Was als Gerücht in Brugg kursierte, dementierte Michael Walser im Juni noch heftig. Doch jetzt ist es offiziell: Der 40-Jährige schliesst sein Sportfachgeschäft im Neumarkt 2 per Ende Januar 2018. Seine Stammkunden informierte er bereits vor einer Woche. «Es geht nicht mehr», sagt Michael Walser an einer Medienorientierung. Dies liege aber nicht allein am Brugger Neumarkt respektive am schwierigen Standort im Untergeschoss, sondern generell an den Veränderungen im regionalen Detailhandel. Die Stichworte lauten Online-Shop, Einkaufen im Ausland sowie abnehmende Kundenloyalität.

Dazu kommen für Walser die branchenspezifischen Herausforderungen im Sportfachhandel. «Der Kunde will eine grosse Auswahl, wir müssen unser Sortiment ein Jahr im Voraus einkaufen, wissen aber beispielsweise nicht, ob es wettermässig ein guter Winter wird», sagt Walser. Dies alles könne zu einem Desaster führen und erlaube ihm keine fixe Planung mehr.

Kunden-Events und Skitests

Auf einer Fläche von 90 m2 eröffnete Walser Sport 1999 das erste Geschäft an der Fröhlichstrasse in Brugg. In den Bereichen Ski, Running, Badminton, Outdoor und Fussball entwickelte es sich zu einer bekannten Grösse. Auch die Ski- und Snowboardvermietung war für Walser ein Kerngeschäft.

Heute umfasst das Ladenlokal im Neumarkt nach dem grossen Umbau 2011/12 eine Fläche von 600 m2. In der 18-jährigen Geschichte von Walser Sport wurden 18 Lernende im Detailhandel ausgebildet, unzählige Kunden-Events durchgeführt, unter anderem auch jedes Jahr ein Skitest in Sölden.

Der Inhaber schwärmt: «Wintersport und Badminton sind meine grosse Leidenschaft.» Bei den Brugger Sportvereinen ist Michael Walser gut vernetzt und trat regelmässig auch als Sponsor – beispielsweise beim FC Brugg – in Erscheinung.

Hat andere Standorte geprüft

Während acht Jahren war er zudem im Vorstand der Neumarkt-Mietervereinigung in Brugg, davon sechs Jahre als deren Präsident. Michael Walser räumt ein, dass sich die Investition in die Ladenvergrösserung beim Umbau vor fünf Jahren nicht gelohnt hat, weil die gestiegenen Betriebskosten in einem schlechten Verhältnis zu den Einnahmen stehen.

Der Entscheid, den Laden zu schliessen, fällt Michael Walser nicht leicht. So habe er auch andere Standorte in der Region Brugg-Windisch in Betracht gezogen und von der Vermieterin im Neumarkt ein faires Angebot für eine Mietzinsreduktion bekommen. «Für mich ist der Zeitpunkt jetzt aber ideal, weil der Mietvertrag im Neumarkt ausläuft. Ich will nicht nochmals einen 10-Jahres-Vertrag unterschreiben», betont Walser. Ein weiterer Pluspunkt sei, dass er den Räumungsverkauf zum Wintersaison-Auftakt durchführen kann.

Für die drei Lernenden im Betrieb konnte Michael Walser Übernahmen durch andere Sportgeschäfte vereinbaren. Die zwei Fest- und drei Teilzeitangestellten verlieren mit der Ladenschliessung ihre Stelle. Und wie geht es mit dem Geschäftsführer weiter? «Ich bin jetzt 40 Jahre alt und habe noch nicht viel Erfahrung mit einem Chef über mir», sagt Michael Walser und lacht. Mit einem neuen Job wolle er sich Zeit lassen, wichtiger sei, zuerst den Abschluss gut zu meistern. «Mit meinem eigenen Geschäft ging ich ein grosses Risiko ein, aber ich habe viel gelernt. Es war mein Traumjob», betont er. Denkbar wäre allenfalls eine Anstellung bei einem Lieferanten.

Der Geschäftsführer will ab morgen Donnerstag das komplette Waren- und Mietlager – darunter 700 Paar Kinderski – zu vergünstigten Konditionen verkaufen. Mit Walser Sport schliesst in Brugg ein weiteres inhabergeführtes Fachgeschäft. Als Franchisenehmer war Michael Walser einer von 200 Einzelkämpfern in der Schweiz unter dem Dach von Intersport.