Noch liegt das Kamel mit der Sockenzunge schlaff in der Ecke; auch der Stechpalmenmann und der Strohmann ruhen sich in der Thalner Garage aus. Doch am Nachmittag des 2. Januar – dem Bärzelistag – werden die Gestalten zum Leben erweckt. Dann ziehen die stachligen und kratzigen Figuren lärmend von Haus zu Haus und wünschen ein frohes neues Jahr. Dieser Umzug ist ein alter Brauch namens Bärzeli, den man aus dem Seetal kennt. Doch auch in Thalheim ist der Bärzeli seit vielen Jahren Tradition, wie Roger Michel (28), einer der zwölf Initianten oder Bärzelibuben, bestätigt: «Wir wissen, dass ihn der Turnverein schon vor 30 Jahren praktizierte.» Allerdings war der Brauch dann für längere Zeit eingeschlafen. Bis ihn Roger Michel und andere junge Männer vor vier Jahren wieder zum Leben erweckten: «Wir fanden, dass das eine gute Sache ist.»

Allerdings ist der Bärzeli mit viel Aufwand verbunden und wird deshalb nur jedes zweite Jahr durchgeführt, so Initiant Felix Schneider (25): «Es braucht Tage, bis die Kostüme fertig sind.» Auch müssen viele davon jedes Mal neu gemacht werden. So etwa die Figuren aus frischen Tann- oder Stechpalmenästen.

Auch hinter dem Spielkartenmann steckt viel Arbeit. «Es dauert drei Tage, um 1500 Jasskarten auf das Kostüm zu nähen», so Schneider. Trotzdem sei es der Mühe wert, findet Bärzelibub Simon Wernli (22): «Die Bevölkerung freut sich und bewirtet uns gerne.» Doch freuen sich die Thalner wirklich über eine herzhafte Umarmung des Stechpalmenmannes? Roger Michel antwortet schmunzelnd: «Ein bisschen frech sind wir halt, und wir umarmen ja nicht jeden.»

Strohmann hat den härtesten Job

Doch auch die Bärzelibuben müssen einiges aushalten: «Hinsetzen können wir uns mit vielen Kostümen nicht und auch mit dem Gang zur Toilette ist es so eine Sache.» Den härtesten Job habe aber der dicke Strohmann, der ein mit Stroh gestopftes Jutekostüm trage. Doch die Bärzelibuben sind da gnädig: «Wenn er zu müde wird, darf er auf einen Leiterwagen sitzen», so Roger Michel.