Sportgemeinde Birr

Von Sadikovic bis Hajrovic: Warum kommen so viel Sporttalente aus Birr?

Die Gemeinde Birr scheint ein gutes Pflaster für Sporttalente zu sein. Mit Fabienne Humm (Fussball), Amra Sadikovic (Tennis) und den Brüdern Izet und Sead Hajrovic (Fussball) gibt es gleich vier bekannte Sportler, die aus Birr stammen.

Die Gemeinde Birr scheint ein gutes Pflaster für Sporttalente zu sein. Mit Fabienne Humm (Fussball), Amra Sadikovic (Tennis) und den Brüdern Izet und Sead Hajrovic (Fussball) gibt es gleich vier bekannte Sportler, die aus Birr stammen. Doch was sind die Gründe dafür?

In den Antworten der Behörden, Fussballklubvertretern und der Sportler kristallisiert sich ein Grund heraus: Die Migranten in Birr haben einen massgeblichen Anteil daran. So meint der Gemeindeammann Markus Büttikofer: «Die Bevölkerungsstruktur von Birr ist sicher eine wichtige Grundlage.

Speziell bei Einwohnern mit Wurzeln in den Balkanstaaten ist oftmals ein grosser Ehrgeiz feststellbar, auf dem sportlichen Parkett viel zu erreichen.» Sei es durch die Kinder und Jugendlichen selber oder gefördert und unterstützt durch die Eltern.

Amra Sadikovic (geboren in Mazedonien) und die Hajrovic-Brüder (die Eltern kommen aus Bosnien) bestätigen diese Annahme. Fabienne Humm, WM-Teilnehmerin mit der Schweizer Nationalmannschaft und Spielerin beim FCZ, sieht ebenfalls einen positiven Einfluss von Migranten in einem Dorf: «Birr ist ein Dorf mit vielen Nationen. Durch den Sport kann man sich gut integrieren. Viele nutzen diese Möglichkeit.»

Der Fussballer wurde in Brugg geboren und wuchs in Birr in der Wohnsiedlung Wyde auf. Eine kurze Zeit verbrachte er beim FC Birr, bevor er zum FC Windisch wechselte. 1999, im Alter von 9 Jahren, wurde er an einem Turnier von einem Scout der Grasshoppers Zürich entdeckt. Anschliessend setzte er seine Karriere bei den E-Junioren von GC fort, wo er zum Profi ausgebildet wurde. 2009 gab er unter Ciriaco Sforza bei GC sein Debüt in der höchsten Schweizer Liga. Im Januar 2014 wechselte Hajrovic dann zu Galatasaray Istanbul. Doch der Wechsel endete in einem finanziellen Schlamassel. Die Gehaltszahlungen blieben aus, der Anwalt Hajrovics verlangte die Vertragsauflösung sowie eine Entschädigung. Danach wechselte Izet Hajrovic im Juli 2014 zum deutschen Bundesligisten Werder Bremen. Ende August 2015 wurde er an den spanischen Aufsteiger SD Eibar ausgeliehen. Izet Hajrovic hat zwei Freundschaftsspiele für die Schweizer A-Nationalmannschaft absolviert, später wechselte er in die bosnische Nationalmannschaft. An der Weltmeisterschaft 2014 kam er zu zwei Einsätzen. (jam)

Izet Hajrovic (24) Fussball

Der Fussballer wurde in Brugg geboren und wuchs in Birr in der Wohnsiedlung Wyde auf. Eine kurze Zeit verbrachte er beim FC Birr, bevor er zum FC Windisch wechselte. 1999, im Alter von 9 Jahren, wurde er an einem Turnier von einem Scout der Grasshoppers Zürich entdeckt. Anschliessend setzte er seine Karriere bei den E-Junioren von GC fort, wo er zum Profi ausgebildet wurde. 2009 gab er unter Ciriaco Sforza bei GC sein Debüt in der höchsten Schweizer Liga. Im Januar 2014 wechselte Hajrovic dann zu Galatasaray Istanbul. Doch der Wechsel endete in einem finanziellen Schlamassel. Die Gehaltszahlungen blieben aus, der Anwalt Hajrovics verlangte die Vertragsauflösung sowie eine Entschädigung. Danach wechselte Izet Hajrovic im Juli 2014 zum deutschen Bundesligisten Werder Bremen. Ende August 2015 wurde er an den spanischen Aufsteiger SD Eibar ausgeliehen. Izet Hajrovic hat zwei Freundschaftsspiele für die Schweizer A-Nationalmannschaft absolviert, später wechselte er in die bosnische Nationalmannschaft. An der Weltmeisterschaft 2014 kam er zu zwei Einsätzen. (jam)

