Rendez-vous
Vom ersten bis zum letzten Kilometer: Er ist der Rekord-Leserwanderer

Hans Schneider aus Thalheim ist seit fünf Jahren dabei. Er geniesst das Leserwandern in vollen Zügen. Was dem pensionierten Bäcker zu denken gibt: Die belegten Brote schmecken heute oft bereits am Mittag nicht mehr frisch.

Sven Altermatt
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«Die Weiten, das Panorama, der Wald und die Wiesen»: Hans Schneider aus Thalheim ist passionierter Leserwanderer.

«Die Weiten, das Panorama, der Wald und die Wiesen»: Hans Schneider aus Thalheim ist passionierter Leserwanderer.

Sven Altermatt

Während die Wanderer zügig über den Waldboden stapfen, macht Hans Schneider kurz Halt. Neugierig lässt er seinen Blick ins Tal schweifen. Dann schliesst er mit grossen Schritten auf zur Spitzengruppe.

Es ist die sechste Ausgabe des Leserwanderns, die sechste Etappe vom Balmberg nach Oensingen. Ein 16,4 Kilometer langer Marsch mit 416 Metern Aufstieg und 1013 Metern Abstieg. Manch ein Wanderer stösst an seine körperlichen Grenzen. Doch Schneider scheint die Wanderung locker wegzustecken. Dass der Thalheimer auch heute unterwegs ist, hat durchaus mit Leidenschaft zu tun. «Seit meiner Pensionierung bin ich gern in der Natur», sagt er. Und dort halte er die Augen offen.

Hans Schneider, 67 Jahre, klein, schlank, kurze graue Haare und eine weiche Stimme, ist in den vergangenen Jahren oft gewandert. Oder besser: geleserwandert. Schneider ist der Rekord-Leserwanderer schlechthin, seit dem Jahr 2011 hat er so gut wie keine Etappe verpasst. Er entdeckte Burgruinen zu Fuss, blickte vom Grenchenberg aus auf die Alpen und erkundete die Kantonsgrenzen. Nur eines trübt seine Wanderlust: Seine Frau Silvia kann ihn nicht begleiten. «Ihre Knie würden das nicht mitmachen», sagt Schneider.

Ansonsten geniesst er sein Mammut-Programm vom ersten bis zum letzten Kilometer. Eines stellt er immer wieder fest: Das Brot, das die Wanderer am Morgen mit Salami oder Käse belegen, schmeckt schon auf der Mittagsrast nicht mehr frisch. Schneider macht das nachdenklich, schliesslich führte er jahrzehntelang die Dorfbäckerei von Thalheim. «Heute ist ein Brot wie das andere. Meines blieb meist drei Tage gut.»

Steiler Aufstieg
30 Bilder
Alphornbläser Max Profos
Warten auf die Mitwanderer
Wanderung mit Blick ins Mittelland
Trockener Boden
Stramme Waden
Steiler Aufstieg auf das Hellchöpfli
Sie schlängeln sich aufs Hällchöpfli
Rekordwanderer Robert schreitet voran
Sie folgen den Erzählungen von Köbu Studer
Prominente Mitwanderer (v.l.) Buchverleger Thomas Knapp, Kantonsrat Felix Glatz-Böni, Kantonsrätin Susan von Sury und Regiobank-CEO Markus Boss
Mittagsrast
Neugierige Kühe
Marschieren im Gleichschritt
Kurz vor dem Ziel
Kurze Pause mit Aussicht
Kurz vor der Mittagsrast
Kühe beobachten die Leserwanderer
Kräuterkunde mit Köbu Studer
Kräuterproduzent Köbu Studer
Höhle
Gruppenbild auf dem Hellchöpfli
Ein müder Wanderer
Die Leserwanderer kurz vor der Schmiedenmatt
Buchverleger Thomas Knapp (l.)
Das Postauto wartete schon auf die Leserwanderer
Blick in die Ferne
Baumstrunk
Auf der ersten Jurakette
Blick auf Oensingen

Steiler Aufstieg

Michael Forster und Sven Altermatt

Der harte Kern

Es ist eine Überzeugung, die Hans Schneider antreibt: «Wandern ist gut für Körper und Geist.» Während des Berufslebens habe er dafür keine Zeit gehabt. Nun will er sich fit halten mit Wandern. Musse dafür findet er immer wieder von neuem.

Obwohl er manchmal, wenn der Morgen graut, zuerst noch eine lange Bahnfahrt vor sich hat. Dann schlüpft er in seine kurzen Hosen, setzt sich eine Schirmmütze auf den Kopf und steigt am Bahnhof Brugg in den Zug. Spätestens auf der Wanderung überkommt ihn die Freude: «Die Weiten! Das Panorama! Der Wald und die Wiesen!» Um zur Ruhe zu kommen, bleibt er immer wieder stehen oder pflückt ein Sträusschen Johanniskraut. Und er sinniert.

Was Schneider in seiner Bescheidenheit verschweigt: Er und eine Handvoll weitere Wanderer haben grossen Anteil am Erfolg der Aktion. Sie bilden den harten Kern der Leserwanderer; sie halten auch mal als Kummerkästchen her oder stehen bei schwierigen Passagen mit Rat zur Seite.

Ein bisschen Schäkern hier, eine nette Begrüssung dort. Wo immer Hans Schneider in der Wandergruppe auftaucht, bildet sich eine Traube aus Menschen um ihn. Das ist so sicher wie das kühle Bier, das sich Schneider nach einer anstrengenden Wanderung gerne gönnt.

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