Er bereue sehr, was vorgefallen sei. Daniel (Name geändert) versicherte, dass er seine Taten am liebsten rückgängig machen würde. «Ich möchte mich herzlich bei meinen Opfern entschuldigen.»

Gestern musste der 26-jährige Schweizer vor Bezirksgericht Brugg erscheinen. Zur Last gelegt wurden ihm zwei Raubüberfälle sowie der mehrfache Konsum von Betäubungsmitteln.

An einem Juli-Abend im letzten Jahr überfiel Daniel mit einem Messer in der Hand den Migrolino-Tankstellenshop in Windisch. Er forderte die Mitarbeiterin auf, die Kasse zu öffnen und erbeutete verschiedene Banknoten.

Nur gerade drei Tage später betrat er – wieder mit einem Messer ausgestattet – den Volg-Laden in Untersiggenthal, forderte auch dort die Mitarbeiterin auf, die Kasse zu öffnen und behändigte sich der Banknoten. Er verliess die Geschäfte jeweils fluchtartig. Der Deliktsbetrag beläuft sich auf rund 2000 Franken.

Mit 16 mit Kiffen begonnen

Daniel, von grosser, kräftiger Statur, die braunen Haare kurz geschnitten, trug vor Gericht modische blaue Jeans, Turnschuhe sowie ein weisses T-Shirt. Den braunroten Pullover legte über die Stuhllehne.

Auf die Fragen von Gerichtspräsidentin Chantale Imobersteg gab er ruhig klare und überlegte Antworten, nur selten konnte er sich nicht mehr an die Einzelheiten erinnern. Zwei Lehren hat Daniel begonnen, allerdings keine abgeschlossen. Heute ist er Sozialhilfebezüger.

Mit 16 Jahren, schilderte er, fing er an zu kiffen. «Ich war neugierig, wollte cool sein.» Als er später bei sich psychische Probleme feststellte, er bezeichnete diese als Panikattacken, begann er Heroin zu nehmen. Anstatt einen Psychiater aufzusuchen, habe er sich selber therapieren wollen, führte der Beschuldigte aus. Er habe sich gut gefühlt, klar im Kopf. Mittlerweile habe er fast alle Drogen ausprobiert.

Schon früher hatte Daniel ein Verfahren am Hals wegen Geldfälschung. Er habe kein Geld gehabt für Sportwetten, sei dann auf den Einfall gekommen, mit dem eigenen Drucker Hunderternoten herzustellen.

Er will sich ändern

Immer wieder begab sich der Beschuldigte in Entzug, mehrmals hielt er sich in Königsfelden auf – auch in der Zeit der beiden Überfälle. Einen vorzeitigen Massnahmenvollzug brach er allerdings ab. Er habe sich nicht verstanden, nicht ernst genommen gefühlt.

Die Vertrauensbasis habe gefehlt. «Ich sah keinen grossen Sinn.» Zurzeit nimmt er Methadon. «Das hilft, das möchte ich behalten.» Im Gutachten wurde festgehalten, dass Daniel an paranoider Schizophrenie leidet. Dieser selber zweifelte an dieser Diagnose, sprach stattdessen von Angstzuständen.

Sein Umfeld bezeichnete er als intakt. Er habe eine super Familie, die hinter ihm stehe, auch wenn sie schon viel hätte durchmachen müssen wegen ihm. Die Überfälle seien eine spontane, blöde Idee gewesen, weil er kein Geld hatte, sagte der Beschuldigte.

Er sei völlig benebelt gewesen, wie in einem Film, habe unter dem Einfluss eines starken Medikaments gestanden, das Benzodiazepine enthält, also psychotropen Substanzen. Er hätte nie jemandem etwas angetan, hätte nie im Leben zugestochen, beteuerte Daniel.

Er sei kein böser Mensch. «Es muss niemand Angst haben vor mir.» Er habe sich aber, räumte er ein, auch keine Gedanken darüber gemacht, wie sich die Opfer fühlen. Im Nachhinein habe es ihm leid getan und er habe sich mit Briefen entschuldigt.

Er wolle nicht mehr so weitermachen, wolle stattdessen sein Leben ohne Drogen in den Griff bekommen, nicht mehr kriminell sein, eine Therapie in Angriff nehmen, eine Lehre abschliessen, vielleicht einmal eine Familie gründen, versprach Daniel.

Die Vorfälle sind belastend

Der Staatsanwalt forderte eine Freiheitsstrafe von 3 Jahren sowie eine stationäre therapeutische Massnahmen, allenfalls eine stationäre Suchtbehandlung mit einer ambulanten therapeutischen Massnahme zur Behandlung der psychischen Erkrankungen. Bei einem Raubüberfall handle es sich nie um ein Bagatelldelikt, betonte der Staatsanwalt.

Für die Opfer sei es ein traumatisierendes Ereignis, diese hätten Todesängste ausgestanden, hätten nicht einschätzen können, zu welchen Handlungen der Täter in der Lage sei. Noch heute seien sie schreckhaft, die Vorfälle für sie belastend. Die Anwältinnen der vor Gericht anwesenden Verkäuferinnen forderten Genugtuungen von 2500 Franken, respektive von mindestens 3500 Franken.

Die Anwältin des Beschuldigten ihrerseits hob hervor, dass Daniel ein umfassendes Geständnis abgelegt, Reue gezeigt und sich bei den Opfern entschuldigt hat. Die Taten seien nicht minutiös geplant worden, die Verkäuferinnen seien nicht unnötigen Gefahren ausgesetzt gewesen, der Deliktsbetrag sei gering.

Eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten sei angemessen. Eine stationäre Massnahme erachtete sie als nicht gerechtfertigt. Die Delikte hätten im Zusammenhang gestanden mit der Suchtproblematik ihres Klienten, nicht mit dessen psychischen Zustand. Beim Gutachten sowie der Diagnose paranoide Schizophrenie handle es sich um Mutmassungen, so die Anwältin. Ebenfalls wies sie darauf hin, dass ihr Klient mittellos sei. Die Genugtuungssumme sei stark zu reduzieren und auf maximal je 500 Franken festzulegen.

Das Gesamtgericht sprach in seinem Urteil zwar von einer schwer verminderten Schuldfähigkeit, aber einem erheblichen Verschulden. Es entschied sich für eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten, eine Busse von 300 Franken sowie eine stationäre therapeutische Massnahme. Die Genugtuungssummen legte es auf je 2000 Franken fest.