Brugg
Vor 100 Jahren: Aus Trotz baute Umiken das Schulhaus im Westen

Vor genau 100 Jahren lehnten die Einwohner und Ortsbürger von Umiken die Fusion mit der Nachbargemeinde klar ab.

Titus J. Meier*
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1913 sprachen sich die Brugger gegen einen Zusammenschluss mit Umiken aus – Aufnahme mit dem neuen Schulhaus um 1923. zvg

1913 sprachen sich die Brugger gegen einen Zusammenschluss mit Umiken aus – Aufnahme mit dem neuen Schulhaus um 1923. zvg

Anfang des 20. Jahrhunderts florierte die Brugger Industrie. Zahlreiche Arbeiter aus der ganzen Schweiz zogen in die Gegend und liessen sich unter anderem in Umiken nieder. Dadurch halbierte sich innert wenigen Jahren der Anteil der Ortsbürger an der Gesamtbevölkerung.

Die Zuwanderung veränderte nicht nur die Zusammensetzung der Bevölkerung, sondern belastete auch den Gemeindehaushalt stark.

Namentlich die Verhältnisse in der Schule waren den kantonalen Behörden ein Dorn im Auge – wurden doch im alten Schulhaus von einem Lehrer 60 Kinder unterrichtet.

Statt die knappen Gemeindefinanzen durch einen Schulhausbau zusätzlich zu belasten, wollte man die Schüler nach Brugg in die Schule schicken.

Eine Mehrheit der Umiker Einwohner erteilte am 15. Mai 1913 dem Gemeinderat den Auftrag, mit der Stadt Brugg über eine Fusion zu verhandeln.

Gegen den Widerstand der Umiker Ortsbürger arbeitete eine Kommission einen Bericht und eine Eingabe an den Regierungsrat aus.

Der Zeitpunkt für eine Fusion wurde insgesamt als günstig erachtet, weil Umiken noch in «guten und geordneten Verhältnissen stehe» und unter den «heutigen Verhältnissen der Gemeinde Brugg keine wesentlichen Lasten bringen würde».

Früher oder später

Der Stadtrat wollte eine umfassende Auslegeordnung und verlangte zusätzlich Einsicht in die Gemeinderechnungen, «um über die wirkliche Lage der Gemeinde einigermassen orientiert zu sein».

Nach Prüfung aller Unterlagen konnte sich der Stadtrat den Umiker Schlussfolgerungen nicht anschliessen, da namentlich für die Ortsbürger die Nachteile überwogen hätten.

Entweder wäre die Holzabgabe an die Bürger reduziert worden, oder es hätte zusätzlich Holz eingekauft werden müssen. Einzig Stadtrat Grob sprach sich für die Fusion aus, da eine «Verschmelzung früher oder später kommen werde». Am dezidiertesten gegen eine Verschmelzung sprach sich Stadtammann und Grossrat Hans Siegrist aus.

Obwohl die endgültige Entscheidung beim Regierungsrat und beim Grossen Rat lag, wurde die Frage am 14. November 1913 auch der Einwohner- und der Ortsbürgergemeindeversammlung vorgelegt.

Ein Befürworter meinte, der Zeitpunkt für eine Verschmelzung sei günstig, weil in Umiken über kurz oder lang ein Schulhaus gebaut werden müsse und es wichtig sei, dass die Stadt auf dessen Lage Einfluss nehmen könne.

Ein anderer las das Votum von Hans Siegrist vor, das dieser ein Jahr zuvor im Grossen Rat für die zwangsweise Verschmelzung von Anglikon mit Wohlen gehalten hatte und folgerte daraus, dass man nicht dagegen sein dürfe. Nach lebhafter Diskussion sprachen sich sowohl die Brugger Einwohner- als auch Ortsbürger klar gegen eine Fusion aus.

Der Ball lag nun beim Kanton. Dieser scheute jedoch die Diskussion und bot im November 1915 den beiden Gemeinden an, die Verschmelzungsfrage fallen zu lassen, wenn Brugg im Gegenzug einige Umiker Schüler aufnehmen würde. Davon wollten jedoch die Umiker nichts wissen.

Nicht gegen den Willen der Bürger

Im Februar 1919 kam das Anliegen erneut vor die Gemeindeversammlung Brugg, welche dieses Mal zustimmte. Die Ortsbürger blieben jedoch bei ihrer ablehnenden Haltung, worauf in Umiken ein Wiedererwägungsantrag gestellt wurde. Im November 1920 sprachen sich auch die Umiker Einwohner gegen eine Verschmelzung aus, worauf Brugg nachzog.

Am 22. März 1921 beschloss der Grosse Rat, nicht auf das Geschäft einzutreten, da man inzwischen davon abgekommen war, Gemeinden gegen den Willen ihrer Bürger zu verschmelzen. Damit endete der erste Anlauf und aus Trotz baute Umiken das Schulhaus ganz im Westen der Gemeinde.

*Titus J. Meier ist Historiker und lebt in Brugg.