SwissUltraRun

Vom Bodensee zum Genfersee: Aargauer läuft nonstop quer durch die Schweiz

«Ich fühle mich sehr gut»: Ultraläufer SImon Schmid ist froh, dass der Startschuss zum SwissUltraRun bald fällt.

«Ich fühle mich sehr gut»: Ultraläufer SImon Schmid ist froh, dass der Startschuss zum SwissUltraRun bald fällt.

Simon Schmid aus Mönthal steht das Abenteuer seines Lebens bevor: der SwissUltraRun. Als erster Ultraläufer will der 45-jährige Mönthaler die Schweiz vom Bodensee bis zum Genfersee nonstop laufend durchqueren.

Ein einmaliges und einzigartiges Erlebnis, stellt er fest. Die Strecke führt von Romanshorn über 370 Kilometer nach Lausanne, was fast neun Marathonläufen am Stück entspricht.

Kräfteraubend sind die 1600 Höhenmeter sowie die 80 Kilometer, die nicht asphaltiert sind. Er freue sich auf den Startschuss in der Nacht auf kommenden Freitag, darauf, acht Kantone zu Fuss zu durchqueren, in unterschiedlichen Landschaften unterwegs zu sein, sagt der Ausdauerathlet. «Ich fühle mich sehr gut und bin froh, dass dieser Moment endlich da ist nach der langen, intensiven und komplexen Vorbereitung.»

Schmid ist fasziniert vom Zusammenspiel zwischen Körper und Geist, zwischen Training und Ernährung. Immer wieder testet er seine Grenzen und erbringt sportliche Höchstleistungen. In seiner Alterskategorie ist er Weltrekordhalter im 48-Stunden-Lauf sowie Schweizer Meister im 12-Stunden- und im 24-Stunden-Lauf.

Der SwissUltraRun – die Idee kam ihm an einer Weiterbildung in der Ostschweiz – hat aber auch für ihn eine ganz neue Dimension. Dass er bereit sei, habe sich diesen Frühling am internationalen Ultramarathon-Festival in Athen gezeigt. Mitten unter den besten Ultramarathonläufern der Welt schaffte er es auf den 2. Platz. «Das gibt mir Sicherheit und die Gewissheit, dass ich mich bestmöglich vorbereitet habe.»

Schmid spricht von einem positiven Testlauf – auch für den mentalen Bereich. Denn dieser sei genauso entscheidend für den Erfolg wie der Bewegungsapparat selber, weiss der Mönthaler, der beruflich als stellvertretender Leiter Pflege in der Rehaklinik Bellikon im Bereich Unfall-Rehabilitation tätig ist. Eine echte Herausforderung stelle überdies die Logistik dar. 14 Personen umfasst das Betreuerteam. «Auch wenn ich als Läufer im Rampenlicht stehe: Es ist eine Teamleistung. Alle investieren sehr viel Energie und Freizeit für das gleiche Ziel. Ohne diese professionelle Unterstützung wäre dieses Vorhaben undenkbar», sagt Schmid und fügt an: «Für mich ist dadurch aber auch der Leistungsdruck sehr gross.»

Wichtig sei es beim bevorstehenden Lauf, immer vorwärts zu schauen, immer in Bewegung zu bleiben, betont der Ausdauerathlet. Trotz minutiöser Vorbereitung sei es eine Reise mit vielen Unbekannten. «Es kann viel passieren. Ich muss flexibel sein.» Denn selbst bei einem erfahrenen Läufer sei nicht ganz klar, wie der Körper auf die extreme Belastung oder die Ernährung reagieren werde. Dazu kämen die äusseren Einflüsse wie das Wetter, das plötzlich umschlagen könne.

Es gelte, beim Rennen die richtige Balance zu finden, fährt Schmid fort. Je langsamer er es angehe, desto kleiner sei zwar die Belastung. Aber: Das Vorhaben ziehe sich in die Länge und die Müdigkeit könne zum Problem werden. «Schmerzen beim Laufen sind steuerbar, die Müdigkeit aber ist nicht kontrollierbar.» Welche Strategie und welchen Schuh – den leichteren, schnelleren oder den schwereren, gedämpfteren – er wählt, entscheidet Schmid spontan kurz vor dem Start um 4 Uhr in der Früh. Besonders gespannt ist er auf die Etappe durch den Aargau, durch den Bezirk Brugg, wenn ihn seine Kinder und Freunde am Strassenrand anfeuern. «Das gibt mir Kraft und Motivation.»

Während dem SwissUltraRun sind immer zwei Velofahrer an seiner Seite. Der vordere sichert die Strecke, der hintere sorgt für die Verpflegung. Alle acht Stunden erfolgt ein Wechsel. Zudem wartet jeweils nach 10 Kilometern ein Begleitbus auf die Gruppe. Seine Betreuer hätten die Strecke abgefahren und sich die Schlüsselstellen eingeprägt. Auch er selber sei gewisse Stellen gelaufen oder habe einige Abschnitte mit dem Velo absolviert, sagt Schmid. Vor allem in der Nacht sei die Orientierung auf den Velowegen ohne Beleuchtung schwierig. Auch ein Schlagloch könne zu heiklen Situationen führen. «Deshalb ist es zentral, ein verlässliches Team zu haben, das mir den Rücken freihält. Das Vertrauen muss stimmen.»

Bei seinen Betreuern handle es sich um sportbegeisterte Menschen und zum Teil langjährige Bekannte, «die mich sehr gut kennen und genau wissen, in welcher Situationen ich wie reagiere und wann welche Verpflegung gefragt ist», führt der Ultraläufer aus. Ihre Unterstützung und das Engagement seien unbezahlbar. Apropos Verpflegung: Pro Stunde muss Schmid je nach Temperatur zwischen 800 und 1000 Kilokalorien zu sich nehmen. Bei seinem Lauf über voraussichtlich rund 68 Stunden komme eine gigantische Menge zusammen, ergänzt er schmunzelnd. Sportgetränke und Gels sorgen für die nötige Energie, nach einer gewissen Zeit auch feste Nahrung: Kartoffelstock mit Salz oder allenfalls Teigwaren. Der Flüssigkeitsbedarf werde für die gesamte Renndauer bei etwa 65 Litern liegen, schätzt Schmid.

Bis zum Start komme eine schwierige Phase auf ihn zu, sagt der Ausdauerathlet. Nicht wegen der harten Trainingseinheiten – diese seien absolviert, die Kondition sei vorhanden. Vielmehr müsse er jetzt herunterzufahren, seine Vorbereitung umstellen. Auf dem Programm stehen Velo fahren und Schwimmen sowie täglich rund zwei Stunden schnelles Gehen.

Als Schmid im letzten August zu seinem Lauf quer durch die Schweiz ansetzen wollte, machte ihm im letzten Moment ein tragischer Zwischenfall im Betreuerteam einen Strich durch die Rechnung: Ein guter Freund erlitt einen Herzinfarkt. Diesmal kann den Ultraläufer nur noch das Wetter stoppen. Sollte es sehr kalt werden oder ohne Unterbruch regnen, müsste er den SwissUltraRun auf den 6. August verschieben. Von diesem Notfallszenario geht er indes nicht aus: «Wir haben uns voll und ganz auf nächstes Wochenende konzentriert. Alles ist auf Kurs. Ich denke, dass wir planmässig loslegen können.»

Mehr Informationen zum Lauf von Simon Schmid finden Sie hier

Meistgesehen

Artboard 1