Ähnlich klingt es auch von Giovanni Carta, Vorstandsmitglied des FC Birr: «Eltern mit Migrationshintergrund unterstützen ihre Kinder im sportlichen Bereich mehr.» Für ihn ist Birr definitiv eine Sportgemeinde. «Die Vereine bieten ein breites Spektrum an Sportarten an: von Fussball über Beach Soccer zu Badminton, Karate und Turnverein.» Die gute Infrastruktur, die von der Gemeinde zur Verfügung gestellt werde, ermögliche dieses breite Angebot. Seit zwei Jahren gibt es zudem die Sportlerehrung durch den Gemeinderat. Eine Wertschätzung seitens der Behörde für sportliche Erfolge.

Izet Hajrovic – Tore und Tricks zwischen| 2011-2014

Izet Hajrovic – Tore und Tricks zwischen 2011-2014

Wenig Einfluss der Behörden

Die Gemeinde selber hat wenig Einfluss auf die Entwicklung von Talenten. «Unterstützung gibt es, wo es möglich und vertretbar ist», sagt Gemeindeammann Büttikofer. «Leider sind uns aus finanziellen Gründen oftmals die Hände gebunden.» Bei der Förderung sei sicher nicht die Gemeinde an vorderster Front. Noch eher die Schulen, vor allem aber die entsprechenden Sportvereine, auf jeden Fall aber die Eltern, findet Büttikofer.

Bei Amra Sadikovic allerdings hatten die Gemeindevertreter einen relativ grossen Einfluss auf die Karriere. «Die Gemeinde hat vor allem in Sachen Einbürgerung sehr geholfen», erklärt die Tennisspielerin, deren Karriere beim Tennisclub Scherz begonnen hat. «Ich habe immer für die Schweiz gespielt, bin hier aufgewachsen und zur Schule gegangen. Um jedoch das Nationalteam unterstützen zu können, muss man den Schweizer Pass haben.» 2007 erhielt sie diesen innert kurzer Zeit. Das Verfahren wurde von der Gemeinde beschleunigt. «Dafür bin ich sehr dankbar», so Sadikovic.

Sie ist in Birr mit drei Geschwistern aufgewachsen, besitzt seit 2007 den Schweizer Pass. Mit von 9 Jahren begann sie beim Tennisclub Scherz. Bald gehörte sie zur nationalen Spitze. Neben dem Tennis absolvierte sie eine Lehre als Spitzensportlerin bei Swiss Olympic. Von 2009 bis 2014 war Sadikovic als Tennisprofi unterwegs, wurde zehnmal für den Fed-Cup nominiert und erreichte mit Rang 179 ihre beste Klassierung. Im Mai 2014 trat sie vom Spitzensport zurück, arbeitete ein Jahr als Tennistrainerin. Im Juni 2015 kehrte sie in den Tenniszirkus. Mittlerweile ist sie auf Platz 299 in der Weltrangliste. Ihre Energie tankt Amra Sadikovic zu Hause in Birr: «In Birr bin ich zu Hause. Ich fühle mich pudelwohl. Da die Gemeinde eher klein ist, hat man hier seine Ruhe und kann abschalten. Genau das brauche ich, wenn ich von Wettkämpfen nach Hause komme. Schöne Erinnerungen habe ich an das Brötliexamen. Ich habe diese Zeit geliebt. Nach der Schule haben wir Schüler uns oft mit Izet und Sead Hajrovic zum Fussball getroffen. Das gehörte irgendwie zum Alltag – und war das Highlight.» (jam)

Amra Sadikovic (26), Tennis

Sie ist in Birr mit drei Geschwistern aufgewachsen, besitzt seit 2007 den Schweizer Pass. Mit von 9 Jahren begann sie beim Tennisclub Scherz. Bald gehörte sie zur nationalen Spitze. Neben dem Tennis absolvierte sie eine Lehre als Spitzensportlerin bei Swiss Olympic. Von 2009 bis 2014 war Sadikovic als Tennisprofi unterwegs, wurde zehnmal für den Fed-Cup nominiert und erreichte mit Rang 179 ihre beste Klassierung. Im Mai 2014 trat sie vom Spitzensport zurück, arbeitete ein Jahr als Tennistrainerin. Im Juni 2015 kehrte sie in den Tenniszirkus. Mittlerweile ist sie auf Platz 299 in der Weltrangliste. Ihre Energie tankt Amra Sadikovic zu Hause in Birr: «In Birr bin ich zu Hause. Ich fühle mich pudelwohl. Da die Gemeinde eher klein ist, hat man hier seine Ruhe und kann abschalten. Genau das brauche ich, wenn ich von Wettkämpfen nach Hause komme. Schöne Erinnerungen habe ich an das Brötliexamen. Ich habe diese Zeit geliebt. Nach der Schule haben wir Schüler uns oft mit Izet und Sead Hajrovic zum Fussball getroffen. Das gehörte irgendwie zum Alltag – und war das Highlight.» (jam)

