Bözberg

Vom Winde verweht – und geklaut – wurde nur ihr erster Drache

Sybille und Bernhard Leikauf aus dem Ortsteil Linn sind leidenschaftliche Drachenbauer. Dieses Handwerk sowie die Geschichte der Drachen wollen sie am Sonntag den Besuchern des Museums Bözberg weitergeben.

«Der erste Drachen, den wir vor gut 30 Jahren kauften, wurde uns gestohlen», erinnern sich Sybille und Bernhard Leikauf. Bei den ersten Versuchen, ihn steigen zu lassen, machte er sich im wahrsten Sinn des Wortes aus dem Staub. «Und dort, wo er landete, wartete bereits einer, packte ihn auf sein Fahrrad und weg waren die beiden.» Trotz dieser Erfahrung – oder vielleicht gerade deswegen – wurde die Freude am Drachen steigen lassen geboren. Die ersten Drachen wurde allesamt gekauft, später aber auch immer wieder mal einer selber gemacht.

Zu Beginn nähte Sybille Leikauf die Segel, seit einem Jahr nimmt sich Bernhard Leikauf dieser Sache an. Auf Wunsch seiner Gattin hat er bei seinem Erstlingswerk den unifarbenen Nylonstoff mit einem Alpaufzug mit Kühen, Geissen und Bauern versehen. Eine Arbeit, für die man nebst Können auch eine gehörige Portion Geduld mitbringen muss. Vor einem Jahr hat Bernhard Leikauf denn auch einen Drachenbaukurs beim Drachenclub Wehntal besucht, inklusive Nähunterricht. Die Maschine der Leikaufs hielt seinen ersten Nähversuchen nicht stand. «Das lag jedoch ausschliesslich an ihrem Alter», sagt Bernhard Leikauf schmunzelnd. Nun steht eine neue in der Drachenbau-Werkstatt. «Wenn sich Drachenbauer miteinander unterhalten, ist häufig das Stichbild und der Transport der Nähmaschine das Thema», sagt Sybille Leikauf augenzwinkernd.

Drachen füllen Autoanhänger

Wie sehen denn die heutigen Drachen aus, herrscht noch immer die klassische Form vor? «Alles fliegt – nur der Wind muss stimmen», sagen die beiden. Und den finden sie jeweils im Juni, am grossen Drachenfest in Dänemark. Seit vielen Jahren fahren die Leikaufs dorthin, zu Beginn mit einer gepackten Drachentasche, inzwischen füllen die Drachen einen Autoanhänger. Um die 5000 Besucher aus aller Welt treffen sich auf der dänischen Insel Fano, um miteinander ihrem Hobby zu frönen. Am Himmel sind dann alle möglichen Tierformen sowie Fantasie-Gebilde zu sehen. Aber auch die klassischen Modelle sind nach wie vor «in». Es sei ein Hobby, bei dem man wunderbar abschalten könne, bei dem man den ganzen Tag draussen verbringe. Das schätzen die Leikaufs sehr.

Am Sonntag, 12. Oktober haben die Museumsbesucher in Bözberg nun Gelegenheit, unterschiedlichste Drachen zu bestaunen und gar selber einen zu bauen. Zufälligerweise passend zu «One Sky One World», dem weltweiten Tag der Drachenliebhaber, sich und anderen klarzumachen: «Wir haben nur einen Himmel und eine Welt». Zum Start gibt es eine kurze Präsentation über Drachen früher und heute. Früher wurden sie auch militärisch oder in der Seenotrettung eingesetzt, heute sorgen sie vorwiegend für Freude. Ein-, Zwei- und Vierleiner werden genauso zu sehen sein wie auch Lifter.

Auch Reparaturen sind möglich

Ein Lifter ist sozusagen das Transportmittel, an dessen Leine Tiere und andere Motive, die selber nicht fliegen, montiert werden. Auch die Utensilien, die es zum Bau eines Drachens braucht, sind ausgestellt. Das Gestänge war früher vor allem aus Bambus oder Holz, heute herrschen glas- und kohlefaserverstärkte Kunststoffe vor. Das Segel wird aus Papier, reissfestem Tyvek, Nylon oder Polyester gefertigt und die Leine ist aus Nylon, Polyester oder Kevlar. Unter Anleitung kann man selber einen einfachen Schlittendrachen bauen. Und falls der Wind es zulässt, kann man ihn auch gleich fliegen lassen. Selbstverständlich dürfen auch Drachen mitgebracht werden. Kleine Reparaturen und Einstellungen sind in der Drachen-Werkstatt ebenfalls möglich.

Wie kam es zu dieser Drachenausstellung? «Wir sind Mitglied im Museumsverein Bözberg. Die Präsidentin hat uns eingeladen, nachdem sie von unserer grossen Leidenschaft erfahren hat, unser Hobby einem breitem Publikum vorzustellen», erinnern sich die beiden.

Wie viele Drachen sie ausstellen können, wissen die beiden noch nicht. Mit ihm Gepäck haben sie auf jeden Fall eine breite Auswahl. Mit ihm Gepäck sind auch viele Bastelsets und Leinen für all jene, die am Sonntag zwischen 11 und etwa 15 Uhr beim Museum in Kirchbözberg einen Drachen bauen möchten. Für Verpflegung ist gesorgt. Das Museum ist nicht geheizt.

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