweiz transportiert worden. «Die beiden Flugzeuge landeten am Mittwochabend zwischen 21.30 und 23 Uhr auf dem Flughafen Zürich-Kloten», wie Philip Zumstein von der Rega bestätigt. 

Zumstein: «Sechs Personen wurden mit dem Rega-Jet, drei Personen mit dem TCS-Flugzeug transportiert.» Einige, leichtverletzte Personen konnten nach Hause zurückkehren, einige wurden direkt ins Spital gebracht.

Drei weiteren Verletzten wollte man die rund dreieinhalbstündige Busfahrt nach Trondheim ersparen, weshalb sie am Nachmittag von Namsos aus zunächst mit einem Kleinflug und dann mit einer Linienmaschine in die Schweiz zurückkehren sollten, wie der Spitalsprecher sagte.

Wann der schwerverletzte Chauffeur des Unglück-Cars zurücktransportiert werden kann, ist noch nicht zu sagen. «Grundsätzlich ist die medizinische Versorgung in Norwegen sehr gut, es gibt also von dieser Seite keine Dringlichkeit. Vielmehr hänge die Entscheidung davon ab, was der Patient selber wünscht.», so Zumstein. 

Rega-Mitgliedschaft sekundär

Dass nicht alle der verletzten Passagiere Rega- beziehungsweise TCS-Mitglied seien, sei zu dieser Zeit sekundär. «Wir handeln nach dem Rotkreuz-Prinzip, wonach zu allererst die Rettung der Verletzten im Zentrum stehen.» Es gebe auch soziale Gründe, welche einen Transport rechtfertigen. Und ausserdem seien Schweizer und Schweizerinnen mit der obligatorischen Krankenversicherung zu einem wesentlichen Teil abgesichert. Für die Behebung des Fehlbetrags gebe es bei der Rega durchaus gewissen Spielraum und müsse mit den Beteiligten wie beispielsweise dem Reiseunternehme zu einem späteren Zeitpunkt geklärt werden. (rhe)

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