Bei grossen sportlichen Erfolgen ihrer Einwohner meldet sich die Behörde jeweils mit einem Gratulationsschreiben. So erhielt Fabienne Humm beispielsweise eine Karte nach ihrem tollen Auftritt an der Weltmeisterschaft in Kanada vergangenen Sommer, wo sie innerhalb von fünf Minuten einen Hattrick schoss. Auch Amra Sadikovic freut sich jeweils über das Schreiben. «Das zeigt, dass wir der Gemeinde wichtig sind. Das ist sehr schön.»

Einen grossen Anteil an der Förderung von Talenten haben natürlich die lokalen Vereine. Im Fall von Izet und Sead Hajrovic war dies der FC Birr. Der Verein ist stolz auf seine bekannten Vertreter. «Obwohl das Abenteuer Birr von kurzer Dauer war», wie Giovanni Carta vom Vorstand des FC Birr ausführt.

Gemeinsam mit seinem Bruder Izet ist Sead Hajrovic in der Wyde in Birr aufgewachsen. Inzwischen lebt er mit seinen Eltern in der Gemeinde Hausen. Auch er spielte, wie sein Bruder Izet, beim Zürcher Verein Grasshoppers. 2009 feierte der Innenverteidiger seinen bisher grössten sportlichen Erfolg: Mit der Schweizer U17-Nationalmannschaft wurde er in Nigeria Weltmeister. Als 16-Jähriger wurde er denn auch vom englischen Premier-League-Klub Arsenal unter Vertrag genommen. 2013 kehrte er zu GC zurück, kam dort aber praktisch nur in der zweiten Mannschaft zum Einsatz. Im Juli zog es ihn dann zum Challenge-League-Club Winterthur, wo der Innenverteidiger rasch zu einer Teamstütze wurde. Im Sommer 2015 erhielt er vom FC Wil ein Angebot, das er selber als reizvoll bezeichnete. Gemäss der Zeitung «Landbote» wollte er die Offerte annehmen. Der Verein allerdings empfand das Angebot als zu bescheiden. Und so spielt Sead Hajrovic in dieser Saison noch bei Winterthur. Sein Vertrag läuft im Juni 2016 aus. (jam)

Sead Hajrovic (22), Fussball

Gemeinsam mit seinem Bruder Izet ist Sead Hajrovic in der Wyde in Birr aufgewachsen. Inzwischen lebt er mit seinen Eltern in der Gemeinde Hausen. Auch er spielte, wie sein Bruder Izet, beim Zürcher Verein Grasshoppers. 2009 feierte der Innenverteidiger seinen bisher grössten sportlichen Erfolg: Mit der Schweizer U17-Nationalmannschaft wurde er in Nigeria Weltmeister. Als 16-Jähriger wurde er denn auch vom englischen Premier-League-Klub Arsenal unter Vertrag genommen. 2013 kehrte er zu GC zurück, kam dort aber praktisch nur in der zweiten Mannschaft zum Einsatz. Im Juli zog es ihn dann zum Challenge-League-Club Winterthur, wo der Innenverteidiger rasch zu einer Teamstütze wurde. Im Sommer 2015 erhielt er vom FC Wil ein Angebot, das er selber als reizvoll bezeichnete. Gemäss der Zeitung «Landbote» wollte er die Offerte annehmen. Der Verein allerdings empfand das Angebot als zu bescheiden. Und so spielt Sead Hajrovic in dieser Saison noch bei Winterthur. Sein Vertrag läuft im Juni 2016 aus. (jam)

Der Verein selber versucht, den rund 140 Jugendlichen möglichst gute Bedingungen zu bieten: Qualifizierte und ausgebildete Trainer, vorbildliche Betreuung und Trainingsmöglichkeiten sowie gute und genügend viele Spielfelder. «Talentierte Spieler unseres Vereins werden intern gefördert», erklärt Carta. «Es besteht auch die Möglichkeit, frühzeitig in die nächst höhere Kategorie aufzusteigen.»

Weiter komme ein Kids Trainingscamp dazu, das in Zusammenarbeit mit dem italienischen Klub Juventus Turin stattfindet. «Die Trainingseinheiten werden von qualifizierten Trainern der Jugendabteilung von Juventus Turin geleitet, unterstützt von den eigenen Juniorentrainern. Talente erhalten zudem einmal pro Woche ein Fördertraining.» Mit dem Aargauischen Fussballverband sei man gut vernetzt, führt Carta weiter aus. Informationen über Talente werden ausgetauscht, die Späher von Stützpunkten besuchen zudem Spiele und merken sich Namen von Spielern.

