Windisch

Vindonissa-Singers: Sie sind keine Kinder der Traurigkeit

Die Vindonissa Singers aus Windisch feiern in diesem Jahr ihren 40. Geburtstag. Dazu liessen sie sich deutsche und mundartliche Songs massschneidern. Entstanden ist ein Programm mit 16 modernen Popsongs.

Weshalb warten die Vindonissa Singers nicht den 50. Geburtstag ab? Weshalb richten sie zum 40. ein rauschendes Fest aus? «Weil es uns schlicht Freude macht», sagt Ruth Weber Suter. Die Präsidentin der Vindonissa Singers lächelt, als ob sie wüsste, dass im Kopf des Gegenübers der Begriff «Schnapszahl» spukt.

Im Ernst: Die Singers, die vor drei Jahren mit ihrem Dirigenten Richard Geppert zu neuen Ufern aufgebrochen sind, wollen sich und anderen eine Surprise bescheren - mit deutsche sowie in Mundart gesungenen Texten.

Nichts Neues unter der Sonne, will man Ruth Weber Suter und Christian Roth, Medienverantwortlicher, entgegnen. Doch man befindet sich auf dem Holzweg. «Zeitgenössische deutsche und schweizerdeutsche Texte, die für Chöre vertont worden sind, gibt es praktisch nicht», sagen Weber Suter und Roth übereinstimmend und verweisen auf die vertraute Liedtradition für die etwa «Im Aargau sind zwöi Liebi» steht.

Wie kam es zu dem ungewöhnlichen Projekt «Sing!Düütsch»? «Wir haben in den letzten Jahren viel auf Englisch gesungen. Mit der Zeit kam von den Chormitgliedern aber der Wunsch auf: Wir wollen wieder einmal Deutsch singen.»

Weil der 40. Geburtstag der Vindonissa Singers anstand, wälzte der Chor Ideen, bis sich ein Projekt herauskristallisierte: «Wir lassen uns von Autorinnen und Autoren Texte schreiben und lassen diese zu Popsongs vertonen.»

So einfach war das Ganze aber nicht. «Richard Geppert, unser Dirigent, kannte zwar sehr viele Autoren, was für uns eine tolle Ausgangslage war. Gleichwohl musste sich auch der Chor Namen durch den Kopf gehen lassen.

Schliesslich hatten wir eine Liste mit 30 Namen beisammen.» Darauf nahm das Projekt «Sing! Düütsch» Gestalt an: 2011 ging das erste Lied in Produktion, Anfang 2012 begannen die wöchentlichen Proben in Windisch für die Jubiläumskonzerte in Baden, Aarau und Windisch.

Zu den Autorinnen und Autoren, die für das reizvolle Vorhaben gewonnen werden konnten, zählen neben Richard Geppert unter anderen Markus Grimm, Daniel Schunn, Lisa Catena, Rolf Strub, King Pepe, Jenny Gruber und Myria Poffet.

Nicht nur textlich, auch musikalisch sind die Vindonissa Singers gefordert. So ist etwa das Lied «Augenblick» im Reggae-Rhythmus gehalten; «Es Stück vom Glück» ist ein Blues und «AusZeit» ist ein Song, der sich an Peter Fox' berühmtes «Das Haus am See» anlehnt.

Der Text stammt von Daniel Schunn: «Der Tag fing schon früh an, du hast alles gegeben//für die Kunden, für den Chef und die lieben Kollegen/Hast es irgendwie geschafft, bis jetzt zu überleben. Jetzt ist Schluss damit!»

Nicht nur Schunns Texte, auch jene der Berner Musikerin Lisa Catena sind bedenkenswert. «Geng no da» handelt davon, etwas zu verlieren, das man liebte: «Sit du wäg bisch us mim Härze, isch es dunkler worde i mire Wält. Teuf, ganz teuf i mir, bisch du geng no da».

«Etwas verlieren ist immer schmerzhaft, vor allem wenn es sich um einen geliebten Menschen handelt. Und doch ist es eine sehr menschliche Erfahrung - keiner wird davon verschont», sagt Lisa Catena über ihren Liedtext, den sie auf einer Winterwanderung durchs Emmental geschrieben hat.

Markus Grimm wiederum - er stammt in direkter Linie von einem der Gebrüder Grimm ab - schrieb unter anderem den Text zum Lied «Augenblick», den Geppert mit einer süffigen Melodie unterlegt hat. «Die 16 Songs, die wir singen, sind kraftvoll und energiegeladen; die Texte sind nie seicht, sondern tiefgründig», sagt Ruth Weber Suter: «Wir wollen damit dem tristen Zeitgeist etwas entgegensetzen.»

Wie das? Die Präsidentin kommt auf die Studie einer Berliner Universität zu sprechen. Diese attestiert der modernen Popmusik eine zunehmende Traurigkeit, was sich in der immer häufigeren Verwendung von Moll-Tonarten manifestiert.

Spass muss sein

Aber die Vindonissa Singers sind keine Kinder der Traurigkeit - also lassen sie es und die dreiköpfige Band auf der Bühne so richtig «fäge». Spass muss sein, doch das mit 64 000 Franken dotierte Projekt, hat einen ernsten Hintergrund. «Die moderne deutsche und schweizerdeutsche Chorliteratur, die wir in Auftrag gegeben haben, soll nach der Uraufführung auch anderen Chören zur Verfügung stehen.»

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