Referendum

Wald erregt die Gemüter der Ortsbürger auf dem Bözberg

© Claudia Meier

An der Urne fällt der Entscheid über den Forstbetriebsanschluss an Brugg oder Homberg-Schenkenberg. Gegen den Anschluss an Brugg wurde das Referendum ergriffen. Profitdenken und Mitspracherecht, beschäftigen den ehemaligen Ammann Hannes Keller.

Der Gemeinderat der Fusionsgemeinde Bözberg möchte für die Bewirtschaftung des Walds – statt wie bisher zwei – künftig eine einheitliche Lösung. Geprüft wurde der Anschluss des Forstbetriebs Bözberg an den Forstbetrieb Homberg-Schenkenberg und an den Forstbetrieb Brugg (die az berichtete). Die Konzepte der beiden Kandidaten seien schwierig zu vergleichen, räumte der Gemeinderat in seiner Stellungnahme ein. Zur Diskussion standen die Kopf-Betriebsvariante beim Forstbetrieb Homberg-Schenkenberg sowie eine Lösung mit einer Forstverwaltung beim Brugger Vorschlag. «Der Aufwand für die Behörden und die Verwaltung wird mit der Kopf-Betriebsvariante massiv geringer ausfallen», lautete ein Hauptargument der Exekutive zugunsten des Forstbetriebs Homberg-Schenkenberg.

An der ausserordentlichen Ortsbürgerversammlung am 20. September dieses Jahres folgte die Mehrheit der anwesenden Ortsbürger aber nicht etwa dem Antrag des Gemeinderats, sondern sprach sich für den Antrag von Hannes Keller aus, wonach sich der Forstbetrieb Bözberg dem Brugger Betrieb anschliessen soll. Der Entscheid fiel mit 29 zu 22 Stimmen für Brugg. Dagegen wurde das Referendum ergriffen und von 40 Ortsbürgern unterzeichnet. Am 24. November wird nun an der Urne entschieden, welchem Partner sich der Forstbetrieb Bözberg ab 2014 anschliessen wird.

Sorge um Mitspracherecht

Hannes Keller, ehemaliger Ammann der Gemeinde Unterbözberg, brachte den Antrag des Gemeinderats an der letzten Versammlung zum Kippen. Keller sorgt sich um die Qualität des Walds und das abnehmende Mitspracherecht, sollte sich der Forstbetrieb dem Partner Homberg-Schenkenberg anschliessen.

«Mir ist es ein grosses Anliegen, den Wald in einem optimalen Zustand an die nächste Generation weiterzugeben», so Keller. «Der Bözberg ist eine Naturlandschaft, zu der wir Sorge haben müssen.» In einem Schreiben an alle Ortsbürger stellt Keller im Hinblick auf die Referendumsabstimmung und angesichts der tiefen Holzpreise die Frage, ob es sinnvoll sei, mit dem Wald möglichst viel Gewinn zu erzielen, oder ob nur die dringend notwendige Nutzung und Pflege ausgeführt werden sollen.

Keller sagt, dass beim Anschluss an Homberg-Schenkenberg, die Einflussmöglichkeiten der Gemeinde praktisch verloren gehen. Für einen Anschluss an Brugg spreche, dass die Stadt Brugg mit 160 Hektaren Wald schon heute der grösste Waldbesitzer auf dem Bözberg sei. Auch würden bei einem Anschluss an Brugg die Verwaltungskosten reduziert. Der Gemeinderat hätte bei der zu gründenden Forstkommission «eine grössere Einflussnahme» als bei Homberg-Schenkenberg.

«Glaubensfrage» oder nicht?

In seinen Erläuterungen zur Urnenabstimmung spricht der Gemeinderat beim Vergleich der beiden Systeme von einer «Glaubensfrage». Keller hält dem entgegen, es gehe um die Art der Bewirtschaftung und die Mitsprache. Der engagierte Ortsbürger hat sich beide zur Diskussion stehenden Forstbetriebe vor Ort genau erklären lassen und ist überzeugt, dass Brugg für die Bözberger die bessere Lösung ist.

Linn nicht wieder benachteiligen

Der Linner Wald wird seit Jahrzehnten durch den Forstbetrieb Homberg-Schenkenberg von Zeihen aus bewirtschaftet. Das Referendumskomitee stellt deshalb in seinem Argumentarium in Anspielung auf den Adress-Knatsch die Frage: «Wollen wir, dass die Linner erneut die Macht der anderen Bözberger spüren?» Dem hält Keller entgegen, dass sich die Hälfte der Ortsbürger aus dem Ortsteil Linn für Brugg entschieden habe.

Keller bedauert, dass der Gemeinderat mit Fachpersonen nicht auch noch weitere Varianten in Betracht gezogen hat. Denn: Der Linner Wald sei vollkommen von Zeiher Wald umgeben und da könnte die Bewirtschaftung durch den Forstbetrieb Homberg-Schenkenberg Sinn machen, aber für die restlichen Waldgebiete biete die Anbindung an Brugg eindeutig mehr Vorteile, so Keller.

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