FC Birr fördert jetzt Mädchen

Beim FC Birr ist man auch stolz auf die Leistungen von Fabienne Humm, obwohl diese selber nie beim FC Birr aktiv war. «Das hat sich irgendwie einfach nicht ergeben», sagt sie. Und fügt an, dass es wichtig für die umliegenden Fussballvereine sei, Mädchen zu fördern. «Ich glaube es läuft nun etwas beim FC Birr bezüglich Mädchen. Das ist wichtig. Sie sollen ihre Chance bekommen.» Tatsächlich gibt es beim FC Birr seit dem Sommer erstmals ein Mädchen-Team mit den Jahrgängen 2001 bis 2005.

Fussballerisch ausgebildet wurde Fabienne Humm beim FC Windisch, später beim FC Sursee. Anschliessend wechselte sie zum FC Schlieren. Von da schaffte sie 2009 den Sprung ins Team des damals amtierenden Schweizer Meisters FC Zürich Frauen. In der Folge holte sie mehrere Schweizer Meistertitel und spielte mit dem FC Zürich auch in der Champions League. Am 26. Mai 2012 debütierte sie für die Schweizer Nationalmannschaft. Mit dieser qualifizierte sie sich für die Weltmeisterschaft 2015 in Kanada, wo sie internationale Berühmtheit erlangte mit ihrem Auftritt im Gruppenspiel gegen Ecuador. Innerhalb von fünf Minuten schoss Fabienne Humm drei Tore. Fabienne Humm lebt noch heute in Birr. Dazu sagt sie: «Birr ist mein Zuhause. Hier bin ich aufgewachsen. Besonders gerne erinnere ich mich an die Schulzeit und meine Jugend in Birr. Seit meinem Auftritt an der Weltmeisterschaft in Kanada kennen mich einige Einwohner mehr. Die Nachbarn haben mir gratuliert, einige Leute sprechen mich auch darauf an. Das ist ein tolles Gefühl.» (jam)

Fabienne Humm (28), Fussball

Fussballerisch ausgebildet wurde Fabienne Humm beim FC Windisch, später beim FC Sursee. Anschliessend wechselte sie zum FC Schlieren. Von da schaffte sie 2009 den Sprung ins Team des damals amtierenden Schweizer Meisters FC Zürich Frauen. In der Folge holte sie mehrere Schweizer Meistertitel und spielte mit dem FC Zürich auch in der Champions League. Am 26. Mai 2012 debütierte sie für die Schweizer Nationalmannschaft. Mit dieser qualifizierte sie sich für die Weltmeisterschaft 2015 in Kanada, wo sie internationale Berühmtheit erlangte mit ihrem Auftritt im Gruppenspiel gegen Ecuador. Innerhalb von fünf Minuten schoss Fabienne Humm drei Tore. Fabienne Humm lebt noch heute in Birr. Dazu sagt sie: «Birr ist mein Zuhause. Hier bin ich aufgewachsen. Besonders gerne erinnere ich mich an die Schulzeit und meine Jugend in Birr. Seit meinem Auftritt an der Weltmeisterschaft in Kanada kennen mich einige Einwohner mehr. Die Nachbarn haben mir gratuliert, einige Leute sprechen mich auch darauf an. Das ist ein tolles Gefühl.» (jam)

Die Schweiz gewann an der Frauenfussball-WM 2015 in Kanada gegen Ecuador mit 10:1. Fabienne Humm schoss dabei einen Hattrick.

Die Schweiz gewann an der Frauenfussball-WM 2015 in Kanada gegen Ecuador mit 10:1. Fabienne Humm schoss dabei einen Hattrick.

Amra Sadikovic würde sich wünschen, dass die Schulen vermehrt jungen Talenten gewisse Möglichkeiten verschaffen, die diese für das Training nützen könnten. Fabienne Humm findet auch, dass es wichtig sei, dass die Behörden sich der Existenz von solchen Talenten in ihrer Gemeinde überhaupt bewusst sind.

Das Fazit: Es dürfte mehr Zufall sein, dass ausgerechnet in Birr vier erfolgreiche Sportler herangewachsen sind. Einfluss haben aber definitiv die Arbeit der Klubs und auch die Eltern. Giovanni Carta ist überzeugt, dass es noch einen weiteren Grund gibt: «Die gute Luft des Chestenbergs», sagt er augenzwinkernd.

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