Brugg/Villnachern

Wachteleier-Skandal ärgert den grössten Aargauer Produzenten

Beat Buchle aus Villnachern beliefert den Bio-Laden Buono in der Brugger Altstadt dreimal wöchentlich mit frischen Wachteleiern. CM

Beat Buchle aus Villnachern beliefert den Bio-Laden Buono in der Brugger Altstadt dreimal wöchentlich mit frischen Wachteleiern. CM

Beat Buchle kennt die Tücken der Wachteleier-Produktion und setzt auf Bio. Zum Thurgauer Wachteleier-Skandal hat er eine klare Meinung.

Vor wenigen Tagen deckte die SRF-Sendung «Kassensturz» auf, dass der grösste Schweizer Wachteleier-Produzent aus dem Kanton Thurgau seine Kunden jahrelang getäuscht hatte. Importeier aus Spanien verkaufte er als Schweizer Eier. Betroffen sind Kunden von Migros, Coop und anderen Detailhändlern. Zudem waren unter den angeblichen Schweizer Eiern «aus Bodenhaltung» vermutlich auch solche aus Käfighaltung.

«Diese Geschichte ist ein Skandal. So etwas darf nicht passieren», sagt Beat Buchle aus Villnachern, der seit sieben Jahren Wachteln hält. Mit 35 000 Eiern pro Jahr ist er der grösste Produzent im Kanton Aargau. Hobbymässig hält er rund 400 Japanwachteln und verkauft deren Eier. Als Kleinproduzent beliefert er den Buono Biofachhandel in Brugg, die Zentrum Metzg in Windisch, die Wernli Metzg in Birr, den Biolade Bade sowie die Wirtschaft Schiess in Cham, die sein Bruder führt.

Mit Abstand am meisten Wachteleier verkauft Beat Buchle aber direkt ab Hof in Villnachern. Dort haben die Kunden zum Beispiel am Samstag, wenn er mistet, auch die Gelegenheit zu sehen, wie er die Vögel hält. Die Wachteln können frei herumlaufen und seien sehr sensibel, fährt Buchle fort. «Geht es ihnen nicht gut, so legen sie auch weniger Eier.» Im Normalfall legen Wachteln aber häufiger Eier als Hühner – zirka alle 17 Stunden und dort, wo es ihnen gerade passt. Das Zusammensammeln der Eier ist dementsprechend arbeitsintensiv.

Schwierige Suche nach Bruteiern

Wer mehr als 50 Tiere hält, braucht eine Bewilligung vom Kanton. Dieser kontrolliert den Stall dann auch regelmässig. Theoretisch dürfte Buchle 650 Wachteln halten. Doch eine Zunahme des Bestands um jeden Preis ist nichts für Buchle, der die Tiere als einziger in der Schweiz ausschliesslich mit Bio-Nahrung füttert.

Eine besondere Herausforderung stellt für ihn der Kauf von Bruteiern dar: «Leider gibt es in der Schweiz fast keine Bruteier. Trotzdem besorge ich mir diese dann nicht in Deutschland oder Frankreich, sondern setze auf Schweizer Lieferanten. Ich will nämlich auf keinen Fall Eier aus Batteriehaltung.»

Die meisten Wachteln in Buchles Laufstall sind zwischen zehn Wochen und drei Jahre alt. Einige Vögel sind auch deutlich älter, legen aber keine Eier mehr. Buchle sagt, dass er sich schon lange gewundert habe, wie der grösste Produzent aus dem Kanton Thurgau die steigende Nachfrage der verschiedenen Grossverteiler nach Wachteleiern mit Schweizer Produkten abdecken kann.

Geschäftsleiter Christian Meier vom Buono-Laden in Brugg hat Buchles Wachteleier-Produktion von Anfang mitunterstützt. «Wir verkaufen seine Ware aus persönlicher Überzeugung», betont Meier. Dreimal pro Woche fährt Buchle beim Buono vor und liefert die in Schachteln verpackten Wachteleier ab. «Da seine 400 Wachteln nur etwas über 100 Eier pro Tag produzieren und er ganz wenige Abverkaufskanäle hat, ist er bei uns als lokaler Kleinproduzent gefragt», fährt Christian Meier fort.

In der Brugger Migros hingegen ist das Regal mit den Wachteleiern nach dem Warenrückzug am letzten Montag nach wie vor leer. Eine Gefährdung der Gesundheit bestand nicht. Die Eier sind beim Grossverteiler laut Medienstelle bis auf weiteres nicht mehr erhältlich.

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