Flinke Hände packen einige Stechpalmenäste. Mit einer Rebschere werden diese auf die gleiche Länge geschnitten, bevor sie auf einem Tisch landen. Dort werden die stacheligen Äste von zwei weiteren Händen in der richtigen Position fixiert und die Finger einer anderen Hand binden sie einzeln an die schon daliegenden Äste – bis ein kleines Büschel entsteht. Die Hände wickeln noch einmal Schnur um das Büschel, damit es ja nicht auseinanderfällt, wenn es am Weissen Sonntag mit dem Winter zusammenprallt.

Nachdem das Büschel in einer Tonne gelandet ist, wird es wieder herausgezogen und neue Hände nähen es unten an die Hosen, die Noah Schmid, Mitglied des Turnvereins Effingen, trägt. Er steht auf einem alten Pult in der Garage neben dem Gemeindehaus und langsam, aber sicher wird seine Hose immer grüner und stachliger, bis sie vollständig mit den grünen Büscheln versehen ist.

Dann springt der junge Mann vom Pult und die Stechpalmen rauschen. Zwei andere Turner packen die schon fertige Jacke des «Stechpälmers» und ziehen sie Noah über. Es reicht noch nicht ganz. Er muss wieder aufs Pult hochsteigen, und noch ein paar Büschel Stechpalmenäste mehr kommen an die Hose.

Eierleset-Vorbereitungen in Effingen

Eierleset-Vorbereitungen in Effingen

Treffen zum «Nähen»

«Seit Ende Januar treffen wir uns regelmässig zum Nähen», sagt Lukas Schütz. Er ist der Masken-Chef der Eierleset in Effingen. Damit ist er verantwortlich, dass alle Masken und Kostüme – egal ob grün oder dürr – rechtzeitig fertig werden. «Die jüngsten sind etwa 16 Jahre alt. Gegen oben gibt es keine Grenzen. Dieses Jahr waren die ältesten, die regelmässig gekommen sind, um die 40», erklärt Schütz weiter.

15 Mal haben sie sich schon getroffen und an diesem trüben schon fast winterlichen Dienstagabend sind alle Kostüme bereit: «Angefangen haben wir mit dem ‹Hobelspänler› und den anderen dürren Masken, die für den Winter stehen. Die grünen Kostüme, wie den ‹Tannästler› und den ‹Stechpälmer›, können wir nicht so lange im Voraus machen», sagt der Masken-Chef.

Rollenverteilung am Freitag

Zu jedem «Nähen» – wie Schütz und die anderen ihre Arbeit nennen – sind jedes Mal zwischen 10 und 15 Menschen aus der Turnerfamilie Effingen gekommen. «Es ist schön, dass auch dieses Jahr wieder neue und junge Köpfe dazugekommen sind und helfen», sagt Ivo Schwarz, der für die Kasse der Eierleset verantwortlich ist.

Schwarz, der schon an sieben Eierleseten aktiv dabei war, freut sich, dass das Brauchtum weiter lebt, trotz der vielen Vorbereitungszeit und Arbeit, die die unzähligen Helfer leisten müssen.

«Geheul ist unbeschreiblich»

Die Organisatoren sorgen mit ihren Regeln dafür, dass die Helfenden regelmässig zum «Nähen» erscheinen: Zum einen kommt der Spass neben der Arbeit nicht zu kurz – auf einem Tisch läuft ein Eishockey-Match – und es wird auch nicht jede Hand ständig gebraucht: Entsprechend bleibt Platz zum Lachen und Reden.

Zum anderen führt das OK genau Buch, wer wann anwesend war. «Die Rollen – ausser der ‹Läufer› und der ‹Riiter› – werden am Freitag vor der Eierleset verteilt. Wer mehr mitgeholfen hat, darf sich die Rolle vor den anderen aussuchen. Wenn es knapp wird, nehmen wir auch noch die Trainingsstunden im Turnverein dazu», sagt Schütz.

Bei allen, die mithelfen, ist die Vorfreude auf die Eierleset gross: «Ich freue mich besonders auf den Moment, wenn wir in den Masken sind und die Leute an der Dorfstrasse warten. Das erste Geheul in den Kostümen ist fast unbeschreiblich», sagt Christian Schütz, der fleissig Stechpalmen-Äste zusammenbindet.

Obwohl die Masken und Kostüme nun fertig sind, gehen die Vorbereitungen weiter: «Wir müssen noch die Kränze für die Dorfeingänge machen, die Bäume für die Kanzel im Wald holen, die Schweinsblase vorbereiten und und und… Es sind noch viele kleinere Sachen zu erledigen», erklärt Schütz.