Brugg-Windisch
Von wegen tote Sprache: Latein lebt

Der 5. Schweizerische Lateintag im Fachhochschul-Campus stösst auf grosses Interesse.

Louis Probst
Merken
Drucken
Teilen
Um was geht es bei dieser szenischen Darbietung durch die Bezirksschule Entfelden? Lösung: Hannibal. lp

Um was geht es bei dieser szenischen Darbietung durch die Bezirksschule Entfelden? Lösung: Hannibal. lp

«Wo gönd Ehr ane? Wänd mer nid zu de Römische Klangwärkstatt?» Die jungen Frauen vor dem Plakat mit den Kursangeboten des Lateintags haben offensichtlich die Qual der Wahl. Allerdings hat es das Angebot in sich. «Durch alle Zeiten im Gespräch», steht als Thema über dem 5. Schweizerischen Lateintag, hinter dem der Verein Lateintag, die Fachhochschule Nordwestschweiz, die Pädagogische Hochschule der FHNW, die Gesellschaft pro Vindonissa sowie das Vindonissa-Museum stehen.

Auch bei Jugend im Gespräch

Im Gespräch ist das Latein offensichtlich. Und das, wie der Blick auf die Besucherinnen und Besucher des Lateintags zeigt, auch bei der Jugend. Pius Meyer, der Präsident des LateintagOrganisationskomitees, freut sich bei der Begrüssung jedenfalls über das Interesse an der vermeintlich toten Sprache und stellt fest: «Sie alle sind die Zeugen – die testimonnii – dafür, dass das Latein lebt.»

Sozusagen als Vertreter dieser Zeugen geben Personen verschiedenen Alters, vom ergrauten Emeritus bis zum Bezirksschüler, Auskunft darüber, was ihnen Latein bedeutet.

«Wer sich auf das Latein einlässt, entdeckt im Fremdartigen Verwandtes», stellt Alexander Hofmann fest, der als Vizedirektor der Pädagogischen Hochschule de FHNW gewissermassen Gastgeber des Lateintags ist. Er gibt aber auch zu bedenken: «Es geht beim Latein nicht um die Frage der Nützlichkeit, sondern um die Erfüllung des Forscherdrangs.» Gelegenheit, diesen Forscherdrang auszuleben, bieten die 24 Kursangebote des Lateintags. Beispielsweise das Angebot «Klaus’ Knochen küssen». Dabei geht es um die Magie der Dinge im Barock im Allgemeinen und den Umgang mit den Knochen des heiligen Bruder Klaus im Besonderen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können bei der Entzifferung einer lateinischen Handschrift aus dem 18. Jahrhundert selber aktiv werden. Und sind sich erwartungsgemäss bei der Interpretation nicht immer einig.

Umfrage: Warum besuchen Sie den Lateintag? Warum braucht es den Lateintag?

Stefanie Emmenegger, Studentin Pharmazie, Luzern «Ich besuche den Lateintag, weil ich mal Lateinunterricht hatte. Für mein Studium brauche ich Latein zwar nicht. Es gibt aber viele Bezüge. Ich habe den Lateintag 2012 besucht. Das war cool. Daher bin ich wieder gekommen. Man lernt Leute kennen, die sich fürs Latein interessieren. Der Lateintag ist eine gute Sache.»
5 Bilder
Ramona Breu, Studentin, Oberegg (AI) «Ich besuche den Lateintag, weil ich es wichtig finde, dass man das Latein aufleben lässt. Ich bin sprachlich interessiert. Latein hilft einem da viel. Latein ist nicht gestorben. Es braucht den Lateintag, damit Latein präsent ist, aber auch, um den Jugendlichen diese Sprache schmackhaft zu machen.»
Manfred Hainzmann, Historiker, Graz «Ich besuche den Lateintag, weil mich ein Freund eingeladen hat. Es ist mein dritter Besuch eines Lateintages. Latein braucht es als Brückenschlag zur antiken Welt, die im Menschen und auf verschiedenen Ebenen weiterlebt. Latein darf nicht in Vergessenheit geraten. Daher begrüsse ich den Lateintag sehr.»
Franziska Moor, Gymnasiallehrerin, Bern «Latein ist für mich in erster Linie die Verbindung meiner zwei Leidenschaften Sprache und Geschichte. Den Lateintag braucht es zur Aufklärung. Vielfach besteht das falsche Bild vom Latein als verstaubter Sprache. Latein wird zwar heute nicht mehr für ein Studium gebraucht. Es ist aber die Grundlage für die Geisteswissenschaften.»
Walter Meier, pensionierter Pfarrer, Brugg «Nach der Pensionierung habe ich begonnen, mich wieder mehr mit Latein zu beschäftigen, weil ich Latein von allen alten Sprachen am wenigsten gebraucht hatte. Ich mache auch bei einem Lateinkränzchen mit. Der Lateintag ist wichtig, damit diese Sprache nicht vergessen geht und auch die Jugend für das Latein motiviert wird.»

Stefanie Emmenegger, Studentin Pharmazie, Luzern «Ich besuche den Lateintag, weil ich mal Lateinunterricht hatte. Für mein Studium brauche ich Latein zwar nicht. Es gibt aber viele Bezüge. Ich habe den Lateintag 2012 besucht. Das war cool. Daher bin ich wieder gekommen. Man lernt Leute kennen, die sich fürs Latein interessieren. Der Lateintag ist eine gute Sache.»

Louis Probst

Durchweg erfreuliche Echos

«Ich bin mit dem Verlauf des Lateintags sehr zufrieden», erklärt Pius Meyer kurz vor dem musikalischen Ausklang mit Janka Speglitz (Cello) und Christoph Bischofberger (Querflöte). «Die Echos sind durchweg sehr erfreulich. Es ist gelungen, Jung und Alt zusammenzubringen. Eines der Highlights waren sicher die szenischen Darbietungen der Schülerinnen und Schüler zu denkwürdigen Momenten aus Mythos und Geschichte. Die Schülerinnen und Schüler sind letztendlich unser Nachwuchs. Aber auch im Aargau sind die Veränderungen der Rahmenbedingungen für die Schule feststellbar, die durch die Politik gesetzt werden. Für den Lateinunterricht wird es schwieriger. Das in die Köpfe zu bringen ist auch eines der Ziele des Lateintags.»