Brugg

Vorräte sind bald erschöpft: Kies aus der Region ist gefragt

Weil die Kiesreserven bald erschöpft sind, will Holcim das Abbaugebiet erweitern.

Weil die Kiesreserven bald erschöpft sind, will Holcim das Abbaugebiet erweitern.

Derzeit liegt in Mülligen und Lupfig das Baugesuch auf der Holcim für die Erweiterung des Abbaugebiets.

Der Weg war mitunter steinig: Nach umfangreichen Abklärungen und langwierigen Verhandlungen will die Holcim Kies und Beton AG nun vorwärts machen mit der Erweiterung des Kiesabbaus in Mülligen und Lupfig. Denn die bestehenden Vorräte im heutigen Gebiet «Eichrüteli» sind bald erschöpft.

Geplant ist die Erweiterung auf dem rund 22 Hektaren grossen Areal «Lindenacher-Ost» zwischen Autobahn und Flugplatz Birrfeld. Rund 5,4 Mio. Kubikmeter Kies sollen insgesamt abgebaut werden während voraussichtlich 15 Jahren – etwa 365000 Kubikmeter pro Jahr.

Stimmvolk machte sich für höhere Entschädigung stark

In Mülligen wies die Gemeindeversammlung im November 2018 die notwendige Teiländerung der Nutzungsplanung zurück. Der Gemeinderat erhielt den Auftrag, bessere Bedingungen auszuhandeln, namentlich eine angemessene – sprich: höhere – Entschädigung für die mit dem Kiesabbau verbundenen Unannehmlichkeiten wie Staub, Lärm, Verkehr oder Beeinträchtigung der Landschaft. Nach intensiven Diskussionen sind sich die gemeinderätliche Arbeitsgruppe sowie die Holcim einig geworden. Im vergangenen Juni gaben die Stimmberechtigten schliesslich klar grünes Licht.

Mit der Erweiterung könne der Betrieb des Kieswerks und die Versorgung der Region sichergestellt werden, erklärt Ingo Steinberger, Verantwortlicher Rohstoffsicherung Nordwestschweiz bei Holcim Kies und Beton AG. «Holcim betreibt das Kieswerk Mülligen seit den Sechzigerjahren. Der hier abgebaute Kies ist gefragt und wird vorwiegend für Projekte in der Region eingesetzt.» Eine Herausforderung bei der Planung sei gewesen, die Bedürfnisse aller Beteiligten in Einklang zu bringen, blickt Ingo Steinberger zurück. «Ein wichtiger Diskussionspunkt war etwa die Verkehrsführung.» Zusammen mit dem Gemeinderat Mülligen und der Verkehrskommission sei es aber gelungen, südlich der Autobahn A3 eine neue Verkehrsführung zu konzipieren. «Damit wird das Dorf entlastet und die Sicherheit für Fussgänger und Velofahrer verbessert.»

Ein besonderes Augenmerk richten will die Holcim auch auf den Naturschutz. «So haben wir beispielsweise ein Konzept erarbeitet, das die ökologische Vielfalt während und nach dem Kiesabbau verbessert – etwa, indem wir Lebensräume für die seltene Kreuzkröte und andere Amphibien naturnah nachbilden», führt Steinberger aus. Der Kiesabbau, ist sich Steinberger bewusst, bedeute immer einen Eingriff in die Umwelt und könne die Bevölkerung verunsichern. «Daher haben wir seit 2015 den direkten Austausch mit allen Beteiligten gesucht und gemeinsam Lösungen gefunden», hält er fest.

Im Idealfall beginnt die Bodenabdeckung im Herbst

Steinberger ist überzeugt: «Das Resultat ist ein solides Projekt, das die verschiedenen Auflagen und Bedürfnisse berücksichtigt.» Die Bevölkerung, macht er ein Beispiel, werde eine graduelle Reduktion des Verkehrs durch den Ort spüren. Und die neue Förderbandanlage unter der Autobahn hindurch werde die Lärm- und Staubbelastung für die Bevölkerung gegenüber heute deutlich verringern, da der Abbau sehr weit vom Ort entfernt sei.

Das Baugesuch für die Erweiterung des Abbaugebiets liegt noch bis zum 2. Juni auf den Gemeindekanzleien Mülligen und Lupfig auf und wird gleichzeitig durch den Kanton geprüft. «Wir hoffen», so Steinberger, «die Abbaubewilligung in den nächsten Monaten zu erhalten und im Herbst mit der Bodenabdeckung im ‹Lindenacher-Ost› beginnen zu können.»

Autor

Michael Hunziker

Michael Hunziker

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