Mit der Wahl von Barbara Horlacher (46, Grüne), als erste Frau Stadtammann in der Geschichte von Brugg, ist die FDP in eine schwierige Situation geraten. Kandidat Titus Meier machte im Vorfeld deutlich, dass er aus beruflichen Gründen nur das Stadtammann-Vollamt und nicht das Nebenamt als Stadtrat akzeptieren würde. Der 36-jährige Historiker arbeitet als Lehrer in einem 60-Prozent-Pensum an der Bezirksschule Brugg und ist somit bei der Gemeinde angestellt, was sich laut Kanton rechtlich nicht mit dem Stadtratsamt vereinbaren lässt.

Der frisch gewählte Brugger Stadtrat Titus Meier bleibt nicht in der Exekutive

«Als Familienvater kann ich nicht einfach auf mein Einkommen als Lehrer verzichten»

So erklärte Titus Meier sein Dilemma nach seiner Nichtwahl am 26. November 2017.

FDP könnte zweiten Sitz verlieren

Daneben ist der Vater einer Tochter auch Einwohnerrat und Grossrat. Die FDP hätte es nach der Wahlschlappe gerne gesehen, wenn Meier sich beruflich neu orientiert hätte und für die Partei den zweiten Sitz (neben Stadtrat Reto Wettstein) in der Exekutive gesichert hätte. Doch jetzt kommt es zu einer Ersatzwahl im März. 

Für diesen Entscheid hat sich Titus Meier über eine Woche Zeit genommen. "Es gibt leichte und schwere Entscheidungen und nach dem letzten Wahlsonntag stand ich vor einer, die unzweifelhaft in die letzte Kategorie fällt", teilt er am Montagabend mit.

Grossrat und Einwohnerrat

Am Wahlsonntag sei er von verschiedenen Personen aus unterschiedlichen politischen Lagern gebeten worden, seinen Entscheid noch einmal zu überdenken. Nach sorgfältigem Abwägen sagt Titus Meier nun: "Ich bin zum Schluss gekommen, dass ich aus Rücksicht auf meine Familie als Stadtrat demissioniere." Wer ihn kenne, wisse, dass ihm der Entscheid alles andere als leicht gefallen ist.

Als „Animal politique“ interessiere er sich für die Aufgaben und Herausforderungen der Politik. "Ich habe in meinem bisherigen aktiven politischen Wirken unzählige Stunden für das Gemeinwesen eingesetzt", so Meier. Er habe dies immer gern getan und werde dies auch weiterhin gerne tun, allerdings im Moment nicht in der Exekutive der Stadt Brugg. "Es gibt Augenblicke im Leben, da müssen die Prioritäten zu Gunsten der Familie gefällt werden." Titus Meier will sich weiterhin als Einwohnerrat und Grossrat für die Stadt und die Region Brugg einsetzen.

Kampfwahl im März

Für die Ersatzwahl im März 2018 haben schon mehrere Parteien eine Kandidatur in Aussicht gestellt. Es ist also mit einer Kampfwahl und vielleicht einem zweiten Wahlgang zu rechnen, bis der Brugger Stadtrat für die neue Amtsperiode komplett ist.